Heimersheimer sind besorgt: Bangen um den Pfarrsaal

Heimersheimer sind besorgt : Bangen um den Pfarrsaal

Was geschieht mit dem Pfarrsaal in Heimersheim? Diese Frage stand im Mittelpunkt der jüngsten Ortsbeiratssitzung in der Landskroner Festhalle und bewegte die Gemüter, wie die Anwesenheit von mehr als 100 Bürgern zeigte.

Die Zukunft dieses Treffpunkts und Veranstaltungsorts, der im Eigentum der Pfarrgemeinde Sankt Mauritius steht, ist ungewiss, seitdem bekannt wurde, dass das Alten-und Pflegeheim St. Vinzenz, zu dem der Pfarrsaal mittlerweile gehört, seinen Betrieb zum 31. März 2017 einstellen will. Der Vorsitzende des Pfarrverwaltungsrates, Josef Maurer, bestätigte in der Sitzung die Schließungsabsicht der Marienhaus Senioreneinrichtungen GmbH, die das Pflegeheim betreibt.

Zur Historie: Das Alten- und Pflegeheim St. Vinzenz geht auf den ehemaligen Heimersheimer Pfarrer Heinrich Winter zurück, der das „Klösterchen“ 1914 baute. Aus Köln-Nippes brachte er Nonnen des Vinzentiner-Ordens nach Heimersheim, die dort die Betreuung im Kindergarten übernahmen, eine Nähschule gründeten und Kochkurse anboten. Ihr Hauptanliegen aber war die ambulante Pflege.

So wurde am 24. Februar 1959 nach Renovierung und Erweiterung das Alten- und Pflegeheim St. Vinzenz eröffnet. Weil der Bedarf an Heimplätzen weiter stieg, entschloss man sich 1972 zu einem weiteren Erweiterungsbau, der im Dezember 1974 fertiggestellt wurde. Nachwuchsmangel und Überalterung zwangen die Vinzentinerinnen aber dazu, das „Klösterchen“ Ende 1976 zu verlassen. Die Katholische Pfarrgemeinde St. Mauritius Heimersheim übernahm die Verantwortung für das Heim mit seinen damals 46 Bewohnern.

Die ehemaligen Zimmer der Schwestern wurden für Senioren eingerichtet, und bald stieg die Zahl der Bewohner auf 75. Im Jahre 1993 übernahm die Marienhaus Senioreneinrichtungen GmbH (Marienhaus) die Betriebsführung, als Träger fungiert die Cusanus Trägergesellschaft Trier mbH (CTT), mit der die Pfarrgemeinde einen Erbpachtvertrag bis 2043 abschloss.

Die Pfarrgemeinde habe mittlerweile mit möglichen Erwerbern des Gebäudekomplexes gesprochen, so Maurer. Doch derzeit werde aber nur noch mit dem Heimersheimer Unternehmer Helmut Schäfer verhandelt, der als möglicher Erwerber nicht nur umfangreiche Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten vornehmen will, sondern auch den zukünftigen Pflegebetrieb weiterführen möchte.

Zur Finanzierung des Projektes äußerte sich Schäfer in der Veranstaltung auf Nachfrage nicht. Er sagte allerdings, als Betreiber des Pflegedienstes sei das Maranatha in Bad Bodendorf im Gespräch. Was in Heimersheim aber nicht überall auf Begeisterung stößt. Deshalb will der Ortsbeirat im Nachgang zur Ortsbeiratssitzung in einem Brief an die CTT noch einmal sondieren, ob nicht doch eine Weiterführung durch Marienhaus in der neuen Konstellation denkbar wäre.

Völlig unklar ist allerdings die Zukunft des Pfarrsaales, der an das Pflegeheim angrenzt und von vielen Heimersheimern nach wie vor rege genutzt wird. Schäfer machte an dem Abend deutlich, dass es den Pfarrsaal in der jetzigen Form nur noch vielleicht anderthalb Jahre geben werde und er danach nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung stehe. Es sei jedoch ein anderer Versammlungsort auf dem Gelände des „Klösterchens“ in Planung, dazu habe man bereits eine Bauvoranfrage gestellt.

Bürgermeister Guido Orten ergänzte, es werde derzeit ohnehin über ein neues Nutzungskonzept für die beiden Versammlungsräume der Landskroner Festhalle nachgedacht. Auch die Nutzung des neuen Teils der Pfarrkirche St. Mauritius als Pfarrsaal nach Abschluss der Kirchenrenovierung stehe zur Diskussion. Er plädierte dafür, für das „Klösterchen“ zunächst ein schlüssiges Immobilienkonzept anzufertigen, bevor die Verträge unterzeichnet würden. Von all den Veränderungen nicht betroffen sei der Kindergarten, so Maurer.

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