Gebietsreform im Ahrkreis: Bad Neuenahr-Ahrweiler feiert Goldjubiläum

Gebietsreform im Ahrkreis : Bad Neuenahr-Ahrweiler feiert Goldjubiläum

Mit dem Neujahrstag begann für Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Jubiläumsjahr. Bürger und Stadträte wehrten sich vor 50 Jahren gegen die von Mainz verordnete Fusion. Auch eine Verfassungsbeschwerde scheiterte.

Seit 50 Jahren gibt es im Stadtnamen den Bindestrich zwischen Bad Neuenahr und Ahrweiler.

Ein Blick zurück: Am 7. Juni 1969 erfolgte die Bildung der neuen Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler aus den ehemals selbstständigen Städten Ahrweiler und Bad Neuenahr sowie den Gemeinden Gimmigen, Heimersheim, Kirchdaun und Lohrsdorf. Am 8. Juni 1969 wurde der erste Stadtrat gewählt, am 3. Juli 1969 fand die erste Sitzung des neu gewählten Stadtrates im Sitzungssaal des „Rheinischen Hofes“ statt. Am 4. Dezember 1969 wurden Bürgermeister Rudolf Weltken und der Erste Beigeordnete Winfried Schneider in ihre Ämter eingeführt. Beide waren wie damals üblich vom Rat gewählt worden. Die Fülle der Aufgaben war gigantisch, galt es doch neue, gemeinsame Strukturen für eine gesunde und zukunftsfähige Stadtentwicklung zu finden und zu realisieren. Und dies bei Kommunen, deren Bürger sich nicht unbedingt grün waren. Da lohnt das Blättern in Archiven und Chroniken.

Es war im Februar 1968, als der CDU-Landtagsabgeordnete Franz Schaaf aus Lantershofen erstmals die Pläne des Landes zur Verwaltungsreform öffentlich machte. Die Stadträte von Bad Neuenahr und Ahrweiler waren „entsetzt“ und taten dies auch in Resolutionen kund.

Beide Gremien warfen dem damaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl vor, weder „Stadträte oder Bürgerschaft gehört zu haben“. Dies auch mit dem Verweis auf die Freiwilligkeit von Fusionen. Ob der Proteste auch anderer Kommunen beschloss der Landtag die Durchführung von Anhörverfahren. Doch auch diese konnten die Landespolitik nicht von ihrem Reformvorhaben abbringen.

Viele haben sich vor 50 Jahren in die Diskussion eingeschaltet. Waren in Ahrweiler Schützen, Huten und Heimatverein die Hauptbedenkenträger, protestierten in Bad Neuenahr Heilbadfunktionäre und Handel. So sahen die Ahrweiler die „tieferen und echten Werte“ ihrer Stadt „missachtet und zerschlagen“. Die bauliche Annäherung – der von Mainz angeführte Hauptgrund für die Reform – könne „kein Argument für die Auflösung unserer Stadt“ sein.

Die Bad Neuenahrer befürchteten hingegen bei einer Versammlung im Kurhaus, das Heilbad könne zum „Zahlmeister werden und durch die größere finanzielle Belastung einer Gesamtstadt Schaden nehmen“. „Unser Heilbad ist in Gefahr“, warnten CDU, SPD und FDP im Bad Neuenahrer Rat, sahen die Einnahmen ihrer Stadt in einer Kanalisation für Ahrweiler versickern.

Indes rief eine „überparteiliche Gruppe junger Ahrweiler Bürger, die sich über die Zukunft unserer Stadt ihre eigenen Gedanken macht“ dazu auf, bei einer Bürgerbefragung gegen den Zusammenschluss zu stimmen. Zu dieser hatten sich die Räte beider Kommunen entschieden, weil es auch Bürger gab, die für eine Fusion waren. Das Ergebnis: In Bad Neuenahr stimmten 77 Prozent gegen die Fusion, in Ahrweiler 68 Prozent. Wobei die Beteiligung im Heilbad bei 50 Prozent und in Ahrweiler bei 66 Prozent lag. Aber viele hatten sowieso den Eindruck, das Land mache trotzdem was es wolle.

Richtig vermutet: Denn noch während der Bürgerbefragungen behandelte der Reform-Ausschuss des Mainzer Landtags abschließend den Zusammenschluss – ein halbes Jahr vor Inkrafttreten des dafür notwendigen Gesetzes. So wurde kurz vor Weihnachten 1968 das Schicksal der Stadt besiegelt: Während sich eine Delegation aus Ahrweiler mit Bürgermeister Wilhelm Helfmann in der Staatskanzlei noch bemühte, dass die gemeinsame Stadt nicht Bad Neuenahr-Ahrweiler heißen sollte, stimmte der Landtag für die Zusammenlegung der beiden Kommunen, die das partout nicht wollten. Die Landespolitik wollte eben nicht, dass der Widerstand gegen die Gebietsreform Schule macht. So heißt es im Landesgesetz vom 10. Januar 1969 dann auch: „Die Städte Ahrweiler und Bad Neuenahr sowie die Gemeinden Gimmigen, Heimersheim, Kirchdaun und Lohrsdorf werden aufgelöst. Aus dem Gebiet wird die neue Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler gebildet.“ Da nutzte auch eine Ahrweiler Verfassungsbeschwerde nichts mehr.

Daran konnte auch die eiligst von einer Gruppe um Aloys Lingen aus der Taufe gehobene „Aktion rettet Ahrweiler“ nichts mehr ändern.

So wurde der damals 39-jährige Rudolf Weltken erster Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sein Vorteil: Der Andernacher war als ehemaliger Oberregierungsrat beim Landratsamt Neuwied ein Fremder, und somit konnte er frei von persönlichen Beziehungen unbelastet ans Werk gehen, um aus zwei eins zu machen. Das galt vor allem für die neue Stadtverwaltung.

Der später oft als kommunale Mehrzweckwaffe bezeichnete und in diesem Jahr verstorbene Rudolf Weltken konnte es allerdings nicht allen recht machen. „Irgendwem bin ich immer auf die Füße getreten“, sagte er einmal dem General-Anzeiger. So habe es in Ahrweiler einen Beamten gegeben, „der stolz darauf war, noch nie in Bad Neuenahr gewesen zu sein.“ 1972, als das Rathaus ins ehemalige Bad Neuenahrer Astoria zog, musste aber auch dieser einrücken. Und lernte, wenn auch widerwillig: „Gemeinsam geht es doch.“

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