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Auseinandersetzung über Sinziger Thermalbad

Auseinandersetzung über Sinziger Thermalbad

Während die Verhandlungen um das Bad in die finale Phase gehen, tobt hinter den Kulissen Streit. Von Rufmord, Verletzung des Steuergeheimnisses, von Unterschlagung ist die Rede. Sogar Strafanzeige wurde erstattet.

Eigentlich möchten die Sinziger einfach nur die Fortführung ihres Schwimmbadbetriebes in Bad Bodendorf gesichert haben. Spätestens aber seit der bisherige Pächter, Alexander Albrecht, im Herbst 2010 seinen Pachtvertrag kündigte, gibt es die Befürchtung einer dauerhaften Schließung. Dazu soll es nach dem Willen des Stadtrates nicht kommen. Also wurde mit Interessenten verhandelt, die das in die Jahre gekommene Nostalgiebad betreiben wollen.

Was diese Verhandlungen anbetrifft, so befindet man sich in diesen Tagen in der finalen Phase. Hinter den Kulissen tobt derweil ein Streit. Von Rufmord, Verletzung des Steuergeheimnisses, von Unterschlagung ist die Rede. Einer der Bewerber hat Strafanzeige erstattet.

Verschiedene Modelle wurden in den vergangenen Monaten zur Zukunftssicherung des Bades in nichtöffentlichen Sitzungen diskutiert. Gleich fünf denkbare Badbetreiber bewarben sich, unter anderem die Bad Neuenahrer Kur AG sowie der bisherige Schwimmmeister Frank Riffel, der das Thermalbad seit 16 Jahren betreut.

Plante Unternehmer Swingerclub?

Im Rennen ist aber auch der nach Bad Bodendorf gezogene Unternehmer Thorsten Leffeck. Er war im sauerländischen 1000-Seelen-Dorf Hillmicke (bei Olpe) ins Gerede gekommen, nachdem er dort angeblich einen Swingerclub in einem ehemaligen Sägewerk habe eröffnen wollen, was der Neu-Bad Bodendorfer jedoch vehement bestreitet.

Es sei eine alte "Kamelle", die jetzt an Land gespült werde, so der Unternehmer. "Ich habe vor zwei Jahren eine Wellness-Oase in den Betriebsräumen meiner alten Heimat bauen wollen. Es wurde dann versucht, mir den Bau eines Swingerclubs zu unterstellen, worauf meine Frau und ich auf das Schärfste reagiert haben", teilte er dem General-Anzeiger wörtlich mit. Er habe seriöse Wurzeln und könne belegen, einen solchen Nutzungsantrag nie gestellt zu haben.

Die örtliche Presse in Olpe bewertete den Vorgang freilich etwas anders und titelte "Ein gewisser erotischer Touch in Hillmicke". Die Olpener Kreisverwaltung genehmigte die "Vergnügungsstätte" schließlich nicht. Zuvor hatte die "Westfalen-Post" bei Leffeck angefragt, wie er die Chancen für einen Swinger-Club einschätze. Leffeck wird in dem Blatt mit dem Satz zitiert: "Ich kenne die moralischen Grenzen der Olpener nicht."

Strafanzeige gestellt

Die Grenzen im Sinziger Stadtrat waren hingegen schnell gezogen. Nachdem Bürgermeister Wolfgang Kroeger in nichtöffentlicher Sitzung "bestimmte urkundlich belegte Tatsachen" bekannt gegeben hatte, "die von Bedeutung für die Auswahl der Interessenten sind", und dem betroffenen Bewerber die Gelegenheit gegeben werden soll, "eventuell bestehende Unstimmigkeiten auszuräumen", vertagte man die Entscheidung darüber, wer in Zukunft das Bad Bodendorfer Thermalbad führen soll.

Die "urkundlich belegten Tatsachen" rufen derweil Thorsten Leffeck auf den Plan. Er habe nun Strafanzeige erstattet. Auf 53 Seiten habe er der Staatsanwaltschaft "26 Straftatbestände, die ich meiner Meinung nach feststellen und ausreichend dokumentieren konnte", vorgelegt. Eine für gestern angekündigte Pressekonferenz hat der Unternehmer jedoch kurzfristig abgesagt.

Sinzigs Bürgermeister sieht das alles gelassen. Er habe sich nichts vorzuwerfen. "Ich habe mich in meinen nichtöffentlichen Darlegungen auf das bezogen, was andere Behörden festgestellt und dokumentiert haben", sagt Wolfgang Kroeger.

Am 1. März tagt der Stadtrat erneut. Dann soll die Entscheidung im Wettbewerb der potenziellen Betreiber fallen. Nach einer Vorlaufzeit von vier Wochen könnte das Bad dann zu Ostern wieder eröffnet werden.