Auf der Grafschaft purzelt Preis für Erdbeeren

Auf der Grafschaft purzelt Preis für Erdbeeren

Während sich Verbraucher über günstige Angebote in Hofläden freuen, kommen Produzenten kaum auf ihre Kosten - Trotz guter Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur bleiben Helfer aus Polen oft aus

Grafschaft. Die Erdbeerernte auf der Grafschaft läuft auf Hochtouren und die Preise purzeln. Für etwa 1,20 Euro das Pfund werden die süßen Früchte derzeit in den Hofläden angeboten. Der Großmarkt zahlt 70 bis 75 Cent. Bruno Müller, Sprecher des Arbeitskreises Obstbau im Kreis Ahrweiler, sieht das kritisch: "Man muss sich überlegen, ob man für das Geld noch produzieren kann."

Die Natur hat es bislang gut gemeint mit den Erdbeeranbauern auf der Grafschaft. Von Hagel und Platzregen, die in anderen Gebieten Teile der Ernte vernichtet haben, blieb die Region verschont. "Wir hatten schöne Niederschläge", stellt Müller fest. Der Landwirt ist allerdings froh, dass die Periode der heißen Tage erst einmal vorbei ist. Denn bei der Hitze gab es wieder einen Engpass bei den Pflückern. Folge: Ein Teil der Beeren blieb auf den Feldern.

Hatte die Bürokratie in Deutschland und Polen bei der Vermittlung der Erntehelfer in den vergangenen Jahren Probleme gemacht, so ist das derzeit offenbar ausgestanden. "Die Arbeitsagentur ist mittlerweile sehr kooperativ", lobt Müller. "Wir wissen allmählich auch, dass wir in Deutschland keine Erdbeerpflücker finden." Trotzdem bleiben die bewährten Kräfte aus Polen vielfach aus.

Für seinen Betrieb in Oeverich hatte Müller 90 Helfer aus Polen eingeladen, eigentlich sollten sie jetzt hier sein. Aber 24 sind nicht gekommen. Das führt der Landwirt auf die Arbeitssituation und den Geldmarkt in Polen zurück. Die Arbeitslosigkeit sei deutlich gesunken, der Stundenlohn von 3,50 Euro nicht mehr attraktiv, da der Wert des Sloty in der Relation zum Euro deutlich gestiegen sei. "Polnische Studenten arbeiten lieber in England, Irland oder den Niederlanden", sagt Müller.

Andere Arbeitswillige hätten in der Zwischenzeit offenbar im eigenen Land Arbeit gefunden. "Polen ist für uns out", bilanziert er. Müller ist froh, dass wenigstens der alte Stamm seiner Helfer dem Hof treu geblieben ist, für die in einer Woche beginnende Himbeerernte rechnet er trotz allem wieder mit Studenten aus Polen. Um seinen Bedarf an Arbeitskräften für den Herbst zu decken, plant Müller, Ende des Monats mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit nach Bulgarien zu reisen und dort Personal zu akquirieren.

"Bulgarien ist in diesem Jahr neu dabei, die ZAV hat die Sache mit der dortigen Arbeitsvermittlung organisiert, und ich bin gespannt, was uns da erwartet", sagt er. Versuche, in Rumänien Personal zu finden, hält Müller dagegen nicht für Erfolg versprechend: "Die können auch in andere EU-Länder". Er selbst hält ein Abkommen mit der Ukraine zur langfristigen Sicherung des Bedarfs für erforderlich.

So wie im Obstgut Margaretenhof in Oeverich zeigt sich die Situation auch in anderen Grafschafter Betrieben. "Ich habe mit vielen Berufskollegen gesprochen, die polnischen Helfer bleiben aus, ein Teil der Erdbeeren kann nicht geerntet werden", sagt Müller. Als Strategie gegen die Verluste plädiert er energisch dafür, in anderen Ländern Personal zu suchen.

Erdbeer-Preis

Der Großmarktpreis für Erdbeeren deckt laut Bruno Müller gerade die Pflückkosten. Und darum versteht der Grafschafter nicht, dass die großen Discounter das Obst für 88 Cent pro Pfund anbieten.

"Es ist ein Problem, dass die Lebensmittel in Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern zu billig sind", sagt er und verweist auf die Bauern-Proteste beim Milchpreis. Positiv wertet Müller den Versuch des Großmarkts "Landgard", Grafschafter Obst international zu besseren Preisen abzusetzen. Da seien die Preise 25 Prozent höher als im Inlandsgeschäft.

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