Alles begann mit dem Apollinariswasser: Auf den Spuren der eigenen Geschichte

Alles begann mit dem Apollinariswasser : Auf den Spuren der eigenen Geschichte

Der General-Anzeiger begleitete einen Spaziergang in das Neuenahr des 19. Jahrhunderts.

150 Jahre wird die Volksbank Rhein-Ahr-Eifel – entstanden aus mehr als 70 kleinen Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Genossenschaftsbanken der Region – in diesem Jahr alt. Die Vergangenheit der Bank ist Geschichte der Heimat und ihrer Menschen. Armut und Not, Aufstieg und Fortschritt – Kriege und Währungsverfall spiegeln sich in ihrer Entwicklung. Dazu gehören auch Gebäude. Die Volksbank hatte nun zu einem Rundgang durch die Bad Neuenahrer Innenstadt geladen, um auf eigenen Spuren zu wandeln.

Stadtführerin Andrea Meyer, nicht nur versierte Kennerin der Ortsgeschichte, sondern auch Mitarbeiterin des Kreditinstituts, startete mit ihren Gästen zu einer kleinen aber feinen Zeitreise, die begann, als es noch gar kein Neuenahr gab, sondern nur die drei unbedeutenden Dörfer Beul, Hemmessen und Wadenheim. Wäre da nicht ein gewisser Georg Kreuzberg gewesen, der 1852 auf Heilwasser stieß, das fortan als Apollinariswasser für Furore sorgen sollte. Weitere Brunnen wurden erschlossen und genutzt.

Lange dauerte es nicht, und die ersten Kurgäste pilgerten ob der heilenden Wirkung des aus dem Erdreich sprudelnden Nass an die Ahr. Investoren legten in den nun zu Neuenahr zusammengefassten Dörfern ihr Geld an. Der Wohlstand hielt Einzug. Verfallene Hütten wichen stolzen Bauten.

Das Hotel „Zur Traube“ entstand an der Provinzialstraße, der heutigen Hauptstraße, oder auch das Hotel Flora, in dem das Rathaus untergebracht ist. Zu gleicher Zeit wurden das prunkvolle Gästehaus Flora gebaut, auf dessen Areal inzwischen die Volksbank ihren Geschäften nachgeht. Der „Rheinische Hof“, das „Hotel Landskrone“, das „Palasthotel“ oder das Hotel „Kaiserhof“ (heute Kaufhaus Moses) prägten das Stadtbild. In der Provinzialstraße, dort wo sich heute ein „China-Thai-Imbiss“ befindet, hatte der „Neuenahrer Kredit-Verein“ sein Zuhause. Schließlich brauchten Hoteliers wie Winzer und Bauern Geld in Form von Krediten oder wollten Überschüsse anlegen. Später zog das kleine Bankhaus in die Poststraße um. Ab 1940 nannte man sich „Neuenahrer Kreditbank“. Immer wieder gab es Umzüge, da die Bank sich vergrößern musste.

1975 schließlich bezog die Genossenschaftsbank die neu erbaute Hauptgeschäftsstelle an der Ecke Telegrafenstraße/Hauptstraße. Längst hatte man mit zahlreichen kleineren Bankeinheiten fusioniert, was 2002 im Zusammenschluss der beiden großen Volksbanken Vulkaneifel und Rhein-Ahr gipfelte. 72 Vorgängerinstitute an Rhein und Ahr hatten sich im Laufe von 150 Jahren zu einem großen Bankhaus zusammengefunden. Rund zwei Milliarden Euro weist die Bilanzsumme heute aus. Und schon steht die nächste Fusion an: Die Bank will sich mit der Raiffeisenbank Mittelrhein-Weißenthurm vereinen. Heute Abend soll darüber befunden werden.

Die Gäste der kleinen Stadtführung hatten ihre Freude an den Rückblicken in vergangene Jahrzehnte, die mit einem Besuch der Ausstellung „150 Jahre Volksbank“ im Hauptsitz des Kreditinstituts ihren Abschluss fanden.

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