Förderprojekt stößt auf Interesse: Artenreiche Wiesen in Ahrweiler

Förderprojekt stößt auf Interesse : Artenreiche Wiesen in Ahrweiler

Rund 250 Bürger wollten in der Mensa des Are-Gymnasiums mehr über das Förderprojekt „Artenreiche Wiese“ erfahren. 50 000 Euro stellt der Kreis Ahrweiler dafür bereit.

Der Kreis Ahrweiler hat das Projekt „Artenreiche Wiese – Lebensraum für Biene, Schmetterling & Co.“ gestartet. Ziel: Mehr biologische Vielfalt ermöglichen und die Ausweitung von regionstypischen Blühflächen ausweiten. 50 000 Euro hat der Kreistag von Ahrweiler für das Förderprojekt in den Haushalt 2019 eingestellt. Angesprochen sind Kommunen, Vereine, Bürger, kurzum alle, denen die Natur zwischen Rolandseck und Müllenbach am Herzen liegt.

Das Echo ist groß. 250 Vertreter von Gemeinden, Naturschutzverbänden und Vereinen trafen sich am Mittwochabend in der Mensa des Bad Neuenahrer Are-Gymnasiums, um sich über Fördermöglichkeiten zu informieren. Wobei sich die Palette der Teilnehmer vom Brohler Kulturverein über die Dorfgemeinschaft Bandorf und die Löhndorfer Rosenfreunde bis zum Streuobstwiesenverein der Kreisstadt erstreckte.

Erste Schritte für das auf Nachhaltigkeit und Dauer ausgerichtete Projekt sind schon getan. So erklärte Landrat Jürgen Pföhler vor dem Plenum: „Mit dem Netzwerk Artenvielfalt, einem Zusammenschluss des Bauern- und Winzerverbandes, des Kreisimkerverbandes, der Jägerschaft, des Kreiswaldbauvereins und des Beirates für Naturschutz, hat der Kreis bereits wichtige Partner für die Aktion gefunden.“

Die Natur könne sich nicht „auf Knopfdruck umstellen“. Doch die Weichen im Kreis Ahrweiler sind dafür gestellt. So unterstrich der Kreischef, dass Kommunen, Landwirte, Naturschutzorganisationen, Umweltverbände, Vereine und Initiativen im Kreis bereits „wichtige lokale Beiträge zur Verbesserung der Lebensbedingungen unserer heimischen Tier- und Pflanzenarten leisten“. Die Verbandsgemeinden und Städte hätten bereits entsprechende Beschlüsse gefasst, Blühflächen auf ihren Grundstücken zu schaffen.

Der Kreis wolle mit den Fördermöglichkeiten „Artenreiche Wiese“ zudem das ehrenamtliche Engagement stärken. Denn bestimmt gebe es auf den vielen Vereinsgeländen im Kreis und in den Dörfern und Städten „noch genügend Flächen, die sich für das Anlegen von bienen- und insektenfreundlichen Wiesen oder für eine Streuobstwiese eignen“.

Wie wichtig diese seien, machte Pföhler mit einer Zahl deutlich: „Allein der volkswirtschaftliche Nutzen durch Bienen beträgt in Deutschland jährlich zwei Milliarden Euro.“

Diplom-Biologe Andreas Weidner vom Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz hatte Beispiele zu artenreichen Landschaften aus dem Kreis Ahrweiler im Gepäck. Besonderheiten seien unter anderem die Orchideenwiesen bei Lohrsdorf, die Trockenweiden im Brohltal und die Feuchtwiesen bei Kalenborn, die Heimat seltener Schmetterlinge seien. Weidner machte aber auch klar: „Thesen von vor einigen Jahrzehnten, es sei gut, Wiesen einfach in Ruhe zu lassen, haben sich als falsch herausgestellt. Auch artenreiche Wiesen müssen bewirtschaftet, zwei bis drei Mal pro Jahr gemäht, aber nicht gedüngt werden.“ Nur so würden daraus Blühflächen. Aktuell gebe es im Kreis Ahrweiler, der rund zur Hälfte aus Wald besteht, etwa 15 Quadratkilometer artenreiche Wiesen.

Das könnte mehr werden und auch von privat initiiert werden, fand Weidner und hatte dabei vor allem die in Mode gekommenen Schotterbeete in Vorgärten im Blick: „Die haben keinen Nutzen für die Natur.“

So zielt das Förderprogramm auf eine Ausweitung der Blühflächen ab. Konkret sollen ökologisch geringwertige Flächen durch Einsaat oder Anpflanzung für blütenbesuchende Insekten aufgewertet werden. Da sei Geduld angesagt, denn vor dem Einsäen müsse die alte Grasnarbe entfernt werden. Damit das funktioniert, gibt es eine Empfehlungsliste zu Saatgut und Bäumen für Streuobstwiesen des Kreises, die Weidner ausgearbeitet hat. Diese erstreckt sich bei den Blumen von der Margerite bis zum Gewöhnlichen Teufelsabbiss und bei den Bäumen vom Rheinischen Bohnapfel bis zur Goldrenette.

Die Empfehlungsliste zu Saatgut und Bäumen für Streuobstwiesen, Anleitungen und Förderanträge gibt es im Ahrweiler Kreishaus.

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