Anwohner fürchten wegen Lärmbelästigung um Lebensqualität

Anwohner fürchten wegen Lärmbelästigung um Lebensqualität

Unterschriftenlisten gegen geplantes Behindertenwohnheim in Meckenheim - Infoveranstaltung anberaumt

Meckenheim. (hoc) Befürchtete Lärmbelästigungen, Parkplatznot und die Beeinträchtigung der Lichtverhältnisse und ihrer Lebensqualität - die geplante Einrichtung eines Behindertenwohnheims Ecke Neu-/Schwitzerstraße sorgte bei einigen potenziellen Nachbarn für Unruhe.

In zwei Schreiben mit 23 Unterzeichnern an Bürgermeisterin Yvonne Kempen äußerten sie ihre Sorgen. Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, organisierte SPD-Ratsfrau Petra Hepenstrick ein Informationstreffen im Pfarrsaal der Johannes-Kirche. Der war auch gut gefüllt: Allerdings waren nur drei mögliche Anlieger gekommen - und nicht einer der Unterzeichner.

"Offenbar ist es schwierig, sich hierhin zu stellen und seine Meinung zu vertreten", vermutete Hepenstrick. So waren die Vertreter des Trägers, der evangelischen Hephata-Stiftung, des Meckenheimer Vereins "unBehindert miteinander leben" und der Eltern weitgehend unter sich. Wolfgang Wittland von der Stiftung, die sich seit 140 Jahren für behinderte Menschen einsetzt und zurzeit größere Standorte in Nordrhein-Westfalen dezentralisiert, erläuterte das Konzept des Wohnheims.

In dem Haus an der Stelle der früheren Malteser-Unterkunft sollen ab 2004 zehn Behinderte im Alter von etwa 20 Jahren leben. Geplant sind auf zwei Etagen Einzelzimmer, "um die Privats-phäre zu wahren", so Wittland, und Begegnungsräume. Ein Pflegebad sei nur für die Bewohner vorgesehen, entkräftete Wittland Befürchtungen von Anwohnern, die Parkplatznot durch auswärtige Besucher kommen sahen. Angestrebt sind fünf Vollzeitkräfte zur Betreuung rund um die Uhr, von denen jeweils zwei gleichzeitig im Haus sein sollen. Wittland sagte, dass man den Anspruch habe "in die Nachbarschaft integriert zu sein" und eine Kontaktaufnahme anstrebe. "Durch eine Begegnung wollen wir Bedenken auflösen." Die Stiftung habe "an vielen Orten die Erfahrung gemacht, dass Nachbarschaft gelingt - bei keiner unserer gut 40 Einrichtungen gibt es damit ein Problem". Und das, obwohl die Vorbehalte oft groß sind. So fürchteten immer wieder Anwohner, "dass der Wert ihrer Grundstücke sinkt, wenn Behinderte nahe rücken", so Wittland.

Hepenstrick schlug vor, zum Kennen lernen ein Sommerfest in der Swistbachaue zu veranstalten. Matthias Domrös vom vor vier Jahren gegründeten Verein "unBehindert miteinander leben" betonte, dass es sich bei den künftigen Bewohnern fast ausschließlich um Meckenheimer handele, die jetzt 16, 17 Jahre alt seien. "Wohnen für Behinderte gibt es in der Stadt noch nicht", stellte er fest. Die evangelische Pfarrerin Angelika Schipper-Zädow bot an, dass die Kirchen sich bei der Vermittlung zwischen den Parteien einbringen könnten. Der Vorsitzende des Bauausschusses, der grünes Licht für das Wohnheim gegeben hatte, Rainer Goldammer (FDP), sagte, dass "viele Dinge seitens der Anwohner nur vorgeschoben sein könnten".

Fest steht, dass das Grundstück im Bebauungsplan für soziale Zwecke ausgewiesen ist. Eigentümer des Areals ist die Stadt. Für die Verwaltung sagte Dieter Neuenfeldt, dass die Gesamtsituation städtebaulich geprüft werde. Wenn die Stellungnahme da sei, solle es neue Gespräche zwischen den Interessensgruppen geben. Die Stadt will eine weitere Informationsveranstaltung anberaumen.

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