Zu Gast im Rheinland: Als die Briten "Father Rhine" entdeckten

Zu Gast im Rheinland : Als die Briten "Father Rhine" entdeckten

Die Autoren Gabriele Limberger-Klein und Michael Klein haben berichtet, wie der Tourismus ins Siebengebirge kam. Als der Rhein für die Deutschen noch als reine Schifffahrtsstraße oder für die Franzosen einfach als Grenze galt, waren es die Engländer, die im 19. Jahrhundert die Schönheit dieses Flusstals entdeckten.

Millionen Briten, darunter Mitglieder des Königshauses, reisten zu dieser Zeit ins Rheinland und leisteten somit einen unschätzbaren Beitrag zur Rheinromantik. Über den damit verbundenen Beginn des modernen Tourismus berichtete das Autorenehepaar Gabriele Limberger-Klein und Michael Klein in seinem Vortrag auf Schloss Drachenburg.

Der zahlreichen Kriege dieser Zeit überdrüssig, zog es den englischen Romantiker zur Entspannung in das malerische Rheintal. Im 18. Jahrhundert war die Region schon feste Station auf den Bildungsreisen englischer Adeliger, in den folgenden Jahrzehnten wurde es vor dem Hintergrund der Industrialisierung immer mehr Bürgern möglich, den sagenumwobenen Strom zu besuchen.

Faszinierende Rheinbeschreibungen des englischen Dichters Lord Byron hatten daran großen Anteil. Die von ihm dargestellte "Seelenlandschaft der Träume" löste in England eine Begeisterungswelle für Rhein und Siebengebirge aus. Zum Jahr 1856 markierten bereits mehr als eine Million englische Besucher auf den modernsten Transportmitteln jener Zeit, den Dampfschiffen, den Beginn des modernen Tourismus.

Originale Reiseutensilien wie Landkarten, Porträts und Gepäckstücke von damals gab es während des Vortrags im Musiksaal des Schlosses zu besichtigen. Dem Ruf der unzähligen Dichter folgten auch englische Maler ins Rheinland, um deren Poesie bildnerisch umzusetzen. Unter ihnen für seine zahlreichen Skizzen und Aquarelle besonders bekannt: der sehr eigenwillige Künstler William Turner.

Als eines seiner Lieblingsmotive taucht der Drachenfels in seinem Werk immer wieder auf. Weiterhin entstanden, vom Rhein inspiriert, auch viele Musikkompositionen im Austausch deutscher und englischer Künstler. Kostproben davon gab Gabriele Limberger-Klein mit ausgewählten Stücken neben passenden Gedichtpassagen aus dieser Zeit.

Der Rheinländer seinerseits erkannte das hohe touristische Potenzial seiner Heimat sehr früh und stellte sich zunehmend auf die englische Touristeninvasion ein. So kam es laut Michael Klein vor, dass in manchen Gaststätten Gemälde des englischen Königshauses die Wände zierten, um die Sympathie der Gäste weiter für sich zu gewinnen.

Der Referent wusste von Überresten dieses Trends zu berichten. Demnach ist der bekannte Werbeslogan "The Queen of Tablewaters" des Tafelwassers aus der Apollinarisquelle in Remagen als Huldigung an die englische Königin zu verstehen, er soll noch aus der Zeit der Romantik stammen. Für ihre Scotch-Mischung hatte für die englischen Herren damals ein gutes Soda aus dem Schoße "Father Rhine's" höchste Priorität, so Klein.

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