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Alle Schulen im Kreis sollen Psychologen bekommen

Alle Schulen im Kreis sollen Psychologen bekommen

Der Druck wächst. Stetig. Auf Lehrer, Eltern - und vor allem auf Schüler. Um ihnen zu helfen, geht der Schulpsychologische Dienst des Rhein-Sieg-Kreises neue Wege.

Künftig sollen alle 199 Schulen - egal ob öffentlich oder privat - im Kreis feste Ansprechpartner haben, die nach Möglichkeit auch mal vor Ort sind und die die Gegebenheiten und Umstände an der jeweiligen Einrichtung kennen.

"Das System Schule belastet die Familien. Der Dienst ist wichtiger denn je. Die Kumulation der Veränderungen in der Gesellschaft wirkt sich auf immer mehr Heranwachsende und deren schulische Laufbahn aus", begründet Schuldezernent Thomas Wagner die Ausweitung des kostenlosen Angebots. Die Familien hätten aus den unterschiedlichsten Gründen kaum noch "Puffer", um ihrem Nachwuchs zur Seite zu stehen, wenn es schwierig wird.

"Im vergangenen Jahr fanden fast 1.500 Einzelfallberatungen statt. Mehr als die Hälfte davon betraf bereits Grundschüler. Schon unter den Kleinsten gibt es Schulabstinenzler." Mehr als 1.000 neue "Fälle" nahmen Amtsleiterin Maria Buchholz-Engels und ihr elfköpfiges Team in ihre Kartei auf.

Aber: "Leider kommen viele erst, wenn sich beim Kind oder Jugendlichen derart massive Auffälligkeiten zeigen, dass es mit einer einfachen Hilfestellung und ein paar Gesprächen nicht mehr getan ist", bedauert Buchholz-Engels. Die Gründe sieht die Fachfrau unter anderem in der irrigen Annahme der Eltern, ein Gespräch mit dem Schulpsychologischen Dienst stigmatisiere das Kind und die Familie.

Daher nun der Schritt in die Schulen, ins lokale Bildungsnetzwerk, den der Kreis sich eine Million Euro kosten lässt und für den vom Land drei zusätzliche Stellen geschaffen wurden. Die Unterstützung von Schülern, von Lehrern und Eltern - im Endeffekt mit allen, die mit Schule in Berührung kommen - steht dabei im Mittelpunkt. Neben der Begleitung gibt es zusätzliche präventive Angebote zur Verfügung.

"Diese richten sich vor allem an Lehrer, die in immer höherem Maße Erziehungsaufgaben übernehmen und auf Krisensituationen in Familien reagieren müssen", so Buchholz-Engels, die seit 33 Jahren im Schulpsychologischen Dienst tätig ist.

Bereits jetzt gefragte Unterstützungsmodule seien "Umgang mit Konflikten", "Prävention von Mobbing" und "Intervention bei Mobbing unter Schülern". Diese "Schulpsychologische Unterstützung für Lehrkräfte und Schulen" wird ergänzt durch den zweiten Baustein, die "Schulpsychologische Krisenintervention", deren Einrichtung das Land nach dem Amoklauf eines Jugendlichen an einer Realschule in Emsdetten gefordert hatte. Krisenprävention ist das Stichwort, unter dem der Kreis Schulen spezielle Angebote macht.

Der dritte Aufgabenschwerpunkt bezieht sich auf die Einzelfallhilfe. Buchholz-Engels: "Dabei sind die Erziehungsberechtigten Auftraggeber. Die pädagogischen Fachkräfte, die die Heranwachsenden im Schulalltag aus einem ganz anderen Blickwinkel erleben, sollten dies aktiv unterstützen oder eine Beratung durch uns empfehlen."

Die Eltern selbst bemerken kritische Veränderungen ihrer Kinder aus ihrer Erfahrung meist zu spät. "Natürlich ist es nicht immer sofort ein Alarmsignal, wenn das Kind mal Schwierigkeiten beim Lernen hat, mal keine Lust auf den Schulbesuch hat oder sich für kurze Zeit zurückzieht. Aber ab diesem Moment sollten Eltern und Pädagogen doppelt aufmerksam sein - und uns im Zweifel lieber anrufen, statt abzuwarten, bis sich ein Konflikt manifestiert", meint die Fachfrau.

Wer den Dienst in Anspruch nehmen möchte, wendet sich an 02241/132366. Die Nebenstelle im linksrheinischen Bornheim, zuständig für Bornheim und Alfter, ist unter 02222/9278800 zu erreichen. In der Hauptstelle in Siegburg stehen für telefonische Anmelde- und Erstgespräche montags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr sowie montags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr Fachkräfte unmittelbar zur Verfügung.