Aktion gegen Schwarzfahrer in Bonn war ein Volltreffer

Aktion gegen Schwarzfahrer in Bonn war ein Volltreffer

Neun Prozent der Stadtbahn-Fahrgäste hatten bei der Kontrolle an den Haltestellen in Wesseling und Dransdorf nicht bezahlt

Bonn. Die Großaktion gegen Schwarzfahrer vor zweieinhalb Wochen war ein Volltreffer. 4 140 Fahrgäste waren am 6. März von den Kontrolleuren der Stadtwerke Bonn (SWB) und der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) nach ihren Fahrscheinen gefragt worden, 377 Personen hatten kein Ticket oder kein gültiges dabei. Das entspricht einer Schwarzfahrer-Quote von 9,1 Prozent, teilten die SWB auf Nachfrage des General-Anzeigers mit.

Die hohen Werte wundern SWB-Geschäftsführer Hermann Zemlin und seinen Marketing-Chef Rainer Götz nicht, obwohl sie im gesamten Tarifnetz sonst eine Quote von nur vier bis fünf Prozent errechnen. Denn die Schwerpunkt-Kontrollen finden stets auf Strecken statt, wo besonders viele Schwarzfahrer vermutet werden - wie in diesem Fall auf den Stadtbahn-Linien 16 und 18, wo die "Prüfer" an den Haltepunkten in Wesseling und in Dransdorf zustiegen. Götz: "Die Schwerpunkt-Kontrollen lohnen sich ganz besonders. Da erwischen wir viele Personen ohne Fahrschein und entmutigen Nachfolgetäter." Den Effekt merken die Stadtwerke in der Kasse: "Danach verkaufen wir mehr Einzeltickets und Zeitkarten", berichtet Götz.

Die Stadtwerke tun alles, dass für Schwarzfahrer in Zukunft schwerere Zeiten anbrechen. Allein wegen des Umstandes, dass nicht nur die 24 Bonner Kontrolleure, sondern auch KVB-Männer bei den Kontrollen eingesetzt werden. "''Schwarzfahr-Profis'' kennen unsere Prüfer und steigen schnell aus, wenn die einsteigen", so Götz. "Das passiert nicht mehr, wenn die Kölner Kollegen eingesetzt werden." Andersherum werden die Bonner auch im Kölner Netz Fahrkarten überprüfen.

Überhaupt sollen Schwarzfahrer sich nie in Sicherheit wiegen können. Dazu gehört, dass die "Kontros" sowohl in Dienstkleidung als auch in Zivil unterwegs sind. "Das ändert sich immer bewusst, damit sich niemand darauf einstellen kann", plaudert Götz aus dem Nähkästchen. "Jeder SWB-Mitarbeiter in Dienstkleidung soll eine potentielle Bedrohung für Schwarzfahrer sein." Auch der Umstand, dass nicht jede Schwerpunktkontrolle öffentlich angegekündigt wird, soll die Schwarzfahrer verunsichern. "Wir kündigen nur manche an, damit es keine Verlässlichkeit gibt", meinte SWB-Sprecher Werner Schui.

Was die Zahlen angeht, können die Stadtwerke insgesamt keinen Anstieg der Schwarzfahren erkennen. Aber: Studenten und Jugendliche, die als potentielle Schwarzfahrer gegolten haben, besitzen jetzt überwiegend Dauertickets. Trotzdem sind die Quoten nicht gesunken, weshalb die Stadtwerke von einem verdeckten Anstieg ausgehen. SWB-Chef Hermann Zemlin weiß, dass keineswegs nur jüngere Leute in Bus und Bahn nicht bezahlen. "Da gibt es auch die gutsituierten Beamtenwitwen, die es versuchen nach dem Motto: Ich bin ja schon alt." Besonderen Missbrauch gebe es beim 9-Uhr-Umwelt-Ticket. "Da kommen die tollsten Ausreden, wenn die Leute vor 9 Uhr damit fahren und erwischt werden."

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