Insolvenzverfahren in Bad Neuenahr: Aktiengesellschaft trennt sich von der Seniorenresidenz Villa Sibilla

Insolvenzverfahren in Bad Neuenahr : Aktiengesellschaft trennt sich von der Seniorenresidenz Villa Sibilla

Der Hauptumsatzträger der Aktiengesellschaft geht an die neuen Inhaber Ralph Orth und Adolf Knieps. Für die 127 Bewohner und 60 Mitarbeiter geht eine Zeit der Unsicherheit zu Ende.

Die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) hat sich von der Seniorenresidenz „Villa Sibilla“ getrennt. Ab dem 1. Januar wird der stärkste Umsatzträger der in Insolvenz geratenen Unternehmung von den Bad Neuenahrer Kaufleuten Ralph Orth und Adolf Knieps geführt. Die Immobilie war ohnehin bereits im Besitz der beiden Unternehmer. Nun werden sie die Senioreneinrichtung auch selbst betreiben, wobei Orth die Geschäfte vor Ort federführend betreiben wird. Für die 127 Bewohner und die 60 Arbeitnehmer der Residenz geht damit eine Zeit der Unsicherheit und Irritation zu Ende.

Stabilität und klare Perspektiven sollen mit dem Übergang des Geschäftes in die Hände von Orth und Knieps einhergehen, verspricht AGBN-Insolvenzverwalter Jens Lieser. In der Villa habe es einen Sanierungsstau gegeben, die Auslastung sei nicht wie erhofft, die wirtschaftliche Situation schlechter als angenommen. Es sei nicht gelungen, Leerstände zu beseitigen. Folgerichtig habe man sich von diesem Geschäftszweig getrennt.

Positive Auswirkungen auf Aktionäre oder Gläubiger habe das Ganze nicht, so Lieser im GA-Gespräch. Hatte der Insolvenzverwalter in seinem Insolvenzbericht noch geschrieben, er halte eine Sanierung der AGBN für aussichtsreich, da es keine Überschuldung gebe, dass es eine „freie Masse“ von mehr als 27 Millionen Euro gebe, denen Insolvenzforderungen ohne nachrangige Verbindlichkeiten in Höhe von acht Millionen Euro gegenüber stünden, so ging er gegenüber dem GA nun davon aus, dass die Gläubigerforderungen höchstens noch zu 80 Prozent befriedigt werden können. Vor einigen Monaten war noch die Rede von 90 Prozent.

Lieser selbst hatte mitgeteilt, dass die nun abgetretene Villa Sibilla 60 Prozent des Gesamtumsatzes der Aktiengesellschaft erwirtschafte. Die Auslastung lag seinen Angaben zu Folge zu Beginn des Jahres bei 76 Prozent. „Insbesondere ist die Vermarktung der Seniorenresidenz intensiviert worden. Mit einer verstärkten Vermarktung wird dem bisherigen Trend des Bewohnerrückgangs entgegengewirkt“, so Lieser in seinem zum Jahresbeginn 2016 gefertigten Bericht.

Neue Werbeauftritte, Messestände und Informationsmaterialien seien in der Entwicklung. Man habe eigens ein eigenes Werbe. und Vermarktungsbudget dafür bereitgestellt, teilte er damals mit. Wörtlich heißt es weiter im Insolvenzbericht, den er seinerzeit dem Amtsgericht vorlegte: „Des Weiteren sind Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt und in Auftrag gegeben worden.“

Welchen Preis Ralph Orth und Adolf Knieps für die Übernahme des Betriebes gezahlt haben, ist nicht bekannt. Zuletzt dokumentierte Lieser in seinem Insolvenzbericht für die AGBN einen Gesamtumsatz von 8,6 Millionen Euro. Da er selbst angab, dass 60 Prozent davon auf den Betrieb der Seniorenresidenz entfielen, muss dort jährlich ein Jahresumsatz von rund 5,1 Millionen Euro angefallen sein. Eine rund zehnprozentiger Gewinngenerierung ist bei Seniorenresidenzen marktüblich, wie auch die Formel, dass in der Regel vier bis fünf Jahresgewinne einem Kaufpreis zugrunde gelegt werden.

Lieser erklärte hingegen gegenüber dem GA, die Geschäfte seien weitaus schlechter gelaufen, als er es in seinem Insolvenzbericht für die Villa Sibilla prognostiziert habe. Im Gläubigerausschuss habe es keinen Widerstand gegen die Abtretung der Villa gegeben.

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