Leben für den Rennsport: Ahrweiler Familie ist ein eingespieltes Kart-Sport-Team

Leben für den Rennsport : Ahrweiler Familie ist ein eingespieltes Kart-Sport-Team

Wenn Müller-Bethkes Auto und Caravan vollpacken, ist nicht Urlaub angesagt, sondern ein Rennen zur Deutschen GTC-Meisterschaft. Vater Gerd, Mutter Kathy und die Söhne René und Tim verbringen viele Wochenenden an den Rennstrecken.

Die Rollen sind in der Familie Müller-Bethke klar verteilt. Vater Gerd ist für die Organisation zuständig, aber manchmal lassen ihn seine Söhne René (22) und Tim (18) auch mal schrauben an ihrem Objekt der Begierde: ein Kart mit Viertakt-Motor, das es mit seinen 15 PS auf mehr als 110 Stundenkilometer bringt. Mama Kathy ist, wie bei vielen anderen Familien auch, Mädchen für alles.

An den Rennstrecken der Republik, die die Ahrweiler Familie aufsucht, liegt ihre Hauptaufgabe aber darin, die Söhne nach ihren nervenaufreibenden Rennen im German Team Championship (GTC), der höchsten Klasse im Kart-Langstreckensport, wieder aufzupäppeln. „Mental, wenn's mal nicht so läuft, aber auch mit lecker Essen“, so die rennaffine Mutter.

Sie arbeitet als Augenoptikerin und ist zudem selbstständig, ihr Mann verdient die Brötchen als Rohrleitungsbauer in Wesseling. Früher waren sie bis zu 18 Wochenenden im Jahr unterwegs, sechsmal in der jetzigen Saison packen sie schon donnerstags alles Notwendige in Auto und Wohnwagen, fahren jährlich rund 5000 Kilometer, um ihre Söhne im Fahrerlager zu unterstützen.

Alle genießen die gemeinsame Zeit

Das ist für sie trotz des hohen zeitlichen und finanziellen Aufwands von rund 2000 Euro pro Rennen selbstverständlich. „Welche Familie ist mit den 18 und 22 Jahre alten Kindern noch so eng zusammen?“, fragt sie.

Sie freut sich über diesen Zusammenhalt, der sie im Kreis der anderen Kart-Teams zu etwas Besonderem macht. „Alles trifft sich bei uns. Zum Austausch, zum Essen, ja selbst zum Helfen. So ist unsere Familie Teil der großen GTC-Familie, die sich alle vier bis sechs Wochenenden auf einer anderen Kartbahn wiedertrifft, aber eben doch ein Unikat.“

Die Passion für den Rennsport haben ihrer Meinung nach ihre Eltern Helga und Werner den Enkeln in die Wiege gelegt. Auch die Großeltern nahmen schon an vielen ADAC-Orientierungsfahrten teil. Zudem ist Sohn Tim im Jahr 2000 beim Start des Formel-1-Rennens von Silverstone zur Welt gekommen. „Er hatte es eilig“, lacht sie.

René war schon mit 17 erfolgreich

Stolz ist sie auf ihre Jungs allemal. Denn René wurde 2013 mit 17 Jahren für den Ahr Automobil Club (AAC) Deutscher Meister im Kart-Slalom. Der gelernte Kfz-Techniker, der bei Zakspeed Racing die Ausbildung machte und nun ein Ingenieurstudium absolviert, pausierte altersbedingt, stieg aber im vergangenen Jahr mit Bruder Tim und dem aus Bad Bodendorf stammenden und nun in Köln lebenden Bauingenieur Maximilian Becker (25) wieder ein.

„Wir fuhren Kart-Slalom von Kindesbeinen an, mal gegeneinander, mal in unterschiedlichen Klassen. Der Virus hat uns infiziert, der Sport macht Riesenspaß, wir haben wieder Blut geleckt“, erzählt René Bethke. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Fuhren die Newcomer 2017 unter 46 Teams in der Deutschen Meisterschaft gleich auf Platz 33, organisierte das René-Bethke-Motorsport-Team (RBM), dessen Kosten zum Teil von Sponsoren und Gastfahrern getragen werden, im Januar dieses Jahres neues „gebrauchtes“ Material.

Das wird extrem belastet, weil durch den niedrigen Schwerpunkt des Karts nur wenige Zentimeter über der Fahrbahn hohe Kurvengeschwindigkeiten erzielt werden, und auch der Körper des Fahrers wird stark beansprucht. „Manchmal zerreißt es ein Kart auch durch einen Unfall. Zum Glück können wir selbst schrauben“, so René Bethke, der dabei auch von seinem früheren Trainer Achim Plewnia unterstützt wird.

Am vergangenen Wochenende fuhr das Dreier-Team in Wittgenborn im GTC-Cup, bei dem 25 000 Euro Preisgeld pro Saison ausgeschüttet wird, den Sieg ein. Daher ist Bethke optimistisch, in diesem Jahr auf dem Treppchen als einer der ersten drei zu landen. Sein Plan: 2019 Platz eins in der Klasse, 2020 eine Klasse höher bei der GTC-Trophy an den Start gehen. Privat hat er einen anderen Traum, der – wen wundert's – mit noch schnelleren Boliden zu tun hat: Er möchte Ingenieur bei der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft und später in der Formel 1 werden.

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