GA-Herbstspaziergang: Zum Gnom und den Raubrittern

GA-Herbstspaziergang : Zum Gnom und den Raubrittern

Die Steine in den Wäldern um die Tomburg bei Rheinbach haben viel zu erzählen. Das weithin sichtbare Gemäuer oberhalb des Ortsteils Wormersdorf steht auf einer 30 Millionen Jahre alten und 310 Meter hohen Basaltkuppe, dem nördlichsten Ausläufer der vulkanischen Hocheifel.

Für den GA-Herbstspaziergang lassen wir die Burg aber zunächst rechts liegen und starten unseren Rundkurs auf dem Parkplatz Kurtenbusch.

Auf dem Weg Nummer 1 geht es Richtung Todenfeld in den Wald hinein. Schon nach wenigen hundert Metern findet sich da, wo der parallel verlaufende Reitweg nach rechts abzweigt, der zugewachsene ehemalige Steinbruch Tonnenberg. Runde dunkelgraue Steine liegen verstreut. Dieser seltene sogenannte Kugelbasalt besteht aus konzentrischen Schalen und lässt sich manchmal wie ein Apfel schälen, wie Heinz Kessel vom Eifelverein Rheinbach erklärt.

Wir bleiben auf dem Weg 1, der stetig ansteigt und durch Laubwald mit Eichen und Buchen führt. Auf dem höchsten Punkt steht rechts eine Schutzhütte. Von da an geht es unter dichtem Blätterdach bergab Richtung der alten Weiher. Neben einer scharfen Rechtskehre hat sich das Wasser des Eulenbachs aufgestaut. Er begleitet uns nun plätschernd. Rechts liegt der 330 Meter hohe Wolfsberg.

Links reihen sich die Alten Weiher mit ihrem milchig trüben Wasser aneinander. Beim letzten Weiher mit seiner kleinen Insel biegen wir nach rechts ab auf den Weg A6. Leicht zu übersehen ist die kleine Steinfigur, die nach etwa 50 Metern rechts auf der Böschung hockt. Es ist der "Glasbläser" des Rheinbacher Architekten Hermann-Josef Thelen.

Seit etwa zehn Jahren steht er dort und hat längst moosgrüne Farbe angenommen. Seine Augen leuchten geheimnisvoll weiß. Thelen mutmaßt, dass da vielleicht jemand mit Farbe nachhilft. Dass der Glasbläser geheime Verehrer hat, beweisen jedenfalls die Christbaumkugeln, mit denen eine kleine Fichte gegenüber im Winter oft geschmückt ist. Der Steingnom ist ein Vorentwurf für eine Skulptur, die im Glasmuseum steht.

Für ein kurzes Stück säumen Fichten den Forstweg. Wir queren den Brotpfad, dessen Name an eine Armenstiftung aus dem Jahre 1835 erinnert. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs pilgerten am vierten Sonntag in der Fastenzeit (Laetare) Hunderte Hungrige aus Neukirchen-Sürst hinüber zur Ipplendorfer Kapelle, wo sie ein Brot erhielten.

Von der nächsten Kreuzung aus lädt ein schnurgerader Weg nach links zu einem Abstecher hinab zur etwa 500 Meter entfernten Waldkapelle ein. Die Kapelle aus dem Jahr 1683 wurde 1979 restauriert und die Fundamente des Klosters freigelegt, das dort von 1686 bis 1802 stand.

Von dort gehen wir zurück über den Kapellenpfad, der mit der Nummer 2 markiert ist, mit seinen malerischen kleinen Stegen. Nach einem Kilometer vereinen sich die Wege 1 und 2 und wir folgen den Hinweisen in Richtung Tomburg. In einer scharfen Rechtskurve bleiben wir auf Weg 1. Durch das dichte Gehölz ist die Tomburg von unten aus kaum zu sehen. Wer hinaufsteigt, findet den halb verfallenen Turm und einen mit Steinen gefüllten Brunnen vor.

Der Ausblick reicht übers Siebengebirge, bei gutem Wetter bis zum Kölner Dom und in die Eifel. Die Tomburg wurde wahrscheinlich im zehnten Jahrhundert aus dem Plattenbasalt des Tombergs an der Stelle eines römischen Signalturms aus dem vierten Jahrhundert erbaut und war lange zwischen Kurköln und Jülich umstritten.

Zeitweise suchten Raubritter von hier aus die nahe Handelsstraße Aachen-Köln heim, wie Stadtarchivar Dietmar Pertz in einer Broschüre ausführt. 1876 kaufte Gutsbesitzer Julius Bemberg die Ruine und schenkte sie der Stadt Rheinbach. Sie sollte Touristen anlocken. Das war die Rettung, denn durch die ausufernden, heute verwilderten Steinbrüche im Westen und Osten drohte Einsturzgefahr. Der Basalt wurde im 19. Jahrhundert beim Straßenbau gebraucht.

Heute wachsen im 4,7 Hektar großen Naturschutzgebiet Tomberg mehr als 260 zum Teil vom Aussterben bedrohte Pflanzen. Der Weg 1 führt von der Tomburg zurück zum Parkplatz.

Die Tour

Anfahrt: In der Ortsmitte von Rheinbach-Wormersdorf dem Wegweiser Richtung Tomburg und Sportanlage folgen. Der Weg führt geradeaus über einen kleinen Kreisverkehr aus dem Ort hinaus. Rechter Hand wird dann die Tomburg sichtbar. Daran fährt man vorbei zum Parkplatz Kurtenbusch, etwa 300 Meter von der Tomburg entfernt.

Strecke: Die Strecke ist etwa sieben Kilometer lang. Wer langsam geht, braucht etwa zwei Stunden. Die genannten Markierungen des Eifelvereins und die Hinweisschilder Brotpfad und Tomburg sind gut sichtbar.

Kinder: Die Strecke ist gut für Kinder geeignet. Die Steigungen sind allesamt mäßig und gut zu bewältigen. Kinderwagen müssten auf dem Kapellenweg und beim Aufstieg zur Tomburg aber geländegängig sein.

Einkehr: An der Strecke liegt keine Gaststätte. In der Ortsmitte von Wormersdorf gibt es aber ein Café und Gastwirtschaften.