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Grafschafter Hof: Wo die Obstbauern der Schuh drückt

Grafschafter Hof : Wo die Obstbauern der Schuh drückt

Zwei Dinge ärgern die Bauern auf der Grafschaft. Das Mehr an Bürokratie bei der Erfassung der Arbeitszeiten von Erntehelfern und das immer Weniger an Beratung für Obstbauern durch das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Klein-Altendorf.

Das unterstrich Kreisbauernchef Franz-Josef Schäfer beim Besuch von Mitgliedern der CDU-Landtagsfraktion um deren Vize Adolf Weiland und die heimischen Abgeordneten Horst Gies und Guido Ernst des Obsthofes Sonntag in Gelsdorf.

Obstbauer Dirk Sonntag, der in der Saison auf seinen 15 Hektar zehn bis 15 Erntehelfer hat, sagte: "Früher war das eine Stunde pro Woche, heute kostet mich das täglich nach Feierabend eine zusätzliche Stunde im Büro." Franz-Josef Schäfer nickte da fast neidisch, denn er muss die Buchführung für bis zu 100 Erntehelfer leisten.

In Sachen Beratung gaben die Bauern, unter ihnen auch Norbert Schäfer als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, der CDU-Delegation mit auf den Weg, dass sie das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Klein-Altenadorf nicht missen wollen. Es war in die Kritik des Landesrechnungshofes geraten, weil es außerhalb des Bundeslandes liege und die dortige Beratung nicht nachgefragt werde.

Dem widersprachen Franz-Josef Schäfer sowie Dirk Sonntag und wiesen daraufhin, dass im vergangenen Jahr ein Berater in der Saison abgezogen worden sei, um anderenorts Kontrollen durchzuführen. Sonntag: "Wir brauchen mehr Beratung, weniger Kontrollen." Weiland sicherte zu, sich beim DLR Klein-Altendorf zu informieren.

Ratlos stehen die Obstbauern derzeit der japanischen Kirschessigfliege gegenüber. "Spritzen wollen wir nicht", sagte Dirk Sonntag. Nach seiner Meinung helfe zügiges Ernten dabei, den Schaden in Grenzen zu halten. Aber gerade bei weichen Früchten wie Aprikosen, späten Erdbeersorten und roten Früchten sei die Gefahr eines Befalles sehr groß. Das könne für Betriebe durchaus existenzbedrohend sein.

Existenzbedrohend könnten aber auch wie im vergangenen Jahr die niedrigen zu erwirtschaftenden Preise sein. Dirk Sonntag: "Da stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, Erdbeeren anzubauen. In Frankreich haben die Bauern sie schon vielerorts untergepflügt."

Der Hof Sonntag mit seinen insgesamt 35 000 Obstbäumen von Apfel bis Kirsche hat nach Aussage von Seniorchef Konstantin Sonntag aus Hagelschäden vor zwölf Jahren gelernt. Seitdem betreibt der Hof auch eine eigene Safterei, die pro Jahr 100 000 Flaschen Apfelsaft herstellt. 80 Prozent davon gehen in den Großhandel, der Rest ist für den Hofverkauf bestimmt.