Harmonie von Alt und Neu: Wie sich das Stadtbild verändert

Harmonie von Alt und Neu : Wie sich das Stadtbild verändert

Es war der zweite "kritische Stadtrundgang", zu dem die im vergangenen Jahr gegründete Bürgerinitiative "Unsere lebenswerte Stadt" eingeladen hatte. Diesmal ging es zur an der Ahr gelegenen Lindenstraße, nachdem man Monate zuvor die Poststraße in der Innenstadt unter die Lupe genommen hatte.

Dabei gilt das Augenmerk stets der Bausubstanz, der leider vielfach nicht vorhandenen städtebaulichen Harmonie von Alt und Neu. In einer "Sehschule" will der Ahrweiler Architekturfotograf Axel Hausberg auf Bausünden und Unterlassungen der Vergangenheit aufmerksam machen. Das Ziel: Ein sensiblerer Umgang mit den das Stadtbild prägenden Gebäuden und eine besondere Vorsicht bei der Genehmigung von neuer Architektur.

"Häuser erzählen Geschichten und sie korrespondieren auch im Idealfall untereinander", so Hausberg. Sein Credo: "Wenn man etwas gestalten will, muss man zuerst zuhören, schauen, wahrnehmen". Hierzu bedürfe es kein Architekturstudiums, sondern nur eines gesunden Sinns dafür, "ob etwas stimmig gebaut wurde oder ob es ohne Bezug zu Ort, Geschichte und Region entstand".

In der Lindenstraße wurde die fast 30-köpfige Gruppe Interessierter schnell fündig: In der Tat scheint dort einiges nur wenig stimmig zu sein. Besonders die in den 60er Jahren - als damals sicherlich hochmodernes Bauwerk entstandene - Klinik "Kurköln" gleich an der Einmündung der Lindenstraße gilt als Paradebeispiel für ein missglücktes Nebeneinander von alter und damals neuer Bausubstanz. Einst diente die Fläche als Hockeyplatz, auf dem sich Reiche und Adelige in ihrer Freizeit erfreuten.

Der heutige Plattenbau steht in einem deutlichen Kontrast zur in der Nähe gelegenen "Ahr-Villa" oder weiteren Villen aus der Gründerzeit, die sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zwischen geschmacklich fragwürdigen Neubauten einpressen lassen mussten. "Man kann und muss nicht wie im Jahre 1900 bauen", so Fotograf Hausberg. Man könne aber sehr wohl auf die vorhandenen Strukturen achten.

Die kritischen Stadtrundgänge sind ein Format, mit dem die Initiatoren der Bürgerinitiative interessierte Bürger für den Reichtum der hiesigen badestädtischen Baukultur sensibilisieren möchten. Gerade die Lindenstraße gehörte einst, vis-à-vis dem Kurhaus gelegen, zu den Topadressen des weltbekannten Heilbades. Im Hochwassergebiet der Ahr vor deren Begradigung gelegen, bot sie Bauland in exponierter Lage für das aufstrebende Bad. Heute hat sich das Straßenbild sehr gewandelt, wie die Exkursionsteilnehmer schnell feststellen mussten.

Ergänzt wurden die Ausführungen durch einen Blick ins Grüne. Alleen sind bekanntlich ein prägendes Gestaltungsmerkmal der Badestadt. Auch hier wurden die Veränderungen aufgezeigt. Allerdings: Linden gibt es in der Lindenstraße sehr wohl noch. Sie würden nur, so Botaniker Jürgen Lorenz, viel zu sehr gestutzt.

Bad Neuenahr erlebe derzeit einen baulichen Kahlschlag und somit einen großen Gesichtsverlust, glauben die Initiatoren der Bürgerinitiative. Sie möchte daher gemeinsam mit Bauherren, Bürgern und Behörden eine sensible und zukunftsweisende Entwicklung der Stadt vorantreiben.

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