Weinanbau an der Ahr : Weinbauer klagen über Personalmangel und geringen Ertrag

Sorgen plagen die Winzer an der Ahr: Sie beklagen akuten Personalmangel und geringen Ertrag. Vor allem der Weinanbau in den Steillagen sei zunehmend problematisch.

Wein, Wandern, Wellness – die Ahrregion hat eine Menge zu bieten. Genüsslich lehnt sich Staatssekretär Andy Becht (FDP) in einer der gemütlichen Stuben der Mayschosser Winzergenossenschaft mit einem Glas Blanc de Noir, Spätburgunder Trocken, zurück. „Sie haben hier ja alles richtig gemacht“, freute sich der Vertreter aus dem Mainzer Wirtschafts-, Verkehrs-, Landwirtschafts- und Weinbauministerium bei seinem vom FDP-Kreisverband organisierten Besuch in der 1868 gegründeten Genossenschaft, die heute mit ihren 444 Mitgliedern rund 150 Hektar Weinanbauflächen bewirtschaftet. Gekommen war Becht, um sich die Sorgen und Nöte der Weinbauern anzuhören. Aber auch, um Ausblicke auf die touristische Weiter­entwicklung der Region zu werfen.

„Hier gibt es ja keine Ödnis der Verzweiflung“, stellte der seit 2016 im Mainzer Ministerium residierende Staatssekretär fest. Der Weinanbau im Ahrtal habe sich bestens entwickelt, die Qualität des Rebensaftes sei dramatisch gestiegen, die Übernachtungszahlen stimmten, der Tagestourismus floriere und 2022 finde zudem auch noch die Landesgartenschau in Bad Neuenahr-Ahrweiler statt. „Hier ist vieles auf dem richtigen Weg“, lobte FDP-Politiker Becht.

Sorgen plagen die Winzer trotzdem. Rudolf Stodden und Matthias Baltes von der Winzergenossenschaft klagten über einen schlimmen Mangel an Saisonarbeitern, die inzwischen aus der Ukraine angeworben werden müssen. Dies unter Bewältigung von aufwendigen Formalitäten und Sprachschwierigkeiten. Der Weinanbau in den Steillagen sei zunehmend problematisch geworden. Gerade junge Winzer ließen die Bewirtschaftung aus betriebswirtschaftlichen Gründen schnell links liegen. Es bedürfe hier eines zusätzlichen Förderprogramms – das es allerdings längst gibt.

Vor rund 1000 Jahren wurden an den extrem steilen Schiefer- und Felshängen der Ahr wegen der optimalen Sonneneinstrahlung Weinbauflächen angelegt. Einige dieser Steillagen könnten jedoch aufgegeben werden, weil die Handarbeit die Produktionskosten enorm erhöht. Allein für zwingend erforderliche Hubschrauberspritzungen müssen jährlich rund 2000 Euro pro Hektar ausgegeben werden. Pro Hektar gibt es oftmals weniger als 5000 Liter Wein, wofür aber über 2000 Arbeitsstunden aufgewendet werden müssen.

Angesichts dieser Kosten und des nicht zuletzt von Discountern erzeugten Preisdrucks wird es für die Winzer zunehmend schwer, die betriebswirtschaftlichen Kosten abzudecken. Das damit einhergehende zusätzliche Problem: Gerade die Steillagen machen den touristischen Reiz des Ahrtals aus. Verödete Hänge bieten kaum Anreiz für Ausflügler und Touristen. Baltes: „Wir brauchen Hilfe von außen.“

Damit die Kulturlandschaften an der Ahr nicht verloren gehen, gibt es jedoch längst Fördermittel von EU, Bund und Land. Seit 2015 erhalten die Winzer obligatorische Zahlungen, die sich auf die Segmente Basisprämie, Umverteilungsprämie, Kleinerzeugerregelung, Junglandwirteprämie und Ökologisierung verteilen. Das Land fördert biologische Vielfalt und umweltschonende Bewirtschaftung mit ihrem Steillagenförderprogramm. Andy Becht will sich trotzdem für Nachbesserungen stark machen: „Wir sind in Brüssel vorstellig geworden, um eine Aufstockung der Beträge zu erreichen.“

Und weil der Staatssekretär in Mainz auch für das Thema Verkehr zuständig ist, wurde auf Betreiben der Kreis-FDP auch noch die Zukunft der Ahrtalbahn angesprochen, deren Elektrifizierung wünschenswert sei. Ein Akku-Batteriebetrieb sei spätestens zur Landesgartenschau angestrebt, so Andy Becht. Bis zur Elektrifizierung sei ein solches Pilotprojekt denkbar. Der Ministeriumsvertreter: „Das Ding läuft.“