Straßenarbeiten in Ahrweiler: "Streetprinting"-Premiere beim Niedertor-Kreisel

Straßenarbeiten in Ahrweiler : "Streetprinting"-Premiere beim Niedertor-Kreisel

Dienstagmorgen, 8.30 Uhr: Acht Männer in Orange haben vor dem Ahrweiler Niedertor Position bezogen. "Wir kommen aus Frankfurt", sagt Christian Stauch. Der 28-Jährige ist Kolonnenführer einer Spezialbaufirma aus der Mainmetropole. Briefing nennt er das, was dann auf der Kreiselbaustelle vor dem Ahrweiler Niedertor folgt. Und: "Wir haben alles dabei. Das hier ist eine Sache von ein paar Stunden, Routine."

Stauch und seine Leute sind Straßenbauer, aber auch eine Art Künstler. Ihr Metier ist das sogenannte Streetprinting. Übersetzt würde das soviel wie bedrucken einer Straße heißen. Funktioniert aber ganz anders.

Das Ziel erläutert Jens Heckenbach vom Bauamt der Kreisstadt: "Die Mitte des Kreisels soll sich von der Fahrbahn abheben, gleichzeitig aber dieselbe Stabilität haben. Deshalb bekommt das Mittel-Rondell eine Pflasteroptik. Das ist Streetprinting."

Heckenbach erinnert sich an die Zeiten, als es das Verfahren so noch nicht gab. Da wurde der Kreisel Rotweinstraße noch mit Pflastersteinen abgesetzt. So wollte es der Gesetzgeber. Das Ergebnis: Die Steine flogen durch die Radialkräfte schwerer Lastwagen und Busse beim Durchfahren durch die Gegend. Die komplette zweite Kreiselspur musste neu gemacht werden.

Das kann bei dieser Technik, die im Kreis Ahrweiler übrigens zum ersten Mal angewandt wurde, nicht passieren.

Zurück zum Niedertor: Der Schaulustigen sind mittlerweile gar viele. Neben der "Oberbauleitung" der Ahrweiler Rentnergang kommt auch Ortsvorsteher Horst Gies "rein zufällig" daher. Händedruck mit dem Kolonnenführer und: "Darauf haben wir in Ahrweiler 30 Jahre gewartet."

Derweil liegen Vierkanteisen quer durch den Kreisel. "Die geben die Höhe vor", sagt Heckenbach. Denn das Rondell, das künftig beim Durchfahren von Gelenkbussen und Lastzügen mitgenutzt wird, liegt genau vier Zentimeter über dem Niveau der übrigen Fahrbahn.

Was folgt, ist reine Handarbeit. Schubkarrenrennen mit 215 Grad heißem Asphalt. Der wird mit Schiebern verteilt, professionell und in rasantem Tempo. Denn: Die schwarze Pampe aus dem riesigen Teerkocher kann nur verarbeitet werden, solange sie richtig heiß ist. Glatt gezogen, kommt der Mann mit der Flachschippe.

Taunus-Quarzit wird auf den Asphalt aufgetragen und gleich wieder mit einem umfunktionierten Laubsauger weggeblasen. "Die Schicht darf nur ganz dünn sein", sagt Stauch, "aber sie macht hinterher den Farbton aus". Dieser entspricht dem Pflaster auf den neuen Gehwegen.

Jetzt kommt die Pisselsarbeit, und spätestens in diesem Moment merkt auch die "Oberbauleitung", wofür die Gitternetze aus Stahlseilen schön sortiert bereit liegen. Sie geben das Muster für die Pflasterattrappe vor. Auf den Millimeter genau "eingenordet" kommen die Matten auf die Quarzit-Schicht. und eine Rüttelplatte vom Typ "extra fein" wird angeworfen.

Mittlerweile ist der Asphalt auf circa 100 Grad abgekühlt. "Idealtemperatur", sagt Kolonnenführer Stauch. Denn jetzt wird die Pflasterstruktur in den Asphalt eingerüttelt, ein kurzes Anheben und "passt wie die Faust aufs Auge".

Element um Element folgt. "Wir können Kreisel von bis zu 18 Metern Durchmesser drucken", sagt der 28-Jährige, schnappt sich eine Gießkanne und steht Sekunden später in Dampfschwaden gehüllt auf der Baustelle. "So kühlt das noch schneller ab, die Struktur ist stabil."

Es ist kurz nach zwölf. Die Frankfurter sind fertig, machen nur noch die Randstreifen. Baustellenleiter Guido Orth strahlt: "Saubere Sache. Wir schneiden nur noch zwei Reihen 'Pflaster' ab, böschen sauber an und das war's." Was noch kommt, ist Kosmetik: Poller, Ketten, Beete, Schilder und Markierungen.