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Schließung von Friseurbetrieben im Kreis Ahrweiler

Folgen der Corona-Krise : Handwerksbetriebe pausieren im Kreis Ahrweiler

Bei den Friseuren im Kreis Ahrweiler ruhen jetzt Kamm und Schere. Die Ansteckungsgefahr angesichts des grassierenden Coronavirus ist zu groß. Der Remagener Friseur Ralf Alex hatte deswegen die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin angeschrieben.

Ralf Alex, Inhaber eines Friseursalons in Remagen, durfte noch am Samstag seinen Kunden die Haare schneiden. Dafür hatte er eigentlich kein Verständnis. Er schrieb die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin an, um darauf aufmerksam zu machen, dass er und seine fünf Angestellten „die Welt nicht mehr verstehen“. Seine Frage an Sabine Bätzing-Lichtenthäler: „Worin besteht der Sinn, dass wir Friseure weiterhin die Gesundheit unserer Kunden und unserer Familien aufs Spiel setzen?“ Seit Sonntag ist nun auch für den Remagener Schluss mit Waschen, Schneiden, Legen und Fönen. Friseure dürfen nicht mehr arbeiten.

Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios sind geschlossen, weil in diesem Bereich eine körperliche Nähe unabdingbar ist. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte hierzu erklärt: „Der Kontaktverzicht heute kann morgen Leben retten. Wir sind es unseren Mitbürgern schuldig, die eine Vorerkrankung haben oder älter sind. Es geht buchstäblich um Leben und Tod.“ Medizinisch notwendige Behandlungen bleiben indes weiter möglich, beschlossen Bund und Länder.

 Ralf Alex hätte diese Maßnahme gerne schon vorher durchgesetzt gesehen. Der Inhaber eines Salons an der Marktstraße veröffentlichte via Facebook seinen Brief an die Mainzer Ministerin: „Wir haben bis jetzt tapfer durchgehalten und unseren Laden offengehalten, aber mittlerweile ist die Situation nicht mehr zu verstehen. Nachdem in Bayern die Friseure schließen mussten, waren wir uns sicher, dass die anderen Bundesländer nachziehen.“ Das jedoch war dann erst ab Sonntag der Fall.

"Finanziell eine absolute Katastrophe"

„Ein Haarschnitt oder eine Haarfärbung sind mit Sicherheit nichts Lebensnotwendiges und für zwei bis drei Wochen sollte doch wirklich jeder mal darauf verzichten können“, so der Remagener Figaro. Natürlich hätte er eine Geschäftsschließung selber entscheiden und die Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken können, „was allerdings finanziell eine absolute Katastrophe für die Angestellten und auch für die Geschäftsinhaber bedeuten würde“, ließ er die Ministerin wissen.

Auch im Namen seiner Kollegen bat er Bätzing-Lichtenthäler: „Lassen Sie auch uns Friseure zum Schutz aller zu Hause.“ Dem ist nun Rechnung getragen. Auch in anderen Teilen des Kreises Ahrweiler hatten Vertreter der Friseurbranche Angst wegen des engen Kontakts mit Kunden. Nach jedem Kundenbesuch wurden Scheren und Hände desinfiziert, dennoch blieb große Verunsicherung. Durch die Schließungsanordnung gibt es nun die Chance auf Kurzarbeitergeld und finanzielle Unterstützung.

Ansturm auf die Telefone der IHK

Derweil haben sich die Handelskammern des Landes mit einem Hilferuf an das Land gewandt. Bei der IHK haben alleine am Sonntag 1300 besorgte Unternehmer angerufen, die mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen haben. „Die bisherigen Finanzierungshilfen sind wichtig, reichen aber bei Weitem nicht aus, einen Zusammenbruch der regionalen Wirtschaft zu verhindern“, so die IHK, die konkrete Forderungen stellt. „Durch die verordneten Betriebsschließungen und die weiteren wirtschaftlichen Effekte der Corona-Pandemie geraten Tausende regionale Unternehmen unverschuldet in existenzbedrohende Schwierigkeiten. Bei uns glühen die Drähte heiß“, berichtete die IHK.

Die Kammern fordern eine sofortige Umsetzung des beschlossenen Maßnahmenpakets der Bundesregierung und weitere Finanzhilfen: „Die Unternehmen brauchen vor allem schnelle Überbrückungskredite, die zu 100 Prozent vom Staat verbürgt und in den ersten Jahren zins- und tilgungsfrei gestellt werden sollten. Besser wäre noch, Teile der Kreditsumme in Zuschüsse umzuwandeln.“ Für Kleinunternehmen fordern die IHKs umgehend Zuschussprogramme im Rahmen eines Notfallfonds aufzulegen, um deren Liquidität in der aktuellen Krisensituation zu sichern. Zudem schlagen die Kammern eine Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags vor, der derzeit auf eine Million Euro und ein Jahr begrenzt ist.