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Konzert in Remagen: Wenn ein Cello zur E-Gitarre wird

Konzert in Remagen : Wenn ein Cello zur E-Gitarre wird

Das Duo Carrington-Brown brilliert in der Rheinhalle mit einer Mischung aus Musik und Comedy. In der Remagener Rheinhalle haben sich 330 Besucher von einer brillanten Mischung aus Musik und Comedy verzaubern lassen.

Wer wissen möchte, wie man Bizets Oper „Carmen“ in einer Drei-Minuten-Version abhandeln kann, wie aus Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ ein Beatles-Medley wird oder was ein farbiger Dudelsackspieler unterm Schottenrock trägt, muss eine Vorstellung des Duos „Carrington-Brown“ besuchen.

Doch Rebecca Carrington und Colin Brown sind nicht allein. Vielmehr bilden sie mit „Joe“ eine einmalige „Ménage-à-trois“. Denn „Joe“ ist das 236 Jahre alte Cello, zu dem Rebecca Carrington eine symbiotische Beziehung unterhält. Dieses altehrwürdige Instrument spielt auch im Programm „Dream a Little Dream“ eine tragende Rolle, wird in den Händen der 46-jährigen Musikerin mal zum Dudelsack, mal zur E-Gitarre, zur Fiddle oder indischen Geige.

Schon beim romantischen Intro präsentiert sich Carrington als virtuose Cellistin, die nicht ohne Grund bereits mit dem London Symphony Orchestra und dem Royal Philharmonic Orchestra gespielt hat. Und nicht nur das: Die gebürtige Engländerin ist auch ausgebildete Sängerin, die sowohl eine Sopran-Arie mühelos dahinschmettern als auch eine Pop-Ballade in Gänsehaut-Manier vortragen kann. Dem steht Ehemann Colin in nichts nach. Der Mann, der mit Robbie Williams auf Welttournee war, bildet mit seiner tiefen und durchdringenden Stimme die ideale Ergänzung zu Rebecca und „Joe“.

Im Mittelpunkt des Abends steht die Musik, die zwar witzig und unterhaltsam, aber immer auf höchstem Niveau präsentiert wird. Zwischen den Songs werfen Carrington-Brown einen amüsanten Blick auf den Ehealltag und immer wieder auch auf die Eigenheiten von Deutschen und Briten. So wird aus einem Hildegard-Knef-Klassiker „Für mich soll es deutsche Regeln regnen“.

Das Duo lässt sein Publikum an ihren Lebensträumen und Lieblingssongs teilhaben. Im Hollywood-Block zaubern sie mit Shirley Basseys „Goldfinger“ und „Diamonds are forever“ James Bond auf die Bühne, lassen Luke Skywalker den Krieg der Sterne ausfechten, Marilyn Monroe und Louis Armstrong im Duett brillieren oder „Superman“ die Welt retten. Mit ihren virtuosen Stimmen verwandeln sie eher schlichte Popsongs wie „I follow rivers“ von Lykke Li oder Carly Rae Jepsens „Call me maybe“ in kleine musikalische Kostbarkeiten.

Und wenn das Paar Madonna und Michael Jackson mit „Like a virgin“, „Thriller“, „Holiday“, „Billy Jean“ und „Vogue“ zum finalen Wettstreit um die Pop-Krone antreten lässt, bleibt kein Auge trocken. Brüllend komisch auch die Parodie auf Howard Shore, dem Rebecca Carrington bei den Filmmusikaufnahmen von „Der Herr der Ringe” begegnet ist. Mit „Dream A Little Dream“ hat das Duo bewiesen, dass Kleinkunst großartige Unterhaltung sein kann.