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Beobachtungen aus dem 10. Stock: Verschworene Spezialarchitektur

Beobachtungen aus dem 10. Stock : Verschworene Spezialarchitektur

Galerie Artspace K2 zeigt New Yorker Wassertanks, eingefangen von Anja Kleemann-Jacks.

Die Motive fielen ihr zu. Stundenlang sah Anja Kleemann-Jacks vom zehnten Stock der New Yorker Wohnung auf die Central Park Skyline und mit Richtungswechsel in die 86. Straße. Quasi als "Beifang" erschlossen sich ihr die grandiosen Aussichten, als sie im Mai 2014 einen Malereiauftrag für eine befreundete Familie ausführte. Was sie im Häusermeer besonders faszinierte, waren die unzähligen Wasserfässer auf den Dächern der Metropole.

Kleemann-Jacks hat sie fotografiert, in Malerei und Collage umgesetzt und Christoph Noebel präsentiert sie in der Galerie Artspace K2. Zur Eröffnung von "New York Flow" betonte Journalist und Grafiker Jürgen Forster, Kleemann-Jacks - Mitglied des Rheinbacher Kunstforums '99, wie er - bediene nicht die gewohnten Klischees etwa mit Blicken in Hochhausschluchten. Anders auch als das aktuell farbfotografisch geprägte Bild der Millionenstadt gestalte sie ihre Bilder der Tanks, von denen es allein in Manhattan 17 000 gibt, in Beige, Braun, Grau und Schwarz: "Die dezente aber bestimmte Farbwahl geben den Arbeiten Charakter und eine individuelle Note." Trotz der Düsternis übersetze sie das Thema in "malerische Bildkompositionen".

Zu sehen sind sowohl in den Gemälden wie in den Kombi-Arbeiten aus Fotografie und Malerei durchgängig Frontalansichten, in denen die dunklen Fässer das urbane Gefüge dominieren. Mal heben sie sich in hartem Schwarz von der helleren Umgebung ab, mal sind sie in Grau Teil einer versmogten Großstadt-Tristesse. Mit ihren spitzen Dächern, auf ihren Stelzen und Stützkonstruktionen wirken sie bedrohlich. Man mag an Wachtürme denken, die eine Megagesellschaft in Schach halten. In Reihe oder geballt vorkommend, erwecken sie den Anschein einer verschworenen Spezialarchitektur, zumal die Fässer selbst nur undurchdringliche Oberflächen bieten. Dabei dienen sie der existenziellen Wasserversorgung.

Dass aus denselben primitiven Fässern Menschen, gleich welcher Hautfarbe, ob arm oder reich, alle ihr Wasser schöpfen, auch das berührte Kleemann-Jacks. Die 1969 an der Nordsee geborene und heute in Grafschaft-Gelsdorf lebende Ausstellerin war überwiegend als Grafikdesignerin tätig und arbeitet zudem seit einigen Jahren künstlerisch. Ihre in Remagen gezeigten Arbeiten sind dann am spannendsten, wenn sich großflächige Fotografie mit sparsamer Bemalung und Zeichnung paaren. So fordern die unterschiedlichen Oberflächen das Auge heraus und sorgen für Lebendigkeit.

Geöffnet ist die Ausstellung bis 18. März, mittwochs bis samstags, von 15 bis 18.30 Uhr.