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Wetterhäuschen statt Dach: Überdachung am Oberwinterer Bahnhof wird abgerissen

Wetterhäuschen statt Dach : Überdachung am Oberwinterer Bahnhof wird abgerissen

Rund einhundert Jahre sind die Bahnsteigdächer am Bahnhof in Oberwinter alt. Nun sollen sie abgerissen werden und stattdessen drei Wetterhäuschen entstehen. Das empört die Bahnkunden.

Enttäuschung in Oberwinter: Die bisherigen alten Bahnsteigüberdachungen werden abgerissen und nicht durch neue ersetzt. Stattdessen sollen drei Wartehäuschen auf dem Bahnsteig errichtet werden. Die Deutsche Bahn macht sich im Remagener Hafenort keine Freunde. Denn spätestens seit dem Wegfall des Bahnhofs Oberwinter als Haltepunkt des Regionalexpress 5 (RE 5) ist man auf den Konzern alles andere als gut zu sprechen. Nun soll also auch der ohnehin verwahrloste Bahnhof optisch noch weiter entwertet werden.

Die noch vorhandenen Bahnsteigüberdachungen sind zwar alt und nach Meinung von Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl auch erhaltenswert, stehen jedoch nicht unter Denkmalschutz. Weil die Bahnsteige erhöht werden müssen, damit künftige Regionalzüge dort halten können und da barrierefreie Zugänge gewährleistet sein müssen, sehe die Bahn keine Möglichkeiten, die Überdachungen zu belassen, zumal die Bahnsteige in Oberwinter auch verkürzt werden sollen, führte Ingendahl in der jüngsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses aus. In Remagen, Bad Breisig und Sinzig werden die Bahnsteige übrigens gerade verlängert, damit der Rhein-Ruhr-Express ab Sommer dort problemlos halten kann.

Drei Wetterhäuschen statt Dach

Für Bahnhöfe unter 3000 Bahnreisenden pro Tag sieht die Bahn ohnehin keine Bahnsteigdächer mehr vor. Damit die Bahnreisenden nicht im Regen stehen müssen, will die Bahn AG nun drei Wetterhäuschen errichten lassen. Breite: je 7,5 Meter, von drei Seiten geschlossen. Die Stadt zeigte sich indes wenig angetan von den Absichten des Bahnkonzerns. Sie forderte eine neue Überdachung mit einer Länge von je 22,5 Metern. Kosten: 400 000 Euro.

Der Berliner Konzern winkte ab, stellte aber anheim, die Überdachungen auf städtische Kosten errichten zu lassen. Im Remagener Rathaus fragte man daraufhin beim Land nach, ob hierfür Fördermittel bewilligt werden können. Dort holte sich das Rathaus eine weitere Abfuhr: Selbst an Bahnhöfen, die eine weitaus höhere Zahl an Reisenden vorweisen können (in Oberwinter sind es nach dem Wegfall des RE 5 täglich noch rund 770) würden nur noch Wetterschutzhäuschen gebaut, hieß es aus Mainz. Außerdem verwies man auf das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit der Landeshaushaltsordnung, wonach eine Förderung der Überdachungen durch das Land nicht möglich sei.

"Schlechtes Angebot der Stadt"

Weiteres Problem: Überdachungen schützen zwar vor Regen, nicht aber vor Wind. Bedeutet: Unter den Dächern müssten ungeachtet dessen auch die Wetterhäuschen als Windschutzanlagen errichtet werden. Und zwar an den vier Bahnsteigenden je ein Wetterschutzhaus.

Während die SPD die Auffassung vertrat, dass man durchaus in den sauren Apfel beißen könne, um die Überdachungen zu realisieren, waren die anderen Fraktionen anderer Meinung. Die Freie Bürgerliste unterstrich, dass eine Entschuldung der Stadt Priorität genieße, die CDU hatte gegen die Wetterhäuschen nicht allzu viel entgegenzusetzen. Die Grünen sprachen von „einem schlechten Angebot der Bahn“, vertraten aber auch die Meinung, dass eine 400 000 Euro-Investition aus städtischen Mitteln unangebracht sei.

"Wir sitzen am kürzeren Hebel"

Der Oberwinterer Ortsvorsteher Norbert Matthias (CDU) meinte: „Ich hätte gerne die alten Überdachungen erhalten. Mit der Bahn ist aber nicht zu diskutieren.“ In der Vergangenheit habe die Stadt schon so viel investiert, um der Bahn Kunden zuzuführen, umso unverständlicher sei die Geschäftspolitik des bundeseigenen Unternehmens, das doch ein Interesse daran haben müsse, Bahnhöfe halbwegs komfortabel auszustatten.

„Wir sitzen am kürzeren Hebel, wir müssen die Kröten schlucken“, stellte Bürgermeister Ingendahl fest. Er sprach von einer „sehr unbefriedigenden Situation“, die dazu führe, dass Menschen statt mit der Bahn wieder mit dem Auto fahren würden. Der Bau- und Verkehrsausschuss lehnte den Neubau der Überdachungen auf eigene Kosten gegen die Stimmen der SPD ab.