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Eröffnung der 2. Ahrweiler Freiheitswochen in Rolandseck: Trommeln für die Freiheit

Eröffnung der 2. Ahrweiler Freiheitswochen in Rolandseck : Trommeln für die Freiheit

Eindringliche Worte im Arp Museum bildeten den Auftakt zur zweiten Veranstaltungsreihe. Mehr als 30 Veranstaltungen transportieren die Themen Frieden, Freiheit und Toleranz in den ganzen Kreis Ahrweiler.

Es hätte keinen passenderen Ort als das Arp Museum geben können, um die 2. Ahrweiler Freiheitswochen zu eröffnen. Da, wo der weltberühmte New Yorker Architekt Richard Meier lichtdurchflutete Räume in den Berg setzte, die Künste frei mit- und nebeneinander existieren können, der Blick über den Rhein weit schweifen kann, die Gedanken frei sind, wo ohne Toleranzverlust Austausch und Auseinandersetzung stattfinden, da fühlten sich alle „Freiheiter“ sichtlich wohl. So wurde aus der Eröffnung der bis Sonntag, 19. März, mit mehr als 30 Veranstaltungen aufwartenden Freiheitswochen auch schon ein erstes, kleines Geburtstagsfest: Das Arp Museum wird zehn Jahre alt.

„Zum Geburtstag werden kleine und große Wünsche erfüllt, man bekommt und man gibt Geschenke“, begrüßte Museumsdirektor Oliver Kornhoff. Ein Geschenk sei die stetig wachsende Identifikation der Region mit dem Haus der Künste. Aber auch der Umstand, dass demokratische Staaten die Freiheit der Kunst garantierten. „Bei uns in Deutschland im Grundrecht verankert kennt sie keine Grenzen und Schranken. Doch: Was darf Kunst und was nicht? Provokation macht Grenzen sichtbar. Ergo: Es gibt keine Freiheit ohne ein gewisses Maß an Provokation.“

Er dankte den Namenspatronen Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, die 1916 in der Schweiz mit anderen Freidenkern mit Dada die Stunde Null der Kunst programmierten, um zwischen kriegerischem Realismus und bürgerlicher Kultur mit einem Anschlag auf den guten Geschmack nach einem neuen gesellschaftlichen Gleichgewicht zu suchen. Als Geschenk an die Besucher kündigte Kornhoff die atemberaubende Schau mit Henry Moore ab Mai an, dem wohl berühmtesten internationalen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Arp und Moore stellten schon 1936 bei der großen Surrealisten-Ausstellung in London gemeinsam aus, in den 1970er Jahren weilte der Brite mehrfach in Rolandseck. Seine riesige Bronzeskulptur „Large Two Forms“ vor dem ehemaligen Bonner Bundeskanzleramt war durch die politische Berichterstattung für zwei Jahrzehnte die am meisten im Fernsehen gezeigte Skulptur Deutschlands.

Horst Gies, Vorsitzender des Fördervereins Ahrweiler Freiheitswochen, betonte auch im Beisein vieler Schulleiter, wie wichtig es sei, Jugendliche in die Thematik einzubinden: „Freiheit und Frieden sind keine Selbstverständlichkeit. Wir alle müssen unseren Beitrag zu tolerantem Miteinander von Gesellschaft, Nationalitäten, Religionen und Generationen leisten.“ Gies lud sowohl zur Pflanzung des Freiheitsbaums durch Schirmherr Klaus Töpfer am Freitag am Regierungsbunker ein als auch zur Matinee des Jugend- und Schülerwettbewerbs am Sonntag in der Bad Neuenahrer Konzerthalle. Großen Dank zollte er Projektleiter Wolfgang Grambs und Andreas Wittpohl, der schon vor vielen Jahren erkannt hat, dass die bemerkenswerte Dichte der „Orte der Freiheit“ wie Brücke von Remagen, Ahrweiler Regierungsbunker oder Arp Museum bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal des Kreises Ahrweiler darstellt.

„Bühnenreif“ ist der Titel einer der Ausstellungen im Museum. Bühnenreif war auch die „frei“ gehaltene, teile „heitere“, teils nachdenklich stimmende Rede von Remagens Bürgermeister Herbert Georgi. Wenn einer weiß, den ewig Gestrigen Schritte voraus sein und Engagement für Frieden und Freiheit an den Tag legen zu müssen, dann der Bürgermeister, der sich seit Jahren mit dem Aufmarsch der Neonazis in seiner Stadt auseinandersetzen muss. „Vor zehn Jahren war Freiheit ein selbstverständlicher Besitzstand. Seit 2011 dürfen wir dank des Programms 'Demokratie leben' spektakuläre Dinge tun.“ Mit Blick auf die derzeitige Lage in Europa, die eine ernste Bedrohung für die Demokratie sei, fiele ihm der Film „The Fog – Nebel des Grauens“ ein: „Die, die die Freiheit vor Jahren mit Tränen begrüßt haben, treten sie heute mit Füßen.“

Als Landrat Jürgen Pföhler, auch stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums Arp Museum, gleich da einhakte, gab es zustimmenden Beifall. „Wir müssen auf allen gesellschaftlichen Ebenen und mit ganzer Kraft an die Bedingungen unserer freiheitlichen Werte erinnern und für sie eintreten. Und wir müssen uns offensiv mit denen auseinandersetzen, die versuchen, an den Grundfesten unserer Demokratie zu rütteln.“ Er nannte den Preisträger, Karl Kardinal Lehmann, einen „Brückenbauer der Ökumene und mahnende Stimme gegen Fremdenhass“.

Das Museum zum Beben brachten zwischen den Reden die Musiker der Grafschafter Percussion-Gruppe „Akwaaba“ („Willkommen“). Auf ihren Trommel- und Rhythmusinstrumenten brachten sie im Wechsel mit Sänger und Freiheiter-Künstler Stephan Maria Glöckner afrikanisches Lebensgefühl in die Lobby.