Barrierefreie Bahnsteige: Städte am Rhein hoffen auf pünktlichen Ausbau der Bahnhöfe

Barrierefreie Bahnsteige : Städte am Rhein hoffen auf pünktlichen Ausbau der Bahnhöfe

In Bad Breisig, Sinzig und Remagen müssen bis Juni 2019 die Bahnsteige für den Rhein-Ruhr-Express höher gelegt sein. Die Städte hoffen nun auf die Pünktlichkeit der Bahn AG.

Schafft es die Bahn, die Bahnsteige der Bahnhöfe in Bad Breisig, Sinzig und Remagen bis Mitte des nächsten Jahres so höher zu legen, dass der Rhein-Ruhr-Express (Zugtyp RRX) dort auch halten kann? Ab Juni 2019, so der Plan, sollen die Züge, dessen beiden Linien ab Koblenz halbstündig nach Minden und Bielefeld, über Bonn, Köln und Düsseldorf fahren und den RE5 ersetzen sollen, die Haltepunkte der drei Rheinkommunen ansteuern. Dort hat man auch die Hausaufgaben gemacht. Ob das auch bei der Deutschen Bahn der Fall ist, bleibt abzuwarten. Anfragen des General-Anzeigers hierzu blieben unbeantwortet.

Nach derzeitigem Stand ist es so, dass die vorhandenen Bahnsteige 40 Zentimeter zu niedrig sind, um in diesen Zugtypen ein- und aussteigen zu können. Bedeutet: Derzeit wäre ein Halt in Bad Breisig, Sinzig oder Remagen nicht möglich.

Die Stadt Bad Breisig hat mit der Bahn allerdings längst die notwendigen Verträge geschlossen. „Die Bauarbeiten hier sind in der Planung“, so Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch. Nach den letzten Aussagen der Bahn solle Ende 2018 mit den Arbeiten begonnen werden, so die Bürgermeisterin. Eine rechtzeitige Fertigstellung sei von Seiten der Bahn nicht in Frage gestellt worden.

Kommunen haben die Hausaufgaben gemacht

Um den Halt des „RRX“ in Bad Breisig zu ermöglichen, muss die Bahn die beiden Bahnsteige auf einer Länge von 170 Metern anheben. „In Bad Breisig könnte die für den Ausbau zuständige Deutsche Bahn Station und Service AG sofort mit den Arbeiten beginnen“, bestätigte auch Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach. „Von unserer Seite gibt es keine Verzögerung“, so der Verwaltungschef.

Bereits vor Jahren habe man erforderliche Arbeiten erbracht. Etwa den behindertengerechten Zugang zu Gleis 1 über eine Rampe mit Sechs-Grad-Steigung. Oder die Zustimmungserklärung der Stadt zum Bau eines Fahrstuhls, der ein barrierefreies Erreichen der Gleise 1 und 2 ermöglicht. Weidenbach: „Ein genauer Zeitplan der Arbeiten liegt uns nicht vor. Wir wissen nur, dass die Arbeiten im Januar 2019 beginnen und spätestens Mitte 2019 fertig sein sollen.“

Die Arbeiten in Bad Breisig sollen – Stand heute – 2,2 Millionen Euro kosten. Der Anteil der Stadt liegt bei 836.000 Euro (15 Prozent der Gesamtkosten plus Planungskosten). Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt, das ein Jahr dauern soll.

Bürgermeister ist skeptisch

„Wir stellen uns natürlich die Frage, wenn die Bahn nicht nur in Bad Breisig sehr umfangreiche und langwierige Arbeiten durchführen muss, sondern auch in Sinzig, Remagen und weiteren Städten zwischen Minden und Koblenz, wie das alles bis Mitte Juni 2019 funktionieren soll“, so der Verbandsbürgermeister. Und das in einer Zeitphase, in der Baupreise gerade explodieren und die Auftragsbücher vieler Baufirmen auf Monate im Voraus voll sind.

Man sei angesichts dieser Umstände in Bad Breisig zwar besorgt, aber nicht alarmiert. Weidenbach: „Für Bad Breisig ist es sehr wichtig, dass der halbstündige Takt aus – derzeit – Rheinexpress und Mittelrheinbahn auch ab Juni 2019 mit dem RRX beibehalten wird: Hier steigen jeden Tag mehr als 1100 Menschen in Züge ein. Laut Bahn liegen wir in der Region damit weit oben.“

Wenig Sorgen macht man sich in Remagen: „Für die Bahnhöfe in Remagen und Oberwinter gibt es einen Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes vom vergangenen November“, so Bauamtsleiter Gisbert Bachem. Die Unterlagen hätten bis Anfang Januar in der Bauverwaltung zur Einsicht ausgelegen. Zu den anstehenden Modernisierungsmaßnahmen gehörten auch die Erhöhung der Bahnsteige. Bachem: „Die Arbeiten in Oberwinter sollen bereits im Juni beginnen. Für Remagen sind uns noch keine Ablaufzeiten bekannt.“

Die Stadt Sinzig erklärte: „Auskünfte, die insbesondere die Finanzierung und Kosten betreffen, sowie zeitliche Abfolgen können ausschließlich von Seiten der Bahn verbindlich getätigt werden.“ In der nächsten Ratssitzung wolle man indes bezüglich des Bahnhofes „eine umfassende Information des 3. Bauabschnittes vorstellen“.

Land überweist erhebliche Zuschüsse

Auskunftsfreudiger ist da schon das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium. „Sinzig erhält für die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zum Bahnhof Sinzig eine Zuwendung von bis zu 1,3 Millionen Euro“, so Verkehrsminister Volker Wissing. Mit dem Geld sollen die Personenunterführung unterhalb des ehemaligen Empfangsgebäudes bis zum Bahnhofsvorplatz verlängert werden, ein Personenaufzug und eine Treppe am Bahnhofsvorplatz sowie ein Personenaufzug an der Ostseite des Bahnhofs eingerichtet werden. Kosten: rund 1,6 Millionen Euro.

Ohnehin wurde in den Bahnhof bereits kräftig investiert. Begonnen wurde 2005 an der Westseite mit dem Bau eines Busbahnhofs, dem Ausbau der Eisenbahnstraße, der Errichtung von Park-and-Ride-Parkplätzen sowie Fahrradstellplätzen. Außerdem wurde in einem zweiten Bauabschnitt die Ostseite des Bahnhofs erschlossen durch die Verlängerung der Personenunterführung und den Bau einer Treppe. Das Land hatte hierzu 1,52 Millionen Euro beigesteuert.

Als letzten Bauabschnitt soll nun der barrierefreien Umbau, sprich die Höherlegung der Gleise 1 und 2/3 erfolgen. Pünktlich.

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