Seit 20 Jahren in Remagen: So feierte der Rhein Ahr Campus seinen Geburtstag

Seit 20 Jahren in Remagen : So feierte der Rhein Ahr Campus seinen Geburtstag

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die im Trauzimmer der Stadt begann. 20 Jahre später feiert der Rhein Ahr Campus mit einem Festakt seinen runden Geburtstag. Für 1000 Studenten konzipiert, studieren mittlerweile drei Mal so viele junge Leute dort.

Er ist in Remagen, aber auch im Kreis und im Land angekommen, der Rhein Ahr Campus (RAC), für den vor 27 Jahren als Maßnahme des Bonn-Berlin-Ausgleichs die Würfel fielen (der GA berichtete). Mit einem von Hochschul-Vizepräsident Dietrich Holz moderierten Festakt im Audimax der Fachhochule (FH) auf der einen, und einem Campusfest „Wissenschaft hautnah“ auf der anderen Seite, wurde am Freitag der 20. Geburtstag gefeiert.

Im Dreiklang von Rückblick, Gegenwarts-Bestandsaufnahme und Ausblick begrüßte Kristian Bosselmann-Cyran, Präsident der Hochschule Koblenz, zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, aber auch Freunde, Partner und Förderer, die den RAC von Anbeginn an begleitet haben. „Der Jugendlichkeit des Standortes steht ein hoher Grad an Reife mit einem enormen wissenschaftlichen Renommee entgegen“, so der Präsident. Für 1000 junge Menschen konzipiert, würde mittlerweile die dreifache Zahl dort studieren.

Welche Pionierarbeit nicht nur der Gründungsausschuss im Trauzimmer der Stadt leistete, sondern auch die ersten 119 Studenten 1998, machte ein Videofilm deutlich. Es herrschte damals bei allen Akteuren eine derart mitreißende Aufbruchstimmung, dass Pleiten, Pech und Pannen beim 180-Millionen-Mark-Bau, eine Eröffnung im provisorischen Zelt oder Mittagessen im Tennis-Clubheim nichts am Willen, den RAC zur Erfolgsgeschichte zu führen, änderte.

Von gerechter Kompensation nach dem Hauptstadtbeschluss, dem sorgenvollen Blick in die Zukunft und dem Sprung auf den Hochschulzug in letzter Sekunde sprach dann der damalige Bürgermeister Lorenz Denn. „Uns fehlte 1994 die Ernsthaftigkeit der Bewerbung. Während die Kreisstadt, Grafschaft und Sinzig schon am Weiberdonnerstag 1994 mit einer Kommission aus Mainz am Tisch saßen, warteten wir auf die Entmachtung durch die Möhnen“, so Denn. So humorvoll der Sozialdemokrat, der in dem Jahr Hans Peter Kürten als Stadtchef ablöste, ihn schilderte, so lustig war der Standortkampf für Remagen bis zum Knallen der Sektkorken am 15. Mai 1995 nicht. Doch: Ende gut, alles gut. 200 direkt von der FH abhängige Arbeitsplätze, ein neues Zuhause für 1000 Menschen, Mieteinnahmen, Kaufkraft, Gewerbesteuer – das alles macht die Ausgleichsmaßnahme zu einer sehr wirkungsvollen.

"Guter Raum, um Bund fürs Leben zu schließen"

Rüdiger H. Jung, ehemaliger Vorsitzender des Aufbauausschusses, lobte das gemeinsame Eintreten aller Politiker, vor allem auch den Einsatz des damaligen Landrates Joachim Weiler, um die FH zu einer Institution für die Bürger des Kreises zu machen. „Nur die Hardcore-Optimisten der Region haben zunächst an den Erfolg geglaubt“, so Thomas Wolff, Unternehmer und Vorsitzender des Förderkreises von Beginn an: „Das Trauzimmer war doch ein guter Raum, um einen Bund fürs Leben zu schließen.“ Er wünschte sich für die Zukunft noch mehr Kooperationen und eine noch bessere Vernetzung mit Industrie und Handwerk: „Der RAC ist eine Plattform geworden, der über das Studium hinaus zwischen zwei wichtigen Welten, der akademischen und der Arbeitswelt vermitteln kann.“ Nicht umsonst haben durch den starken Praxisbezug 70 Prozent der Studierenden schon vor ihrem Abschluss einen Job.

Dass die Studenten und auch Professoren zum Stadtbild gehören, freute Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl – ob beim Wohnen, beim Nebenjob in Handel und Gastronomie, als Spieler oder Übungsleiter in Vereinen oder beim Einsatz beim Tag der Demokratie, bei dem es am 17. November wieder heißt: „Flagge zeigen gegen die ewig Gestrigen. Remagen ist bunt und offen und hat keinen Platz für rechtes Gedankengut.“ Ihre Unterstützung sagten auch Viviane Dohr, AStA-Vorsitzende, und Lucas Bolten, Präsident des Studierendenparlamentes, zu. Sie wünschten sich neben weiteren internationalen Partnerschaften einen Glaspavillon für zusätzliche Lernplätze. Eingebettet in die Musik der „Camerata Nonnenwerth“ sprach Gunter Dueck, Mathematiker, Philosoph und Ex-IBM-Chief Technologist, zu „Digitalisierung, Zukunft, Innovation“. Danach konnten der Campus und sein vielseitiges Angebot in Augenschein genommen werden.

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