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Andreas Müller begeistert Remagener: Schnelldurchlauf der 20 Stimmen

Andreas Müller begeistert Remagener : Schnelldurchlauf der 20 Stimmen

Wenn er kommt, spricht er nie nur mit einer Stimme. Von Helmut Kohl über Herbert Grönemeyer bis Harald Glööckler reicht schließlich das Spektrum von Andreas Müller. Als Stimmenimitator und Parodist turnt er seit Jahren über die Bühne und durch den Äther.

Aber nicht mit einer Promi-Stimme oder dem so charakteristischen "Mogäään" aus der Radio-Comedy-Serie "Feinkost Zipp", sondern mit einem "Schunderwönen guten Tag" hat Müller bei seinen zwei Gastspielen in Remagen seine insgesamt rund 1700 Zuschauer in der Rheinhalle begrüßt. Der Badener beginnt nicht mit einem Sprachfehler sondern spricht minutenlang mit "vertauschten Sachstuben wegen der Sabhörischerheit".

Sigmar Gabriel will wissen, was eigentlich aus Til Schweigers Plänen vom Bau eines Vorzeige-Flüchtlingsheims geworden ist. "Ich habe gestern wieder 20 Syrer aufgenommen", nuschelt dieser. "Ehrlich?", fragt ein ungläubiger Vize-Kanzler. Schweigers Antwort: "Ja, mit dem Smartphone." Keine wahre Konversation, aber eine, die wie echt klingt. Müller legt den auf der Leinwand hinter ihm als Film oder Foto erscheinenden vermeintlichen Akteuren seine Worte in den Mund.

Er kommentiert und fabuliert: "Cem Özdemir muss privat Hanf anbauen. Er ist nämlich Vegetarier. Deshalb hat er sich auch die Koteletten abnehmen müssen." Und er singt umgetextete Lieder: "Ein Hoch auf unsre Justiz, wo keiner lange im Bau sitzt" zu Andreas Bouranis Fußball-WM-Erfolgssong etwa, unmittelbar nachdem Franz Beckenbauer festgestellt hat, dass es gut ist, wenn Uli Hoeneß frühzeitig aus der Haft entlassen wird: "Der muss ja auch Platz machen für uns". Beinahe frenetischer Applaus dafür.

Fast mit jedem Schritt zwischen Rednerpult, Keyboard und Gitarre auf der Bühne schlüpft Müller in eine andere Rolle und wechselt die Themen. Winfried Kretschmann kriegt der Komiker aus dem Badischen akustisch ebenso hin wie Jogi Löw oder Horst Seehofer und "Nordlicht" Gerhard Schröder, auch wenn über die Strecke von mehr als zwei Stunden temporeichen Talks nicht jede Pointe zündet und Personen wie Rudolf Scharping, Roberto Blanco und Lothar Matthäus nicht mehr ganz so aktuell sind beim Publikum.

Seine Zuhörer verziehen es Müller, der sich vielfach durchs Programm merkelte: Die Gesichter der Kanzlerin genauso kommentierte wie ihre Treffen mit Staatsmännern. Besonderes Bonbon ist der Schnelldurchlauf mit den bereits gehörten Stimmen und noch ein paar mehr zum Schluss: Stimmen von mehr als 20 Promis in weniger als zwei Minuten. Noch einmal tosender Applaus und eine zweite kurze Zugabe, bevor Müller abtritt.