Vielseitige Kunst in Remagen: Rheinliebhaber und Poet

Vielseitige Kunst in Remagen : Rheinliebhaber und Poet

Ein Gemälde wie ein Paukenschlag: In Richtung Betrachter blicken zwei Reihen uniformierter Gasmaskenträger, beim Schampus versammelt, um auf den nächsten Krieg anzustoßen. Das Tischtuch driftet abwärts in eine Szenerie der Zerstörung.

Trümmer, wohin man blickt und mittendrin auf der Straße ein Junge, stellvertretend für eine ganze Generation, deren Zukunft in Scherben liegt. Er allein gibt sich ans Aufräumen. Als Grisaille hat der Bonner Maler und Bildhauer Dierk Engelken das Bild angelegt. Nur der Junge trägt ein gelbes Hemd und hellgelb ist die Füllung der Gläser, „weil das Giftgas ‚Gelbkreuz‘ hieß“. „Das da“, Engelken deutet auf die Verwüstung, „könnte überall sein, heute in Aleppo, morgen anderswo, der Wahnsinn nimmt kein Ende“. Sein Bild „Der Krieg fängt in den Köpfen an“, gehört zur neuen Ausstellung „Combine Paintings“ in der Galerie M.A.SH. ModernArt Showroom.

Hocherfreut ist Mitbetreiberin Almuth Leib, den 1941 in Elbing/Westpreußen geborenen Engelken, der in Bonn, Köln und Düsseldorf studierte, auszustellen. Er war von 1973 bis 2001 Lehr- und Prüfungskraft an der Pädagogischen Hochschule Rheinland und den Universitäten Köln und Bonn, leitete 23 Jahre das Studio für Kunsterziehung – Atelier für Bildende Kunst der Universität Bonn, war 15 Jahre Vorsitzender im Bundesvorstand des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) und ist versiert in vielen Medien und Stilen. In Remagen – der Titel ist Programm – kombiniert er aufs Trefflichste Fotografie, Zeichnung, Collage, Siebdruck, Malerei. Mehr noch: „Ich spiele mit Techniken und Bewusstseinsebenen“. Kombinierte Assoziationen verfangen bei „Man macht viel durch“, die bearbeitete Fotografie eines Bades, wo das Waschbecken und die freischwebende Klobrille eine Ableitung vermissen lassen. Wunderbar: „Decke zu kurz“, eine schicke, messingfarbene Bettstatt aus Zeitungstexten mit zu knappem Kissen und Minigefängnis für einen Schuldigen des Skandals um das Bonner World Conference Center. „Was da verbockt wurde, fehlt jetzt an Geldern für die Kultur“, sagt Engelken.

Missstände kreidet er viele an, so auch in der Federzeichnung „Traum und Trauma“ mit dem riesigen Stadthaus hinter der sehr alten kleinteiligen Sternstraße. Aber es gibt auch Engelken, den Rheinliebhaber, der mit Flusslandschaften präsent ist. Und Engelken den Poeten. Denn, was andere im Vorbeigehen an einem Altbau als schnöde Gerüstplane abtun, wird für einen Künstler, der ja per Profession mit der Umdeutung alle Wirklichkeiten befasst ist, zum eleganten „Seglers Traum“.

Die Ausstellung in die Kirchstraße 25/Ecke Drususplatz ist bis 26. November geöffnet: samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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