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Remagen: Gedenkfeier zur Eroberung der Brücke vor 75 Jahren

Gedenkfeier zur Eroberung der Brücke vor 75 Jahren : Eine Mahnung und ein Appell des Friedens in Remagen

Am Samstag fand eine Gedenkfeier zur Eroberung der Brücke von Remagen vor 75 Jahren statt. Der Festakt wurde im Foyer der Rheinhalle abgehalten. Eine Kranzniederlegung gab es auf dem Rhein. Zeitzeugen erinnern sich.

Zwei Stunden voll bewegender Momente erlebten die Gäste im Foyer der Rheinhalle. Die Stadt Remagen hatte für Samstag zur Gedenkfeier eingeladen, denn auf den Tag genau vor 75 Jahren liefen 1945 die Soldaten der Company A, 27th Armored Infantery Battalion unter Leutnant Karl H. Timmermann, eine Vorhut der 9. US-Panzerdivision, über die zur Sprengung vorgesehene, aber unzerstörte Brücke, was das Kriegsende um Wochen früher herbeiführte.

„Ihre Eroberung war aus heutiger Sicht ein glücklicher Umstand“, so Bürgermeister Björn Ingendahl. „General Eisenhower soll ausgerufen haben: ‚Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert.‘“ Ihre Einnahme ging als „Wunder von Remagen“ in die Geschichte ein. Sie beschleunigte den Vorstoß der Alliierten. Allein in den ersten 24 Stunden überquerten 8000 Soldaten den Rhein.

Das Ende des Krieges

Für Remagen, Erpel und die umliegende Orten wurde damit das Ende des Krieges eingeleitet. Nach dem Krieg bildeten Montanunion und Europäische Wirtschaftsgemeinschaft Grundsteine für eine prosperierende Wirtschaft, skizzierte Ingendahl und sagte: „Die BRD ist seit mehr als 70 Jahren ein Garant für Frieden in Europa, deswegen erinnern wir uns heute.“ Seine Hoffnung: „Vielleicht wird es wieder eine Brücke geben – das ist die Vision von Günther Hirzmann, Bürgermeister von Erpel, dem Unkeler Bürgermeister Karsten Fehr und mir.“

Staatssekretär Randolf Stich vom Mainzer Innenmisterium  erklärte beim 75. Jahrestag der US-Rheinüberquerung: „Die Brücke soll uns mahnen, den Frieden niemals als Selbstverständlichkeit anzusehen.“ Neu aufflammendem Rechtsextremismus, Hass und Hetze müsse man entschieden entgegentreten. Er sei froh, dass in Remagen gegen die Aufmärsche der Neonazis im Herbst Jahr für Jahr Zeichen gesetzt würden.

Brücke wurde zum Touristenmagnet

Das militärische Ereignis von vor 75 Jahren wirkt bis heute nach. So wurde die Brücke zum Touristenmagnet. Und durch sie „ist auch der Kreis Ahrweiler international bekannt geworden“, stellte Horst Gies fest. Der erste Beigeordnete des Kreises Ahrweiler unterstrich ebenfalls ihre Bedeutung als „Mahnung und Friedensappell“: „Wir dürfen niemals aufhören, uns für Frieden, Freiheit und Demokratie starkzumachen“, so Gies. Er hofft, dass beim derzeit geschlossenen Friedensmuseum „eine Lösung gefunden wird, um die Bedeutung der Brücke aufzuzeigen“.

In seinem engagierten Grußwort verwies Karsten Fehr auf die Diskrepanz zwischen historischem Belang und schlechtem Zustand der Brückentürme: „Keiner scheint zuständig zu sein“, so der Bürgermeister von Unkel. Da die nationale und internationale Bedeutung außer Frage stehe, forderte er Staatssekretär Randolf Stich auf, sich für den Erhalt einzusetzen. „Hier müssen Land und Bund zusammenstehen.“ Zur Vision zukünftige Brücke malte Fehr aus: „Ist es nicht ein wunderbares Bild, wenn eine Brücke als Zeichen der Verbindung geschlagen wird.“

Musikalische Beiträge zur Vertiefung

Immer wieder boten musikalische Beiträge Gelegenheit, den Reden nachzuspüren oder ihre Vertiefung durch Klang zu erfahren. Erhebend intonierte das Stadtsoldatenkorps Remagen „Eurovisie“ von Marc-Antoine Charpentier, was der Formation prompt das Lob von Oberst John K. Baker, P. E. eintrug. Dieser erinnerte sich, vor 20 Jahren für ein Schriftstück über militärische Prinzipien das Geschehen von Remagen gewählt zu haben, „wo eine kleine Einheit eine Brücke einnahm“, denn eine Brücke einzunehmen sei eines der schwierigsten militärischen Unterfangen.

Mitreißend brachten sodann Instrumentalisten und gleich vier Sänger des Stadtorchesters Remagen den hoffnungsvollen Song „We are the World“ unters Publikum. Später beeindruckten sie, verstärkt durch Thomas Wandt, einer der Clan Pipers Frankfurt, der stilecht schottisch gewandet mit Dudelsack einzog, mit „Highland Cathedral“. Wieder anders – mit nachdenklichem Unterton – nahm das Trio Everson die Anwesenden mit.

Zeitzeugen berichten

Die Aufmerksamkeit stieg, als Politikwissenschaftler Andrew B. Denison, Direktor von Transatlantic Networks, ein Zentrum politischer Beratung und Bildung in Königswinter, seinen deutschen Nachbarn Jürgen Tegethoff auf die Bühne bat, um dem früheren Wehrmachtsleutnant der 506. schweren Panzer-Abteilung fünf Fragen zu stellen. Als Junge ließen der heute 95-Jährige und seine Freunde sich von Schleppern auf dem Rhein zur Brücke treiben. Mit 15 war er Hilfspolizist, kam nach dem Notabitur zur Wehrmacht, war bei den Gefechten um Bastogne dabei und eingeteilt zur Ardennenoffensive, bei der Front im Kylltal, bis der amerikanische Durchbruch kam.

Tegethoff schilderte den fluchtartigen Rückzug der Armee. Weil Kraftstoff fehlte, „wir brauchten für 100 Kilometer 1000 Liter“, wurden die letzten Panzer am Nürburgring gesprengt. Mit Radfahrzeugen ging es nach Kaisersesch, am 9. März in Koblenz über den Rhein zum Sammelpunkt Höhr-Grenzhausen. Gefangen genommen, erlebte er drei Tage das Rheinwiesenlager.

Was will der Jurist jungen Leuten heute mitgeben? „Sie sollen ihre Ausbildung im Ausland machen und Ausländer ihre hier bei uns.“ Tegethoff weiter: „Man soll allen Leuten den gebührenden Respekt entgegenbringen“.

Ihren Abschluss fand die würdige Feier in der Kranzniederlegung, zu der Bürgermeister Ingendahl alle an den Rhein einlud. Bei Sonnenschein legte das Feuerwehrboot ab, um zwischen den Brückentürmen im Strom das mit bunten Blumen geschmückte Gebinde abzulassen. Als dies geschah, bekundeten die Zuschauer vom Ufer her kräftig Beifall.