Kunst aus Polen in Remagen: Polen, Pop-Art, Pokémon

Kunst aus Polen in Remagen : Polen, Pop-Art, Pokémon

Die Künstlerin Maria Piatek stellt sich in der Remagener Galerie M.A.SH jetzt mit der Ausstellung „Never Ending Story“ vor.

Mit einer Vernissage im kleinen Kreis hat die Ausstellung „Never Ending Story“ der polnischen Kunstdozentin Maria Piatek in der Remagener Galerie M.A.SH begonnen. Unter Anwesenheit der Künstlerin führte Stefan Zajonz in Werk und Leben ein und lenkte den Blick des Liebhaberpublikums auf einige wichtige Details. Es folgte ein entspannter Nachmittag im Angesicht von höchst anspruchsvoller Kunst, die gerade durch ihre surrealistischen Kompositionen besticht.

Eine schwarze Masse vor rotem Hintergrund. Wie beim „Galgenmännchen-Spiel“ steht ungelenk in weiß „deep breath“ – „tief einatmen“ über den Köpfen. Eines von Piateks charakteristischen Hirn᠆augen streckt seinen Fühler gen Himmel und versucht, der Enge zu entkommen. Übersät ist das Bild schließlich mit lauter Pikachus, dem bekannten gelben Pokémon aus dem gleichnamigen Videospiel.

Die kleinen Biester haben es der Polin besonders angetan. Ein riesiges Flegmon fragt im Stil eines Internet-Memes „Are you happy?“ – „Bist Du glücklich?“ und collageartig neben Marilyn Monroe, einer Figur aus dem James Cameron-Film „Avatar“ und einen Transformer gestellt, strahlt ein Schiggy von einem der Bilder. Im Zyklus „James Bond und andere“ setzt Piatek die bekannten Ikonen in neue Kontexte, entreißt sie so den üblichen Zusammenhängen, rückt sie damit jedoch auch in den Fokus. Gleichzeitig betreibt die Künstlerin nach eigenem Bekunden mit der Malerei ein „Recycling“, ein geistiges Entmüllen von allem Kurzfristigen der heutigen Gesellschaft.

Im Namen des Deutsch-Polnischen Kulturaustausches hat Almuth Leib in ihre Galerie ein zugleich eingängiges wie auch sperriges Werk geladen. Drei Bildzyklen füllen den kleinen Raum und die Schaufenster und machen somit aus der Galerie ein Monument surrealistischer Kunst inmitten der Innenstadt. Piatek verarbeitet in ihren Werken Ikonen der Popkultur, verbindet sie mit charakteristischen Eigenmotiven und gibt ihnen über die Titel noch eine weitere Dimension. Sie hebt damit Pop-Art auf eine neue Stufe, die bisweilen anstrengend ist, zugleich aber einen Sog auf den Betrachter ausübt, der dadurch zum Nachdenken über die Gegenwart angeregt wird.

„Spiele und Späße“ bietet dabei eine Spielwiese an Assoziationen und Farben. Eine lesende Prinzessin ohne Gesicht fragt einmal, in tiefes Rot getaucht, „is your God happy“ – „ist Dein Gott glücklich“. Ein anders Mal wird sie wie in einer Gebrauchsanleitung zergliedert, in Umrissen dupliziert und mit UFOs und Aliens gerahmt. Der Besucher darf sich aufgrund der gewollt primitiven Bildsprache nicht dazu hinreißen lassen, einfache Aussagen anzunehmen. „Warschau – Versammlungsort der Evakuation“ schließlich will sich nicht in historischen Bedeutungen verlieren, sondern den „Geist der Moderne erkunden“, so Zajonz, den Geist der polnischen Gegenwart: Fliegende Hirnaugen-Libellen, die einen Strahl von Freiheit über eine Stadt ergießen, Kampfjets als Randhieroglyphen und Männchen, die ihre Gehirne von Robotern ausgetauscht bekommen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. November an allen Samstagen und Sonntagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet oder auch nach Vereinbarung.

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