Danke-Tour: Lehrerin aus Remagen radelt für die Polizei

Danke-Tour : Lehrerin aus Remagen radelt für die Polizei

Gerke Minrath hat den Verein "Keine Gewalt gegen Polizisten" gegründet. Jetzt hat sie mit ihrem Fahrrad 700 Kilometer zurückgelegt, um den Beamten für ihre Arbeit zu danken.

Gerke Minrath ist pünktlich. Um 18 Uhr radelt sie – Zelt und Schlafsack, Kochgeschirr und Kleidung in den seitlichen Packtaschen verstaut – vorbildlich mit Helm geschützt auf den Hof der Polizeiinspektion Remagen. 700 Fahrrad-Kilometer liegen hinter der 48-jährigen Remagenerin, die für den von ihr gegründeten Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten“ elf Tage unterwegs war, um Menschen dafür zu sensibilisieren, die Arbeit der Polizei zu respektieren und die Arbeit der Ordnungshüter nicht zu drangsalieren.

Seit 2013 besucht Minrath Polizeistationen im Land und macht sich sachkundig. Auch für die Polizeiinspektion Remagen gilt: Die Gewalt und Aggression gegen Polizeibeamte nimmt zu. 75.000 gewalttätige Übergriffe gegen Polizisten hatte es in Deutschland im vergangenen Jahr gegeben – 200 täglich. „Auch wir sind betroffen. Es gibt zunehmend Widerstände, wenn wir unsere Arbeit verrichten“, so Guido Bambach, Dienstgruppenleiter in der Remagener Inspektion.

Er nimmt Gerke Minrath nach ihrer elftägigen „Danke-Polizei-Tour“ in Empfang, nachdem die Remagenerin zuvor unzählige Polizeiwachen in Rheinland-Pfalz und Hessen besucht hat, um Solidarität mit der Polizeiarbeit zu zeigen.

Sie selbst hat eigentlich mit Polizei wenig zu tun: Weder ist sie Polizeibeamtin, noch gibt es einen Vertreter dieser Berufsgruppe in ihrer Familie.

Die „Lobkultur“ sei in Deutschland nur wenig ausgeprägt, meint sie. Das wolle sie zumindest Polizisten gegenüber ändern. Denn deren wichtige Arbeit zum Wohle und zum Schutz der Bevölkerung sei mühsam und schwer und verdiene mehr Anerkennung. Nach Mainz und Koblenz führte sie die Tour, nach Bad Kreuznach und Lahnstein. Und das bei tropischen Temperaturen.

Mithilfe der Polizei wieder auf den richtigen Weg gelotst

Immer wieder sei sie unterwegs von Bürgern angesprochen worden – Dank ihres T-Shirts, auf dem zu lesen ist „Keine Gewalt gegen Polizisten“. Die Resonanz sei durchweg gut gewesen, berichtet sie. Und die angetroffenen Polizisten in den jeweils angesteuerten Wachen? „Die haben sich gefreut.“

Am vergangenen Dienstag musste eine Strecke von 95 Kilometern bewältigt werden. „Ich hatte den Weg schlecht eingeschätzt“, sagt sie. Zudem hatte sie sich auf ihr Fahrrad-Navi verlassen, das sie allerdings in die Irre führte. Plötzlich sei sie nur noch bergauf gefahren und landete nach langer Schotterpiste schließlich ungewollt in einem Windpark bei Bad Kreuznach.

„Ich hatte mich völlig verfahren und war körperlich am Ende. Da habe ich mich erst mal hingesetzt und nur noch geheult.“ Das war auch der Zeitpunkt, an dem sie zum ersten Mal an Aufgabe gedacht habe, dann aber ihren „inneren Schweinehund“ überwand. Mithilfe der Polizei wurde Gerke Minrath schließlich wieder auf den richtigen Weg gelotst. Mit reichlich Verspätung betrat sie – allerdings unter großem Hallo – die Bad Kreuznacher Polizeiinspektion.

Zurück zum Ausgangspunkt

Die letzte Etappe führte von Lahnstein zur Wasserschutzpolizei nach Koblenz, zur dortigen Bereitschaftspolizei, zur Wache nach Linz und schließlich zurück zum Ausgangspunkt: nach Remagen.

Dort wartet Dienstgruppenleiter Guido Bambach mit einem Eis auf die Anti-Gewalt-Botschafterin. Mit Applaus und Dank wird die Berufsschullehrerin in Empfang genommen.

Am Montag wird sie in Bad Neuenahr wieder Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft unterrichten. Bis dahin hat sie sich nämlich von den zurückliegenden Strapazen erholt.

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