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Mit Hörnern und gebleckten Zähnen: „Jungelrauschen“ in der Galerie Artspace K2

Mit Hörnern und gebleckten Zähnen : „Jungelrauschen“ in der Galerie Artspace K2

Jörg Wagner bringt „Jungelrauschen“ in die Remagener Galerie Artspace K2. Die Fläche seiner Bilder hat der aus Bonn stammende Künstler dicht "zugepflastert" mit expressiven Gestalten.

Wild wie Street Art und doch gebändigt ins galerietaugliche Bildformat, so sieht die farbenfreudige Kunst von Jörg Wagner aus, die gerade in Christoph Noebels Galerie Artspace K2 eingezogen und mit „Jungelrauschen“ recht treffend überschrieben ist. Das Wortkonstrukt, ein Mix von englisch „jungle“ (Dschungel) und dem deutschen „Rauschen“, trifft recht gut die anregend bis bedrohlich empfundene Atmosphäre, wie sie in der Großstadt wahrgenommen wird und aus Wagners Bildern herausstrahlt.

Wagner stammt aus Bonn und vollzog kurioserweise den gleichen Werdegang wie Galerist Noebel. Beide studierten Wirtschaft und waren im Bankwesen tätig, bevor sie sich ausschließlich der Kunst zuwandten.

Die Bildfläche hat der Aussteller dicht zugepflastert mit expressiven Gestalten. Die können einen das Fürchten ebenso wie das Schmunzeln lehren. Ob die Arbeiten nun „Happy Dino“ oder „Cats Catch“ heißen, die Dargestellten tragen Hörner, ihnen stehen die Haare zu Berge, sie blecken ihre riesigen, ungestalten Zähne, die manchmal hinter Gittern wie von Eishockeyhelmen stecken. Einige ähneln Robotern, andere bösen Lebkuchenmännchen. Es gibt arme Hunde und aggressive Katzen. In „Amazonas“ kommt ein Dschungelkönig mit Kopfputz daher, umgeben von Vögeln und gestützt von lauter Kopffüßlern.

Diese urbane Wildnis scheint stark von der rauen Bildsprache des US-Amerikaners Jean-Michel Basquiat beeinflusst. Christoph Noebel erkennt eine weitere Verwandtschaft in der subversiven und alternativen Kunstform „Art brut“, die Jean Dubuffet in den 1940ern ins Leben rief, als auch in der Gruppe CoBrA (1948 bis 1951), die mit „primitiven“ Bildformen neue Gegenständlichkeit ausprobierte.

Dessen ungeachtet erschafft Wagner seine Bilderwelten spontan, ohne Gestaltungsregeln zu beachten, in einem Malfluss, welcher der Intuition und den eigenen Gefühlen freien Lauf lässt.

Es besticht sein ungehobelter und leidenschaftlicher Malstil, der für die Gestalten einnimmt. Gutmütig dümmlich bis angriffslustig schauen sie aus den Bildern. In ihrer Frontalansichtigkeit liefern sie aber auch ihre Verletzlichkeit dem Betrachter aus.

Es zeigt sich, dass sie selbst derangiert und deformiert sind durch die Stadt, wo es zu viele Gesichter, Signale, Zeichen, Straßen, Häuser gibt. Derart überreizt, wurden Menschen zu Monstern. Doch besitzen Wagners Kreaturen noch viel Menschliches und eine umwerfende Vitalität.

Aus dieser Spannung von angegriffener Existenz, Gefahr und Lebensenergie trotz alledem beziehen die kraftvoll gemalten Bilder ihren Reiz. Der Künstler vermag eben geschickt mit der Lust am Grotesken und der Kritik am grotesken Leben der Moderne zu jonglieren.

Die Ausstellung in der Remagener Innenstadt, Kirchstraße 2, ist bis 31. Oktober, mittwochs bis samstags, 15 bis 18.30 Uhr, geöffnet.