Oberwinter: Ganz nach dem Geschmack der Zuhörer

Oberwinter : Ganz nach dem Geschmack der Zuhörer

Trio singt bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Oberwinter Lieder der Arbeiterbewegung.

Dass sie ausgerechnet an Karfreitag ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten, hatte sich eigentlich „einfach so ergeben“. Dennoch passte es, am Tag des Leids und der Trauer vom Kummer des „einfachen Bürgers“ zu singen. „Lieder der Arbeiterbewegung“ trugen Jan-Hendrik Schenk, Oliver Heinen und Mario Messer beim Verein Schatzkammer Oberwinter vor und trafen damit den Geschmack ihrer Zuhörer, denn das Konzert wurde auf Wunsch des Publikums noch um einige Titel erweitert. Zudem verzeichneten die Veranstalter in der Wohnzimmeratmosphäre des Schatzkammer-Domizils „volles Haus“.

Zwischen Stehlampe und funkelnder Lichterkette, Bildern an den Wänden und Büchern in Regalen, inmitten von Memorabilien und Dekorationsobjekten, neben liebevoll mit Deckchen versehenen Tischchen ließ sich das Publikum auf einem Sammelsurium an Stühlen, Sofas und Sesseln nieder und fühlte sich in der heimeligen Umgebung fast wie daheim. Die Darbietungen genossen sie ganz offensichtlich alle: vom gerade laufen könnenden Dreikäsehoch bis zum bereits ergrauten Senior, aber vor allem jene, die ungefähr so alt waren wie die Akteure selbst, also Mittzwanziger bis Mittdreißiger.

Ein Historiker, ein Psychologe und ein Informatiker, die in Bonn respektive Koblenz leben, haben schon vor Jahren zusammengefunden und wagten sich jetzt auf die Bühne mit einem Programm, das fast durchgängig chronologisch die Entwicklung des Arbeiterlieds vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert nachzeichnete.

Schenk leitete von Lied zu Lied über und lieferte zunächst eine Definition: „Was ist ein Arbeiterlied? Ein Lied, das man bei der Arbeit singt oder das von der Arbeit erzählt.“ Gesungen werde es gegen Ausbeutung, Unterdrückung und gegen die herrschende Klasse sowie für Veränderung. Schenk berichtete von Hintergründen wie der Deutschen und der Russischen Revolution, der Industriellen Revolution und der Novemberrevolution sowie von Liberalismus und Sozialismus. Der historische wie musikalische Fokus galt insbesondere Deutschland, aber auch Österreich, Italien und Chile.

„Es regiert die Welt nur Falschheit und das Geld. Der Reiche kann sich helfen, der Arme muss ins Feld“ aus dem Soldatenlied „Wo soll ich mich hinwenden“ erklang ebenso wie „Das Bundeslied“, „Mein Michel“ oder „Roter Wedding“. Das Trio sang a cappella sowie vielfach mit Gitarrenbegleitung durch Messer.

Es trug die Texte fordernd und mit Nachdruck im Stehen oder harmloseren Tons im Sitzen vor. Und das oft so, wie es sich einst Komponist Hanns Eisler auch für sein mit Bertholt Brecht entstandenes „Einheitsfrontlied“ gewünscht hatte: „einfach gesungen, keine Brüller, kein falsches militantes Geschrei. Nicht zu rasch, nicht zu langsam.“

Für den Schluss hoben sich Schenk, Heinen und Messer das Arbeiterlied schlechthin auf: „Die Internationale“. Erst sangen nur die Akteure, bei den letzten Liedern forderten sie auch zum mitsingen auf, was durchweg ankam. Und es war fast keiner, der nicht zum Finale den Refrain mitschmetterte. Vorher jedoch hatte es noch drei „Einschübe“ gegeben. Lieder, die sich das Publikum noch zusätzlich wünschte: „Die Moorsoldaten“, „Die Gedanken sind frei“ und „Der kleine Trompeter“.

Es gab noch mehr Vorschläge, was nicht nur die Akteure freute. So gebe es noch Material für ein weiteres Konzert an gleicher Stelle, wie der Vorsitzende des Vereins Schatzkammer, Asok Punnamparambil, in Aussicht stellte.