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Gedenkstätte des Friedens: Friedensmuseum in Remagen soll erhalten bleiben

Gedenkstätte des Friedens : Friedensmuseum in Remagen soll erhalten bleiben

Der Betreiberverein des Remagener Friedensmuseums soll aufgelöst werden. Dennoch glauben alle an den Erhalt des Museums in den historischen Brückentürmen. Die Stadt Remagen soll die Zukunft des Museums, das jährlich 20.000 Besucher anlockt, sichern.

Die Überreste der Brücke von Remagen sind heute eine Gedenkstätte des Friedens. Rund 20 000 Besucher kommen jährlich in das in den linksrheinischen Brückentürmen untergebrachte Museum, das eindrucksvoll die letzten Kriegstage im Rheinland, den erbitterten Kampf um die Brücke und die historische Bedeutung der Eroberung des Bauwerkes durch die Amerikaner dokumentiert.

Um vermutlich viele Monate ist der Zweite Weltkrieg verkürzt worden, da nun der westalliierte Vormarsch ungebremst und ohne nennenswertes militärisches Hindernis in das Herz des Deutschen Reichs erfolgen konnte. Im März 1945 flüchteten deutsche Soldaten, Militärfahrzeuge und Zivilisten vor den heranrückenden Amerikanern zum für sie rettenden rechtsrheinischen Rheinufer.

Das Bauwerk sollte eigentlich schnellstmöglich gesprengt werden, um den Vormarsch der aus Meckenheim heranrückenden Amerikaner zu stoppen. Gleichzeitig sollte die Brücke aber auch wegen der auf dem Rückmarsch befindlichen Wehrmacht so lange wie eben vertretbar offen gehalten werden, damit deutsche Soldaten noch auf sicheren Boden nach Erpel gelangen konnten.

Gebaut wurde die Eisenbahnbrücke 1916 bis 1918 im Ersten Weltkrieg, um Truppen an die Westfront transportieren zu können. Kaiser Wilhelm II. gab ihr den Namen „Ludendorffbrücke“ – zu Ehren des Generalquartiermeisters des Heeres, Erich Ludendorff. Statt dem Vormarsch diente sie allerdings dem Rückmarsch des deutschen Heeres. Erst 1919 endgültig fertiggestellt, wurde die Brücke in den nachfolgenden Jahrzehnten kaum genutzt.

Als Eisenbahnknotenpunkt erlebte Remagen im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Luftangriffe. Am 7. März 1945 schließlich gelang es Soldaten der 9. US-Panzerdivision, die Brücke einzunehmen. „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert“, sagte General Eisenhower, der spätere US-Präsident, als die ersten amerikanischen Truppen und Panzer über das Bauwerk rollten. Die Alliierten sprachen vom „Wunder von Remagen“: Mit der intakten Brücke hatten sie nämlich nicht gerechnet. Zehn Tage später, am 17. März, krachte die Brücke schließlich in sich zusammen und riss 30 US-Soldaten mit in den Tod. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch bereits Tausende US-Soldaten und unzählige Panzer auf die rechte Rheinseite hinübergerollt.

Jegliche Sprengversuche scheiterten

Gleich mehrere Versuche der Wehrmacht, das Bauwerk zu sprengen, waren fehlgeschlagen. Bombenangriffe der Wehrmacht, Kampfschwimmer und V2-Raketen verursachten zwar große Schäden, jedoch keine völlige Zerstörung. Die Brücke hob sich lediglich kurz an und fiel wieder in ihre Lager zurück – sie blieb intakt. Hitler tobte in Berlin. Ein „Fliegendes Standgericht“ wurde eingesetzt, um die verantwortlichen Wehrmachtsoldaten zur Rechenschaft zu ziehen.

Unter ihnen Major Hans Scheller, ein Mann, der zahlreiche Kriegseinsätze hinter sich hatte und den die Wirrungen der letzten Kriegsmonate nach Remagen verschlagen hatten. Er war der örtliche Kampfkommandant. Seine Aufgabe: die Sprengung der Ludendorffbrücke. Sie scheiterte. Wegen „Feigheit vor dem Feind“ wurde der Landshuter zum Tode verurteilt. Scheller wurde erschossen, sein Leichnam verscharrt. Als „Familie eines Verräters“ galten nun seine Angehörigen als geächtet. Erst 1967, 22 Jahre nach dem Krieg, wurde der Major rehabilitiert.

Sein Sohn Gerd gehört seit vielen Jahren dem Verein „Friedensmuseum Brücke von Remagen“ an. Es ist zum einen das schlimme Schicksal und Unrecht, das seinen Vater dort ereilte, aber auch ein waches geschichtliches Interesse, das ihn zum Mitmachen in dem Verein bewegt, der sich in den vergangenen Monaten einigen Turbulenzen ausgesetzt sah.

Remagens ehemaliger Bürgermeister Hans Peter Kürten, inzwischen 89 Jahre alt, hatte das Friedensmuseum 1980 gegründet. Zunächst war die Gedenkstätte unter den Fittichen der Stadt, bereits 1981 wurde jedoch ein Förderverein gegründet, der seither als Museumsbetreiber fungiert. Kürten hatte die durchaus pfiffige Idee, die nach dem Einsturz der Brücke in die Rheinfluten hinabgestürzten und die Schifffahrt behindernden Steine zu Geld zu machen. In Acryl verschweißt wurden die aus Basaltquadern herausgeschlagenen Steinchen verkauft. Rund 100 000 Mark kamen so als Startkapital für das Museum zusammen.

Streit um Vereinsvorsitz

Kürten wurde Vorsitzender des Vereins, 1997 komplettierte Frank Cornely den Vorstand als ebenfalls alleinvertretungsberechtigter Vorsitzender. Der hochbetagte Remagener Alt-Bürgermeister sieht sich bereits seit einigen Monaten nicht mehr in der Lage, die Vereinigung zu führen. Es begann ein interner Streit um die Nachfolge des Vereinschefs. Cornely: „Ich habe schon vor zehn Jahren gesagt, dass ich es nicht mache.“

Kürten favorisierte eine Übertragung des Vereins an die Stadt Remagen, die das Museum in ihre Obhut nehmen solle. Cornely und andere Vorstandsmitglieder waren davon nicht begeistert. Die Folge: Es kam zu einer Auflösungsversammlung. Die Mehrheit der rund 80 Mitglieder stimmte für die Liquidation des Vereins.

Ziel: Die Stadt soll die Zukunft des kleinen Museums, das jährlich immerhin 20 000 Besucher anlockt, sichern. Formfehler führten schließlich dazu, dass die Versammlung Monate später wiederholt werden musste. In der Zwischenzeit gab es einen wahren Mitgliederboom: Zur zweiten Auflösungsversammlung gab es plötzlich mehr als 100 Vereinsmitglieder. Cornely schüttelt da auch im Rückblick nur ungläubig den Kopf: „Die sind eingetreten, um den Verein aufzulösen.“

Mit einem eindeutigen Votum wurde der Beschluss der ersten Versammlung bestätigt – wenngleich Cornely auch hier wieder seiner Ansicht nach Formfehler gefunden hat, von denen er glaubt, dass das Vereinsregister führende Amtsgericht diese formalen Mängel nicht so ohne weiteres durchgehen lassen kann. „Abwarten“, so der Mit-Vorsitzende und Kassenwart. Er und Scheller erwarten nun von der Stadt ein Konzept, wie das Friedensmuseum weitergeführt werden kann. Die erst kürzlich im GA veröffentlichte Idee, gemeinsam mit dem Erpeler Verein „Ad Erpelle“ eine Rhein übergreifende Stiftung zu gründen, finden sowohl Scheller als auch Cornely interessant und vielversprechend.

Die neun Mitarbeiter des Museums sowie die ehrenamtlich tätigen Kräfte wollen gerne eine baldige Entscheidung. „Hier hängt ja viel Herzblut drin“, erklärt Cornely. Das kann man dem Museum an allen Ecken und Enden ansehen: Zahlreiche Bilder aus den letzten Kriegstagen mit interessanten Erklärungen hängen an den weiß verputzten Innenwänden der Brückentürme. Ausschnitte aus Zeitschriften wie „The Stars and Stripes“ oder „Le Pariote Illustré“ können nachgelesen werden. So auch „Yank“ – The Army Weekly“, die am 3. April 1945 ein Foto der „Ludendorff Bridge“ zeigte und titelte: „The Accidental Crossing of the Rhine at Remagen“.

Düsteres Kapitel deutscher Geschichte

Der „Kölnische Kurier“ berichtete in einer gerahmten Ausgabe vom 2. April 1945 vom „Befehl Eisenhowers an die Wehrmacht“, vergilbte Einberufungsbefehle, „Kriegsbeorderungen“, Wehrmachtsutensilien wie Uniformen, Helme, Kappen oder Gasmasken, Fotos von Kampfschwimmerausrüstungen, abgeworfene Flugblätter mit der Aufschrift „Denk bei jeder Bombe dran: Diesen Krieg fing Hitler an!“ sind zu sehen.

Briefe von Soldaten an ihre Liebsten, geschriebene Befehle, Blechnäpfe oder Erkennungsmarken: Wer das Museum besucht, taucht in ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte ein. „Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn gibst“, steht auf einer Tafel am Eingang geschrieben – von einem Schüler formuliert.

Cornely und seine Mitstreiter wollen alles dransetzen, die Gedenkstätte zu erhalten. Nach dem Motto: „Lasset uns jeden Tag mit Herz und Verstand für den Frieden arbeiten. Beginne jeder bei sich selbst.“