Irische Tänzer in Remagen: Fordernde Fußarbeit

Irische Tänzer in Remagen : Fordernde Fußarbeit

„The spirit of Ireland“ begeisterte mit Livemusik und lautlosen genauso wie donnernden Steps auf der Bühne der Remagener Rheinhalle. 500 Zuschauer waren von der hohen Kunst des Tanzens begeistert.

. Das sanfte Fiddelspiel am Anfang stand in krassem Gegensatz zu den donnernden Steps, die wenige Minuten später das Gehör der rund 500 Zuschauer bei „The spirit of Ireland“ in der Remagener Rheinhalle auf die Probe stellten. Als die Tänzer das Podium enterten, nahm die Musik Fahrt auf und traktierte das Knallen der Metallplatten unter den Schuhen der Akteure auf dem Hallenboden das Trommelfell. Sofort war das Publikum dennoch im Sog des Geists der Grünen Insel und immer dann besonders angetan, wenn die vier Tänzerinnen und drei Tänzer scheinbar schwerelos vom Boden abhoben, synchron ihre Füße fliegen oder die Sohlen auf dem Bühnenparkett donnern ließen.

Als Kulisse genügten im Wesentlichen zwei Banner mit keltischen Mustern und drei Lichtsäulen, die jeweils anders farbig angestrahlt wurden und für wechselnde Beleuchtung sorgten. Im Zentrum der Bühne saßen die ganze Show über die vier Livemusiker Kevin Murphy (Musikalische Leitung, Akkordeon, Bodhran), Cormac Crummey (Keyboard), Conor Broderick (Gitarre) und Daniel Hunter (Geige), die auch solistisch in Erscheinung traten. Davor entzündeten das tänzerische Feuer Choreograf und Dance Captain Andrew Vickers und die weibliche Haupttänzerin Donna Durrack sowie Erin Kuncaitis, Nerissa Shea, Darragh Hurley, Sean Hanafin und Chris Copeland. Dass ein Tänzer wegen einer Verletzung in Remagen nicht dabei sein konnte, fiel bei der Show nicht auf.

Nachdem es tänzerisch mal wieder besonders hoch hergegangen war, sorgte Deidre Ni Fheraghail mit ihren oft sehnsuchtsvollen Balladen für eine Atempause. Bei ihrem „Oh Danny boy“ oder auch „Black is he color of my true love’s hair“ lauschten die Zuhörer andächtig. Das war anders, als das Publikum aufgefordert war, kollektiv respektive im Wechsel zwischen der einen oder der anderen Zuschauerseite mitzuklatschen oder dann, wenn es mal wieder einen Zwischenapplaus gab. Letzteres war besonders dann der Fall, wenn Vickers temperamentvoll Bein- und Fußakrobatik zeigte oder Durrack ganz allein im wehenden Kleid lautlos und elfenhaft übers Parkett glitt oder hüpfte.

Bewusst erzähle „The spirit of Ireland“ keine Geschichte und werde auch die Musik live dargeboten, erklärte der Kölner Tourneeveranstalter Michael Schweiger. Der Schwerpunkt lag ganz auf Gesangs- und Instrumentalstücken, darunter auch gälische Lieder und Eigenkompositionen sowie den traditionellen Tänzen Jig, Reel oder Hornpipe. Lieferten sich zuweilen die Tänzer mit Unterstützung des Publikums einen dynamischen Wettstreit um Tempo, Takt und Technik, war es auch einmal der Bodhran-Spieler, der sich mit dem Trommelschlägel auf einen Wettkampf mit einem Tänzer einließ, wobei überraschte, dass auch der Instrumentalist die Schritte des irischen Tanzes beherrschte.

Es war die letzte Produktion des im Dezember verstorbenen Michael Carr, und der Abend in Remagen auch der letzte von 75 Auftritten bei der seit Anfang Januar dauernden Deutschlandtour. Zum Tourneeabschluss schienen es die Akteure noch mal allen beweisen zu wollen und demonstrierten bis zum letzten Moment Kraft, Anmut und Kondition in aufrechter Haltung, bei weitgehend unbewegtem Oberkörper, in wechselnden Formationen.

Immer wieder brach bestätigender Jubel im Publikum aus, dem oftmals Hören und Sehen verging, weil die Tänzer stakkatohaft oder völlig geräuschlos über das Parkett wirbelten, und die Zuhörer manchmal gar nicht so schnell gucken konnten wie sie das taten. Als am Ende Dunst aufzog, war das nicht den Sohlen der Akteure geschuldet sondern dem Bühnennebel, aber Atem für eine weitere fordernde Fußarbeit bei der Zugabe hatten die Tänzer dennoch.