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Oedinger patrouillieren: Die Bürgerstreife ist keine Bürgerwehr

Oedinger patrouillieren : Die Bürgerstreife ist keine Bürgerwehr

Im westlichsten Ortsteil von Remagen hat sich eine Bürgerstreife formiert. Rund 30 Oedinger patrouillieren seit einigen Wochen die Straßen entlang ihrer neu gebauten Einfamilienhäuser an Finkenweg und Amselweg. Direkt am Feld gelegen war die Siedlung in den vergangenen zwei Jahren vier Mal zum Ziel von Einbrechern geworden. Damit soll Schluss sein.

Mit Warnwesten und Taschenlampen ausgerüstet, gehen die Anwohner in den Abendstunden paarweise von Haus zu Haus, leuchten in die Gärten, beobachten Ungewöhnliches und achten auf die Grundstücke von Urlaubern. Stellen sie etwas Verdächtiges fest, informieren sie die Gruppe per Nachrichten-App im Smartphone, sprechen Unbekannte an oder rufen die Polizei. "Wir wollen Präsenz zeigen und nötigenfalls alarmieren", erklärt Holger Kowalewski von der Bürgerstreife.

Geführt wird die Initiative von einem amerikanischen Soldaten. Auch wenn in dessen Fenster ein Schild mit der Abbildung einer Waffe und der englischen Entsprechung der Warnung "Wenn Sie das lesen können, sind Sie in Reichweite" hängt, legt die Initiative Wert darauf, nicht aggressiv aufzutreten. Man wolle sich auch nicht als "Bürgerwehr" bezeichnen. "Das Monopol der Gewaltanwendung liegt in jedem Fall bei der Polizei", so Kowalewski.

Natürlich würden sich die Anwohner über mehr Polizeipräsenz freuen. "Bei der Weitläufigkeit des Stadtgebiets wäre es aber unfair, das von der Polizei zu verlangen", findet Katharina Riexen, die selbst mitpatrouilliert. Das Verhältnis zu den Ordnungshütern ist gut: Nach dem ersten Einbruch im letzten Jahr beriet ein Beamter der Koblenzer Präventionsstelle die Anwohner einzeln in ihren Häusern zu individiuellen Sicherheitsmaßnahmen. Auch die Remagener Polizeiinspektion befürwortet die Initiative. Solange keiner übermütig werde, sei das eine gute Sache und passe gut ins polizeiliche Konzept des "wachsamen Nachbarn", sagte der designierte Dienststellenleiter Ralf Schomisch dem General-Anzeiger auf Anfrage.

Die Zahl der Einbrüche in Privathäuser im Gesamtgebiet der Polizeiinspektion Remagen (Städte Remagen und Sinzig, Verbandsgemeinden Bad Breisig und Brohltal ohne die Ortsgemeinden Schalkenbach, Königsfeld, Spessart, Kempenich, Weibern und Hohenleimbach) wird 2015 dabei voraussichtlich niedriger liegen als 2014, prognostiziert Schomisch. Zwischen Januar und Ende Oktober dieses Jahres sind 107 Einbrüche verübt worden, im Vorjahreszeitraum waren es hingegen 132.

Bereits im letzten Jahr hatten sich die ersten Oedinger zu einer lockeren Streife zusammengefunden und damit ähnliche Initiativen in Grafschaft-Esch und Gelsdorf fortgesetzt. Die "Streife Finkenweg und Amselweg" würde sich über weiteren Zuwachs freuen. "Je mehr mitmachen - sei es auch nur einmal die Woche -, desto seltener braucht der Eeinzelne gehen", erklärt Katharina Riexen. Die Patientenbetreuerin wollte als Kind einmal Polizistin werden und geht heute jede Woche zwei bis drei Mal den Streifenweg. Sie fühlt sich gut dabei. Nicht zuletzt stärke die Nachbarschaftswache den Zusammenhalt der Anwohner.