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"Modern Art Showroom": Dem Mottendasein entrissen

"Modern Art Showroom" : Dem Mottendasein entrissen

"Sie befinden sich in einer magischen Kammer, das Ganze ist geprägt von Heilkräften, Zauberformeln, Hexeneinmaleins, alles, was starke Wirkung verspricht". Wie im Varieté fühlten sich die Gäste, als Almuth Leib vom Betreiberquartett der Galerie M.A.SH. Modern Art Showroom Kurt Girnsteins Ausstellung "Zeichensprache" eröffnete.

Girnstein, geboren 1954 in Neustadt/Wied und wohnhaft in Bad Honnef, studierte Kunst und Kunstpädagogik in Bonn und Köln. Neben haupterwerblichen Tätigkeiten hat er immer wieder künstlerisch gearbeitet, zuletzt im Bereich Fotografie. Indes schwenkt er nun nicht zu einer Kulturhistorie der Zauberei um. Doch angezogen von den verrätselten Botschaften und magischen Vorstellungen früherer Zeiten, entsann er sich für die kurzfristig geplante Präsentation im Showroom eigener alter Entwürfe "auf Zettelchen, Fahrkarten, der berühmten Serviette im Café". Er arbeitete sie mittels Malerei und Collagen aus, um die zu Unrecht in Bibliotheken vergrabenen geheimen Zeichen "aus ihrem Mottendasein zu erwecken".

Etwa die seit der Antike bekannte schützende Sator-Formel. In ein Quadrat eingetragen, lässt sie sich zeilen- und spaltenweise lesen und ergibt sogar rückwärts den gleichen Wortlaut, womit sie zu den Palindromen unter den magischen Quadraten gehört. Solche Anordnungen galten als wirkmächtiger Zauber gegen Dämonen. Man glaubte, die Eigenschaft verhindere, den Zauber durch Rückwärtslesen außer Kraft setzen zu können. Während Girnstein dies kalligrafisch illustriert, übersetzt er das vierstellige Quadrat in Albert Dürers berühmten Stich "Melencolia I" von 1514 in eine Collage aus grober Leinwand. Aus Dürers Zahlen, die waagerecht, senkrecht und diagonal die Ziffernsumme 34 ergeben, hat er teils farbige Flächen entwickelt, die kernig wie Rauputz auf hellblauem Untergrund stehen.

Überhaupt beweist er ein Händchen fürs Material. Wenn er die fünf Buchstaben des "Abrakadabra" in der Geheimschrift des Universalgelehrten Giambattista della Porta auf Stoff druckt, variiert er die Farbstärke, so dass die Stoffstrukturen partiell reizvolle Muster ausbilden. Stofflich ebenfalls gelungen: das große, helle Format "Alchimia", ganz in edlen Naturtönen, für das Leinwand, Karton, Wellpappe und Kartonkrepp zum Einsatz kamen. In "Alchimia" zeigt die Kunst zugleich Witz. Girnstein hat schlitzohrig die gebräuchlichsten alchemistischen Zeichen verwendet, um ein Biskuit-Rezept von 1880 darzustellen. "Nimm einen Tiegel, vermische vier Eiweiß, fünf Unzen Zucker..." las er die gar nicht mysteriöse Anleitung vor.

Die Ausstellung in der Kirchstraße 25 ist bis zum 26. Januar geöffnet: samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0174/2003030.