Tag der Demokratie: Bürger setzen in Remagen ein deutliches Zeichen gegen Rechts

Tag der Demokratie : Bürger setzen in Remagen ein deutliches Zeichen gegen Rechts

Bürger feiern auf dem Marktplatz und setzen ein deutliches Zeichen gegen Rechts. Die "Räuber" und die "Paveier" setzen mit 500 Menschen in der Innenstadt Akzente gegen Geschichtsverfälschungen. Minister und Bürgermeister mahnen für Frieden und Freiheit.

Mit dem „Tag der Demokratie“ hat die Stadt Remagen dem sogenannten Trauermarsch der Neonazis zum ehemaligen Kriegsgefangenenlager auf den Rheinwiesen auch in diesem Jahr ein deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz entgegengesetzt. Während die Stadt Remagen und die Kulturwerkstatt unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rechts“ zum Marktplatz einlud, hatte sich auch der Rhein-Ahr-Campus erstmals mit einem bunten Programm an dem friedlichen Protest gegen die rechten Störenfriede beteiligt.

Die Befürchtung, dass sich die beiden Veranstaltung gegenseitig die Besucher streitig machen könnten, ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Während der Tag der Demokratie mit Konzerten der Kölner Bands „De Räuber“ und „Paveier“ rund 500 Menschen auf den Marktplatz gelockt hat, schauten etwa 250 Besucher beim Friedensfest an der Fachhochschule vorbei. Dass die Aufteilung nicht unumstritten ist, machte indes Bürgermeister Herbert Georgi in seiner Ansprache auf dem Marktplatz deutlich.

„Dass aus dem Brauch des Tages der Demokratie keine Routine geworden ist, erkennt man daran, dass einige von denen, die in den Vorjahren mit uns gefeiert haben, am Rhein-Ahr-Campus etwas Neues probieren wollen“, erklärte Georgi.

Der Bürgermeister dankte ausdrücklich dem Beigeordneten Rolf Plewa und Tourismuschef Marcel Möcking, die dafür sorgten, dass der „Marktplatz unseren Bürgern, unserer Stadt und unseren friedlichen Gästen gehört“. „Wer nicht will, dass unser altes Stadtzentrum von braunem Pöbel überschwemmt wird und im November hier nicht eines Tages braune Fahnen wehen, sollte hier mit uns Geschlossenheit zeigen“, so das Stadtoberhaupt.

Während zur Einstimmung die Bigband des Nonnenwerther Gymnasiums aufspielte, sorgten die Räuber und die Paveier auf dem rappelvollen Platz für ausgelassene Stimmung. Dazwischen sprachen Landrat Jürgen Pföhler und Landesinnenminister Roger Lewentz, der später auch am Rhein-Ahr-Campus vorbeischaute. „Ich will mir unser demokratisches Land nicht kaputtmachen lassen. Deshalb ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, heute als Vertreter der Landesregierung hier zu sein“, betonte Lewentz.

„Heute ziehen braune Banden durch die Stadt. Das akzeptieren wir nicht und deshalb gehen wir für Demokratie auf die Straße“, unterstrich der Minister. Denn Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit. „Es ist ein Trauerspiel, dass Neonazis, Ewiggestrige und Verwirrte hier in Remagen wieder ihr Spektakel abziehen“, meinte auch Landrat Jürgen Pföhler. Umso wichtiger sei es, „Flagge zu zeigen und unsere Freiheit zu verteidigen“.

Ausrichter des Tages der Demokratie in der Fachhochschule war das Referat Politik des AStA Remagen, das in Kooperation mit dem Bündnis für Frieden und Demokratie in Remagen ein ebenso buntes wie vielfältiges Programm zusammengestellt hat. So beteiligten sich 25 Personen am „Lauf der Demokratie“. Stephan Glöckler sorgte für musikalische Unterhaltung und zum Abschluss gab es einen Poetry Slam-Wettbewerb mit bekannten Szenegrößen.

Die Infomeile des Bündnisses umfasste diesmal 17 Stände. Das Rhein-Gymnasium Sinzig verkaufte „Brownies gegen Braunies“. Die Kreisvolkshochschule gewährte Einblick in eine Deutschstunde für Migranten. Der Jugendbahnhof Remagen warb um einen Daumenabdruck für Vielfalt. Der Ethikkurs der neunten Klasse der Sinziger Barbarossaschule bat zum Friedensquiz und die Schüler der Realschule in Remagen war mit der Aktion Friedenstaube mit von der Partie.

Bei seinem Rundgang verewigte sich Landesinnenminister Lewentz auf einer bunten Emoji-Tafel und beteiligte sich an einer Kunstaktion des HoT Sinzig. Neben dem Minister sprach unter anderem auch der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz, Jacques Delfeld.

„Es war ein gelungenes und friedliches Fest“, resümierte Rorbert Schmidt vom AStA. Und der Präsident der Hochschule Koblenz, Kristian Bosselmann-Cyran, lobte, dass es den Studierenden gelungen sei, den Tag der Demokratie um einen neuen Aspekt zu bereichern. Nämlich zu zeigen, dass die Hochschule ihrem Auftrag gerecht werde, für politische Bildung einzustehen und die Studierende bestärke, die Demokratie zu verteidigen.

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