Eine Ziege für den Schulmeister: Ausstellung zeigt die Geschichte der Oberwinterer Schulen

Eine Ziege für den Schulmeister : Ausstellung zeigt die Geschichte der Oberwinterer Schulen

Die Ausstellung „Mit Tafel, Schwamm und Kreide“ ist an diesem Wochenende nochmals im alten Rathaus Oberwinter zu sehen. In der Schau geht es um die 1587 beginnende Geschichte der Oberwinterer Schulen.

Volles Haus herrschte bei der Präsentation der Ausstellung „Mit Tafel, Schwamm und Kreide“ im alten Rathaus Oberwinter. Unter den Besuchern begrüßte der Vorsitzende des Rathausvereins, Hans Metternich, auch Ortsvorsteherin Angela Linden-Berresheim, bevor Hans Atzler, Autor der Schrift zur Ausstellung, auf die 1587 beginnende Geschichte der Oberwinterer Schulen zurückblickte.

Seit 1640 existierten im Ort eine evangelische und eine katholische Schule. Immer wieder gab es Streit, wer welche Räume für den Unterricht nutzen durfte. Erst ein kurfürstlicher Erlass von 1724 setzte dem ein Ende. Seither fand der Schulunterricht für beide Konfessionen im Bürgerhaus statt, Vorgängerbau des alten Rathauses.

Gemessen an dem, was die Schulmeister damals leisteten, war die Bezahlung mager. Neben dem Unterricht hatten sie meist Küsteraufgaben zu übernehmen und auch nach Schulschluss über den Lebenswandel ihrer Schützlinge zu wachen. Deshalb wurde ihnen als Anreiz neben einer „Wohnung“ – oft nur ein Zimmer – eine „Beamtenkuh“, also eine Ziege, gestellt.

In preußischer Zeit nahm der Staat mehr Einfluss auf das Schulwesen. Die Situation der Lehrer verbesserte sich, aber der konfessionell getrennte Unterricht war bis 1964 die Regel. Mindestens so lange spielten die gezeigten „Züchtigungsgeräte“ eine Rolle, woran sich einige Besucher schmerzhaft erinnerten.

Eine schöne Anekdote aus seiner Schulzeit lieferte Heribert Etscheid. Beim Musizieren schraubte ein Lehrer, der im Krieg einen Arm verloren hatte, eine Seite des Akkordeons mit einer Schraubzwinge am Stuhl fest und spielte das Instrument mit dem gesunden Arm. Als zwei Schüler fortwährend den Unterricht störten, hielt es ihn nicht mehr auf dem Stuhl. Er sprang auf, vergaß das Akkordeon abzulegen und so blieb eine Hälfte davon am Stuhl hängen. Sodann widmeten sich die Gäste den alten Klassenfotos, um vielleicht ein Familienmitglied zu entdecken, was nicht ohne entsprechende Kommentare und Diskussionen abging.

Beim Sommerfest am sonnigen Folgetag füllte sich der Rathausgarten. Die Besucher genossen Kaffee und Kuchen, allem voran frische „Prummetaat“ von Jüppi Dreiling aus dem vereinseigenen Backes. Der Renner unter dem Guten vom Grill war Jürgen Walbröls frische Bratwurst, die vor Ort in die Därme gepresst wurde und sofort auf dem Rost landete. Im Garten besichtigten die Besucher auch die Maschinen aus der Schlosserei Gottschalk, die mit Hilfe der Junggesellen Heinz Holthoff, Manfred Drodten, Carsten Monjau und Thomas Schlemmer in die Remise geschafft worden waren. Zudem sah man die aus einer Wegefläche des Friedhofs geborgene Grabplatte aus dem 18. Jahrhundert, deren Bruchstücke Jörg Diwo wieder zusammenfügen konnte. Am Abend animierte Musiker Peter Struben aus Schmidt᠆heim mit Liedern aus den 1970ern zum Tanz. Aber erst um Mitternacht fand das gelungene Sommerfest ein Ende.

Wer die Geschichte der Schulen in Oberwinter nachlesen möchte, erhält das Heft für 6,50 Euro in Remagen in Hauffes Buchhandlung und in Oberwinter in Lenes Café.

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