Retrospektive in der Galerie Rosemarie Bassi: Analyse und Spiel mit der Illusion

Retrospektive in der Galerie Rosemarie Bassi : Analyse und Spiel mit der Illusion

"Jemand muss rufen, damit es aus dem Wald schallt, deshalb danken wir Rosemarie Bassi, dass sie uns so herrliche Künstler beschert." Das Lob des Ersten Beigeordneten Rolf Plewa galt Galeristin Bassi, die zur Vernissage der 20. Folge von "Europe Art Now" eingeladen hatte und dem österreichischen Maler Gerhard Gutruf, dem sie die große Retrospektive mit Ölbildern, Aquarellen, Zeichnungen, Studien und Druckgrafik ausrichtet.

Auch Jürgen Em, Präsident der Österreichischen Gesellschaft Bonn und Schirmherr der Ausstellung, betonte: "Sie baut kulturelle Brücken von Österreich nach Deutschland."

Ihr jüngster Brückenschlag führt mit dem gebürtigen Burgenländer, der an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte und in Wien und Baden lebt, zu einem, der sich als Einzelgänger in der internationalen Kunstszene sieht. "Expressiv und körperbetont" gehe es heute zu: "Ich bin mehr intellektuell und mit der Kunstgeschichte befasst unterwegs", erklärt Gutruf.

Wohl wahr, wie "Kleine Variationen nach großen Meistern" zeigen. Die 30 Preziosen in Öl auf Büttenpapier bezeugen sowohl das Verständnis berühmter Vorgänger wie Rubens, Velazquez, Dürer und Cezanne, als auch des Malers Potenzial zu neuer Ausdeutung.

Am intensivsten und geradezu wissenschaftlich befasst hat er sich mit dem Niederländer Jan Vermeer. Die Staffelung des Bildraums, die Genese seiner Kompositionen faszinieren Gutruf, dessen eigene Bilderwelten sich aus utopischen Ideen speisen und dem fruchtbaren Zugriff auf zentrale Motive europäischer Kunst.

Drei große Gemälde in der Ausstellung gehen von Vermeers bekanntem Werk "Die Malkunst" aus. Darin, so erläuterte Gutruf den Galeriegästen, lasse sich auf allegorischer Ebene lesen: "Die Malerei (verkörpert durch den Maler) ist der Ruhm (die Muse Klio) Hollands (Große Wandkarte mit den Provinzen). In Gutrufs Version fehlen Maler und Modell, was Platz schafft für ein Bild im Bild auf der Staffelei: Ein Panzerangriff ist zu sehen und im Vordergrund, fast im Schwarz-Weiß-Schachbrettmuster des Fußbodens aufgehend, ein Teil eines Aktes. Die neue, nun sozialpolitische Botschaft des Bildes lautet: "Die Liebe überwindet die Gräuel der Vernichtung".

Allenthalben waltet Kalkül und Verwandlung in Gutrufs Arbeiten. Die Gattung des Stilllebens nutzt er zur Inszenierung unüblicher Motive. Vielansichtige Papierschachteln, technisches Gerät, so Messinstrumente und Bohrer, haben ihren großen Auftritt. Oft adeln bildinterne gemalte Passepartouts das eingelassene Motiv.

Spannender noch, kippen bei Gutruf Stillleben in Landschaften, wenn Bohrer Felsmassiven ähneln oder ein Messinstrument Architekturcharakter annimmt. Sein "Interieur mit Akt und Helikoptern" flackert in Wahrheit, dem Spiel mit der Illusion geschuldet, zwischen drinnen und draußen. Der Akt lagert erdig und kantig wie ein Höhenzug, aber die mit Reißzwecken angeheftete Heli-Zeichnung definiert das vermeintliche Himmelsgrau als Tapete.

Unter anderem sind als Resultate intensiver Studien zum Kolosseum, das der Künstler als "vollkommenste Verkörperung Roms" empfindet, großartige Bildwerke in Mischtechnik entstanden, die trotz ihrer Komplexität herrlich frisch und durchlüftet wirken.

Die Ausstellung in der Marktstraße 109 ist geöffnet mittwochs bis sonntags, 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung, 0 26 42/99 42 66.