Eröffnung in Rolandseck: Ahrweiler Freiheitswochen starteten im Arp Museum

Eröffnung in Rolandseck : Ahrweiler Freiheitswochen starteten im Arp Museum

Die festliche Eröffnung der vierten Ahrweiler Freiheitswochen fand im Arp Museum statt. Mit dabei war auch der Botschafter von Malta.

„Unsere Zukunft ist Europa – eine andere haben wir nicht!“ Beim Zitat des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher, dem ersten Preisträger der Ahrweiler Freiheitswochen, trafen sich die Blicke von Guido Orthen und Barbara Genscher. Die Witwe, die 2016 den Preis erst nach dem Tod ihres Mannes entgegennehmen konnte, saß bei der festlichen Eröffnung der vierten Ahrweiler Freiheitswochen im Arp Museum in der ersten Reihe, um ihre Verbundenheit zum Projekt für Frieden, Freiheit, Toleranz und Dialog auszudrücken.

Brexit, Rechtspopulismus, nationalstaatliche Egoismen und nicht zuletzt die im Mai anstehende Europawahl waren für den Freiheiter-Förderverein um Horst Gies Anlass genug, die bis 31. März andauernden Ahrweiler Freiheitswochen unter das Motto „Zukunft Europa“ zu stellen. Immens wichtig ist dabei den Organisatoren um Projektleiter Wolfgang Grambs die Einbindung der Jugend – diesmal in Form eines internationalen Camps und eines Schülerwettbewerbs.

Freiheitskämpfer und Dadaist Hans Arp

Mittlerweile ist das Arp Museum zur guten Stube der Auftakt-Veranstaltung geworden. Bei einer Führung machte sich Schirmherr Albert Friggieri, Botschafter der Republik Malta, mit seiner Frau Catherine Noelie, ein Bild von dem spektakulären Richard-Meier-Gebäude und den Ausstellungen. Wohl wissend, dass auch Hans Arp als Dadaist immer für die Freiheit gekämpft hat.

Dass die Eröffnung nicht zu einem steifen Festakt verkam, sondern das Kunstwort „Frei“ und „Heiter“ mit Leben erfüllt wurde, dafür sorgten auf der einen Seite der Bonner Singer-Songwriter Daniel Bongart & „Friends“ mit gefühlvollen Songs, andererseits Moderator und Autor Gregor Schürer aus Heimersheim. Er hatte doch tatsächlich vor Monaten unangemeldet an die Tür der maltesischen Botschaft in Berlin geklopft und um Einlass gebeten. „Er sieht nicht gefährlich aus“, teilte ein Angestellter dem Botschafter mit und so kam das erste Gespräch zwischen Schirmherr und Moderator zustande.

Friggieri erzählte, dass er in Heidelberg studiert habe und 50 deutsche Volkslieder beherrscht. Dass er neben vier anderen Sprachen Deutsch fließend spricht, davon konnte sich dann das Auditorium in Rolandseck überzeugen. Eindringlich forderte der Botschafter jeden einzelnen dazu auf, Anstrengungen zu unternehmen, um Europa weiterzuentwickeln und die derzeitigen Differenzen zu entschärfen. „Unsere Kinder und Enkel sollen nicht von unserer Generation sagen, dass wir Frieden, Freiheit und Freundschaft aus purem Zentralismus zerstört haben“, so Friggieri. Allein durch die demografische Entwicklung – heute machen die gut 500 Millionen Menschen der EU acht Prozent der Weltbevölkerung aus, 2050 schon nur noch fünf Prozent – verliere Europa an Bedeutung. „Die Welt wächst, Europa schrumpft. Wir müssen uns zusammenraufen, sonst spielen wir keine Rolle mehr“, erklärte der Schirmherr.

Friedensprojekt EU hat treibende Kraft verloren

Die Europäische Union als Friedensprojekt der Gründerväter – gepuscht in seinem Optimismus durch Mauerfall und Öffnung gen Osten – scheine seine treibende Kraft verloren zu haben. „Das Brexit-Referendum war eine Katastrophe. Das 'Ich zuerst' gedeiht, weil Menschen sich bedroht fühlen. Zwar hat die Globalisierung eine Milliarde Menschen aus der Armut befreit, aber auch viele Verlierer zurückgelassen“, so Friggieri. Daher suchten viele nach einfachen Antworten. „Wir müssen Anstrengungen unternehmen, um Arbeitslosen, Armen und von sozialer Abgrenzung Bedrohten, denen im Alltag die komplexen Strukturen der EU weit entfernt und nutzlos erscheinen, Chancen zu eröffnen“, schloss der Schirmherr.

Einen nicht minder flammenden Appell für Europa hatte 1946 Winston Churchill gehalten: „Lassen Sie Europa entstehen.“ „Ausgerechnet ein britischer Premierminister, das kommt im Angesicht des Brexits fast schon einem Treppenwitz der Geschichte gleich“, fand Moderator Schürer. Er bat Horst Gies ans Mikrofon, verlas aber auch ein Grußwort von Klaus Töpfer, der vor zwei Jahren Schirmherr der Veranstaltungsreihe war. „Wir müssen unsere Anliegen in die junge Generation tragen, die Gott sei Dank noch keinen Krieg erlebt hat. Wir brauchen den Dialog, um in Zeiten, in denen alles mehr und mehr auseinanderdriftet, die Gesellschaft stabilisieren zu können“, fand Fördervereins-Vorsitzender Gies.

Kreisstadt-Bürgermeister Orthen, der auch dem Beirat der Freiheiter vorsteht, fragte die Gäste: „Geht das, ein deutscher Europäer und ein europäischer Deutscher zu sein?“

Europa nicht nur auf die Wirtschaft reduzieren

Die eindeutige Antwort: „Nur wer seine Wurzeln kennt und sie bejaht, vermag auch zu einer größeren Einheit 'Ja' zu sagen.“ Die EU brauche mehr „Europa von unten“, in dem die Bürger nicht als Konsumenten, sondern als mitverantwortliche Produzenten des europäischen Projektes agierten. Fatal sei es, Europa nur auf Wirtschaftsfragen zu reduzieren, denn dann sei der Boden für „Me first“ statt „Together forever“ geebnet. Orthen: „Die, die die EU nur als Wirtschaftsunion schätzen, gehen auch innerstaatlich den Weg, freiheitliche Grundwerte in Frage zu stellen. Dieser Kontinent war der Kontinent der Kriege. Die EU ist das Freiheitsprojekt schlechthin.“

Wie wichtig im Kampf um Frieden und Freiheit das Mitnehmen der jungen Generation ist, unterstrich Remagens Beigeordneter Rolf Plewa. „Seit 2009 ziehen einmal im Jahr braune Dumpfbacken durch Remagen. Ihnen setzen wir unter Beteiligung auch der Ahrweiler Freiheiter den Tag der Demokratie entgegen.“ Den Abend schloss Schürer mit einem selbst verfassten Gedicht über Europa ab. Darin heißt es: „Europa ist alles, mehr haben wir nicht. Drum nehme sich jeder selbst in die Pflicht. Nur dann ist Rettung in Sicht.“

Mehr Informationen zum Programm findet man auf der Homepage der "Ahrweiler Freiheitswochen".

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