Ensemble Chi La Galliarda singt und spielt von Liebe, Melancholie und Wahnsinn: Musikalische Huldigung der Einsamkeit

Ensemble Chi La Galliarda singt und spielt von Liebe, Melancholie und Wahnsinn : Musikalische Huldigung der Einsamkeit

Erst verstummte der Gesang, dann die Flöte und schließlich die Gitarre. Dafür gab es dann unisono von den drei Akteuren einen schmatzenden Kuss fürs Publikum. Und das schon am Anfang des Konzerts, so wie es die Vorlage aus dem 17. Jahrhundert vorsah. Am Ende war es dann am Publikum, dem Ensemble Chi La Galliarda seine Zuneigung auszudrücken.

Viel Applaus gab es für ein vielschichtiges Konzert mit ebenso innigen wie beschwingten Tönen und immer wieder überraschenden Akzenten.

Miriam Deres (Gesang), Irmgard Morschhausen (Flöten) und Johannes Morschhausen (Gitarren) überzeugten im Gewölbe des Sinziger Zehnthofs mit einer Neuauflage ihres Programms "Songs, Grounds and Dances", das sowohl einen musikalischen als auch einen inhaltlichen Schwerpunkt aufwies.

Die Stücke aus Renaissance und Barock waren mehrheitlich Grounds, eine in der Alten Musik sehr populäre Kompositionsform, bei der ein durchgehender, gleichbleibender Bass auf vielfältige Weise verziert wird.

Immer wieder wurde daher die Gitarre von der Flöte umspielt. Weil Henry Purcell diese Kompositionstechnik bis zur Meisterschaft beherrschte, waren es vor allem seine Werke, die zu Gehör kamen. Sein "O solitude" auch mit Gesang, Geoffrey Fingers "A division on a ground" und Jean Baptiste Lullys "A Chaconne" auch ohne.

Es schlossen sich mit Purcells "Under this Stone" auch ein Kanon und Robert Johnsons "Satyrs Dance" an. Von der Huldigung der Einsamkeit, begleitet von einem kargen Bass, bis hin zu sprühender Lebensfreude und tänzerischen Rhythmen reichte das Spektrum. Inhaltlich waren "Liebe, Melancholie und Wahnsinn, umspielt von einem Hauch von Frühling" angesagt, wie der Untertitel verhieß.

Thomas Balshars und David Mells "John come kiss me now" zum Auftakt mit dem dicken Schmatzer am Ende war unzweifelhaft ein schwärmerisch-fröhliches Beispiel für die Liebe. Genauso das von einem anonymen Komponisten stammende "Lavender's blue", das wie viele weitere Stücke neu im von Chi La Galliarda eigentlich schon seit einem Jahr präsentierten Programm war.

Den Weg von der Liebe über die Traurigkeit zum Trinken und weiter zum Wahnsinn zeichnete das Trio mit Purcells "Tis Women make us love" nach.

Darin waren die Frauen schuld. Eine Frau hingegen, die wegen ihrer verschmähten Liebe wahnsinnig wurde und die Geister der Unterwelt anflehte, sie zu holen, war die Protagonistin in "Grim King of the ghosts". Frösteln machte das von Deres vorgetragene "I freeze to death" in Purcells "Cold Song": Stakkato und damit monotone Klänge und eisige Stimmung.

Die Interpretation gab zugleich aber schon einen Vorgeschmack auf das nächste Programm des Ensembles, das im Winter folgen soll: "Die schneyichte Zeit".

Doch erst einmal obsiegt der Frühling mit John Playfords "The tuneful nightingale/All in a garden green" zum Finale: Nachdem Irmgard Morschhausen ihrer Flöte bereits früher Käfergeräusche entlockt hatte, war es zum erlösenden Abschluss tirilierender Nachtigallengesang.

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