Kommentar zum Bistum Trier: Wo bleibt die Seelsorge?

Kommentar zum Bistum Trier : Wo bleibt die Seelsorge?

Dass die Leitung des Bistum Trier sich als Vorreiter einer modernen Welt hinstellt und die Kritiker als Menschen von vorgestern, ist schon etwas eigentümlich.

Mut haben sie ja, die Kirchenoberen im Bistum Trier. Es mache nachdenklich, dass viele Menschen noch sehr in den alten Strukturen und den bisherigen Denkweisen verhaftet seien, verkündet der Generalvikar. Er spricht von denjenigen Gläubigen, die sich bislang gegen die Schaffung von 35 Großpfarreien und die Abschaffung von rund 800 Pfarreien ausgesprochen haben. Von denjenigen, die lieber die Kirche mit Pfarrer und seelsorgerischer Betreuung im Dorf sähen, anstatt sich mit fiktiven „Orten der Kirche“ abspeisen zu lassen.

Dass die Synodenumsetzung auf Kritik stoßen würde, war vermutlich auch der Bistumsleitung klar. Dass die sich jetzt aber als Vorreiter einer modernen Welt hinstellt und die Kritiker als Menschen von vorgestern, ist schon etwas eigentümlich.

Statt so zu tun, als ob die Zwangsfusionen die Umsetzung von geistreichen Visionen seien, sollte man den Gläubigen lieber reinen Wein einschenken: 2018 wurden in den 27 deutschen Bistümern 61 junge Männer zu Diözesanpriestern geweiht, 2017 waren es 74. Im Jahr 2015 hatte die Zahl mit 58 ihren bislang niedrigsten Stand erreicht, 1995 etwa waren noch 186 Priester in Deutschland geweiht worden.

Ein allgemeiner Glaubensschwund, die Verpflichtung zur Ehelosigkeit und der Umstand, dass Don-Camillo-Seelsorger, gepaart mit Top-Manager-Qualitäten und Mediatoren-Ausbildung händeringend gesucht und nicht gefunden werden, sind das Dilemma der Kirche. Da helfen auch Großpfarreien nichts. Die Seelsorge vor Ort wird auf der Strecke bleiben.

Wer davor Angst hat, ist weder unmodern noch in alten Strukturen verhaftet. Er ist nur Realist.

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