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Ein Hauch von Don Camillo: Wie die Kirchen im Ahr-Kreis in Corona-Zeiten Messe feiern

Ein Hauch von Don Camillo : Wie die Kirchen im Ahr-Kreis in Corona-Zeiten Messe feiern

Die katholischen Priester im Kreis Ahrweiler feiern die Eucharistie vor leeren Kirchenbänken. Im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage sagte ein Geistlicher: „Es wird Ostern werden. Unaufhaltsam. Sicher. Gewiss.

Thomas Hufschmidt bereitet sich auf den Höhepunkt der Messe vor. Mit den Worten Jesu im Abendmahlssaal wandelt er Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Nach liturgischer Vorschrift gehört dazu das Hochheben des Gewandelten, damit die Gemeinde dieses sehen kann. Pflichtbewusst hebt der Priester die Gaben ein wenig, in den Bänken der Sinziger Pfarrkirche Sankt Peter sitzt aber niemand, um zu beten. Was wirkt wie die Szene aus dem Film „Don Camillos Rückkehr“, in dem der streitbare Priester (Fernandel) wegen einer Hochwasserkatastrophe vor leerer Kirche predigt, ist typisch für das momentane christliche Leben in Zeiten der Corona-Krise.

Im Wechsel mit Kooperator Frank Werner hält der Kaplan zwar an allen im Pfarrbrief angekündigten Messen fest, jedoch ohne Gläubige und bei verschlossener Kirche. Außerhalb der Gottesdienste ist das Gotteshaus dann wieder geöffnet. Zu den Gottesdiensten schweigen nunmehr die Glocken, erklingen dafür aber zusätzlich zum traditionellen Angelus- und Totengeläut jeden Abend.

Die Kartage werden besonders in ihren äußeren Zeichen gefeiert werden. An Palmsonntag liegen Palmzweige und Osterkerzen zur Mitnahme bereit und an Karfreitag wird das Kreuz im Kirchenraum zum Gebet aufgestellt. An Ostersonntag und Ostermontag wird ein großes Geläut den höchsten christlichen Feiertag verkünden. „Wir rufen damit allen Sinziger, Kois­dorfer, Löhndorfer, Westumer, Frankener und Bad Bodendorfer Bürgern ‚Frohe Ostern’ zu“, heißt es von der Kirchengemeinde.

Der Krise trotzt die Sinziger Gemeinde mit einer leuchtend grünen Postkarte mit der Aufschrift „Lebenszeichen“: „Als Hoffnungssymbol für Sie selbst und auch um sie weiterzuschicken an Menschen, denen Sie jetzt gerne ein Lebens- und Hoffnungszeichen schicken möchten.“

Unter dem Motto „Getrennt und doch verbunden“ laden die Glocken der katholischen und evangelischen Kirchen im Breisiger Land dazu ein, jeden Abend ein „Vater unser“ zu beten. Dechant Frank Klupsch weist seine Gläubigen in Remagen und im Brohltal in einer schriftlichen Botschaft darauf hin, welche zahlreichen Möglichkeiten das Gesangbuch „Gotteslob“ und das Internet bieten, um auch in den eigenen vier Wänden den Sonntag zu feiern. „Dies lässt uns in diesen Tagen wieder neu spüren, dass wir als Christen weltweit eine Glaubens- und eine Gebetsgemeinschaft sind“, so Klupsch. Seelsorgeteam und Pfarrbüro seien darüber hinaus immer erreichbar.

Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr weist darauf hin, dass auf der Homepage der Evangelischen Kirche im Rheinland jeden Sonntag ein Gottesdienst per Internet mitgefeiert werden könnte. Die für den 22. März geplante Einführung der neuen Presbyter wurde indes auf unbestimmte Zeit verschoben.

In der katholischen Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler sind alle Treffen abgesagt und die Begegnungsorte geschlossen worden. Die Firmung ist bislang auf den 17. Mai verschoben und die geplante Matthias-Wallfahrt am 27. Juni abgesagt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit feiern die Priester weiterhin Messe und jeden Abend wird in Sankt Laurentius für die unterschiedlichsten Anliegen gebetet. Durch das Nordtörchen an der Wolfsgasse neben der Sakristei bleibt die mehr als 750 Jahre alte Ahrweiler Pfarrkirche auch tagsüber während der Krise für die Gläubigen geöffnet. Private Gebete oder das Anzünden einer Kerze sind weiterhin möglich.

Die Rosenkranzkirche in Bad Neuenahr wird mehrmals am Tag ihre Glocken erklingen lassen. Thomas Fößel, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, spricht seinen Mitchristen Mut zu: „Es wird Ostern werden. Unaufhaltsam. Sicher. Gewiss.