Trauben verdorrt: So sehr beeinträchtigt der Sonnenbrand die Ernte an der Ahr

Trauben verdorrt : So sehr beeinträchtigt der Sonnenbrand die Ernte an der Ahr

Besonders viele vertrocknete Trauben lassen das erklärte Ziel der Mayschosser Winzer um ein Drittel schrumpfen. Die Verluste liegen zwischen fünf und 90 Prozent.

Die Kröte mussten die 175 der 444 Mitglieder der Winzergenossenschaft (WG) Mayschoß-Altenahr bei der Generalversammlung am Mittwoch schlucken: Durch Sonnenbrand ist die Mitte September anlaufende und rund fünf Wochen dauernde Lese massiv betroffen, „die Trauben sind an den Stöcken verdorrt wie Grillhähnchen“, teilte Vorstandsvorsitzender Matthias Baltes beim anschließenden Pressegespräch mit seinem Stellvertreter Rudolf Stodden in der Vinothek mit.

Mal sind fünf Prozent verloren, in manchen Bereichen, wie dem Schieferstein in der Lage Mönchberg, bis zu 90 Prozent. „Wir können sagen, dass ein Drittel der Trauben kaputtgegangen sind. Zum Teil hatten wir dort durch den Schieferboden 65 bis 70 Grad. Für einzelne Mitglieder, denen kein Ausgleich gezahlt wird, ist das bitter“, so Baltes.

Die vertrockneten Beeren müssen nun behandelt werden, als seien sie faul. Sprich: Sie werden rausgeschnitten, weil ihre Bitterstoffe den Wein verderben würden. Ein Drittel Ernteverlust heißt, gemessen an den 1,45 Millionen Litern Wein, die im Rekordjahr 2018 produziert wurden, rund 480.000 Liter weniger als im Vorjahr – womit die älteste WG der Welt unter dem langjährigen Durchschnittswert von rund 1,15 Millionen Liter liegt. Doch es gab auch gute Nachrichten: Im Geschäftsjahr von Juli 2018 bis Juni 2019 – im Jahr Eins nach dem 150-jährigen Bestehen – stieg der Umsatz erneut um 570.000 Euro auf 8,64 Millionen Euro. „Dieser Rekord macht uns mit unserem Team von 31 festen Mitarbeitern und 130 Minijobbern stolz, denn wir leben in Zeiten, wo es draußen heiß her geht und der Markt umkämpft ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch geht zurück, wir richten uns auch nach Holland und Belgien aus, die bislang den Wein in Frankreich kauften und für uns als Kunden immer wichtiger werden“, ergänzte Stodden.

Ein Teil des Gewinns werde einerseits zusätzlich zum Traubengeld an die Mitglieder ausgeschüttet, andererseits Rücklagen gebildet. 1,2 Millionen Liter Wein, Sekt und Saft wurden verkauft, davon 50 Prozent als Barverkauf in den drei Vinotheken in Mayschoß, Altenahr und Walporzheim, der Rest im Lebensmittel- und Fachhandel sowie in der Gastronomie.

Für 2020 sind Investitionen geplant

Als Investitionsmaßnahmen seien für 2020 die Erneuerung von Remise und Vinothek sowie die Anschaffung einer weiteren Blanc-de-Noir-Presse geplant. Denn: „Ausverkauft“ meldet die WG beim trockenen Blanc de Noir, der übrigens nicht nur im Sommer, sondern rund ums Jahr der Renner ist. „Die 160.000 Liter Sekt sowie feinherber und trockener Blanc vom letzten Jahr sind weg. Der Absatz ist hoch und steigt weiter. Über ihn finden die Kunden zu uns, daher richten wir in diesem Jahr spezielle Erntetage nur für den Blanc ein, um die Literzahl durch eine bessere Belegung der Pressen steigern zu können.“

Seit Dienstag ist übrigens der Solaris als Federweißer im Verkauf, 12.000 Liter bringt die WG in Umlauf. In rund zweieinhalb Wochen geht es mit dem Frühburgunder los, dann folgen die späten Sorten. Apropos Solaris: Wo die Rebsorte heute geerntet wird, hätte man früher lediglich Christbäume gesetzt. Will heißen: Der Klimawandel macht die Nutzung neuer Flächen als Weinberge nach der Freigabe der Landwirtschaftskammer möglich. Ein Umswitchen auf andere, an der Ahr bislang unbekannte, hitzeresistente Rebsorten mache vermarktungstechnisch keinen sind, „weil sie keiner kennt“.

Um verbindlich etwas zur Qualität des 2019er-Jahrgangs zu sagen, ist es Baltes zu früh. „In den kommenden vier Wochen ist das Wetter bestimmend. Der Todesstoß wäre Regen mit warmen Nächten, weil dann Pilzerkrankungen den perfekten Nährboden finden. „Die Anlagen sehen gut aus. Keine Pilze, keine Kirschessigfliege, eine normal Reife.“ Neu aufgelegt und mit dem Sonderetikett „Reds on Ice“ versehen, hat die WG drei leichte Rotweine, die gekühlt getrunken werden. „Bei 16-17 Grad im Glas kommen sie optimal rüber“, so Baltes.