Gespräch mit Leni Großgarten: So reagieren Hospizbewohner im Ahrtal auf Hund Rico

Gespräch mit Leni Großgarten : So reagieren Hospizbewohner im Ahrtal auf Hund Rico

Leni Großgarten spricht über die Besuche mit ihrem Hund Rico im Hospiz im Ahrtal. Die Begegnungen mit dem freundlichen Vierbeiner vermitteln den Hospiz-Gästen nach Eindruck der 84-jährigen Hundebesitzerin ein Stück Normalität.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich ehrenamtlich zu engagieren, unter anderem auch in der Hospizarbeit?

Leni Großgarten: Meine Tochter Sabine ist mit 31 Jahren gestorben, Damals hatte ich ihr versprochen, anderen Menschen zu helfen. Das war vor 23 Jahren. Seitdem gehe ich ins Altenheim, singe mit den Menschen, backe Waffeln und mehr. Zum Hospiz kam ich, als meine Schwester hier Gast war. Seit fast einem Jahr besuche ich die Menschen im Hospiz und empfinde diesen Ort als sehr friedlich.

Wie entstand die Idee, mit Rico ins Hospiz zu gehen?

Großgarten: Vor zehn Jahren habe ich einen Aufruf in der Zeitung gelesen und Rico bei der Caritas in Sinzig testen lassen für den Besuch im Altenheim. Rico hat den Test bestanden und ist seitdem ein Begleiter bei den Besuchen im Altenheim und seit Mai 2018 auch im stationären Hospiz.

Großgarten: Sie haben keine Scheu vor ihm. Sie mögen ihn und möchten ihn berühren und streicheln, wenn er sie mit seinen großen dunklen Augen anschaut.

Großgarten: Rico ist ein gelassenes, unaufgeregtes Tier. Im Umgang mit Alten und Kranken ist er sehr vorsichtig und sehr zurückhaltend. Er wartet ab, bis sein Gegenüber einen Kontakt herstellt. Ich denke er spürt, dass er behutsam sein muss.

Macht es einen Unterschied, ob Sie mit oder ohne Hund kommen?

Großgarten: Mit dem Hund ist der Kontakt definitiv schneller und einfacher möglich. Es ist eine andere Art der Kontaktaufnahme. Die Menschen blicken meist zuerst auf den Hund und darüber beginnt auch das Gespräch. Von mir aus spreche ich nie über die Krankheiten der Menschen.

Was, denken Sie, gibt das Tier Ihrem Gegenüber?

Großgarten: Er bringt ihnen ein Stück weit die Außenwelt ins Haus. Und er gibt ihnen Normalität. Es steht vielleicht eben einmal nicht ihre Krankheit im Vordergrund oder an erster Stelle. Durch ihn spüren die Kranken das Leben. Sie können über „normale“ Dinge sprechen wie etwa über ihr Leben und ihre Erfahrungen mit Tieren. Dabei vergessen sie ihren Zustand.

Erinnern Sie sich an einen besonderen Moment mit dem Hund im Hospiz?

Großgarten: Es gibt viele besondere Momente. Ich erinnere mich beispielsweise an eine junge Frau, die nicht sprach. Aber sie lächelte so glücklich, als Rico neben ihr lag. Sie wollte ihn immer ganz dicht bei sich haben.

Und was geben Ihnen diese Begegnungen mit dem Hund und den Hospizgästen?

Großgarten: Vor allem bin ich dankbar, dass ich schon so lange und so viel helfen kann. Das macht mich zufrieden. Durch das Versprechen, das ich meiner verstorbenen Tochter gegeben habe, fühle ich mich auch ihr dadurch ein bisschen näher.

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