Freibier und ein Kraut gegen Dummheit: So läuft der Zwiebelmarkt in Bad Breisig

Freibier und ein Kraut gegen Dummheit : So läuft der Zwiebelmarkt in Bad Breisig

Bad Breisig steht noch bis Dienstag ganz im Zeichen des Zwiebelmarktes. Rund 300 Händler säumen mit ihren Verkaufsständen neben der Rheinpromenade und den neuen Wegen im Kurpark die Straßen der Innenstadt.

Ein Riesenereignis startete: Rund 300 Händler säumen mit ihren Verkaufsständen neben der Rheinpromenade und den neuen Wegen im Kurpark die Straßen der Innenstadt. Stop-and-go-Verkehr an der B 9, weil ständig Marktbesucher die Seite wechseln wollen.

„Zuerst gucken wir uns aber mal das Kreuz mit dem Splitter an“, lenkte eine Frau in der Kirche Maria Himmelfahrt ihre Begleiterin zur Reliquie vor dem Altar. Ansonsten wohl verwahrt in einem Schrein, wird das Kleinod seit sieben Jahren wieder bewusst hervorgehoben. Die Kirchengemeinde hat zum Fest „Kreuzerhebung“ die Wallfahrt erneut aufgenommen, mit dem Aussetzen der Reliquie vom Kreuze Jesu zur Betrachtung und zum Gebet an allen vier Markttagen. Bereits am Freitag lud sie zum ökumenischen Friedensgebet und am Sonntag zum Festgottesdienst mit Reliquiensegen.

Premiere beim Fassanstich für den neuen Bürgermeister

Keine Rede vom religiösen Ursprung dagegen beim Fassanstich zur Zwiebelmarkt-Eröffnung bei der Feuerwehr an der Zehnerstraße. Die Wehr hatte schon am Freitagabend mit einer „Kölschen Nacht“ vorgeglüht. Zum Start am Samstag offerierte die Truppe Doe Mar Wa aus den Niederlanden ein volltönendes fetziges Intro. Später brachten sie Rhythmus in die Gassen. Als sich Bad Breisigs neuer Stadtbürgermeister, Karl Udo Heuser, an die Gäste wandte, dankte er „den Vereinen, den sozialen Diensten, den Gastronomen und allen, die zum Gelingen des Marktes beitragen“. Der Markt habe im Laufe seines langen Bestehens immer wieder Änderungen erfahren. Jedoch: „Zwei Dinge sind geblieben: der Handel und die Begegnung von Menschen.“ Daran anknüpfend befand der Kreisbeigeordnete Horst Gies: „Es ist wichtig, dass wir diese Tradition pflegen und weitertragen in die Zukunft. Schön, dass ich dabei sein darf.“ Brunnenkönigin Elena Waditzer, die sich „schon als Kind auf die Markttage gefreut“ hat, wünschte Spaß beim Essen, Bummeln und Trinken. Dann stach Karl Udo Heuser mit einem Schlag das Fass an und füllte für die Umstehenden flugs eine ganze Reihe Gläser.

Derweil tummelten sich andere Gäste längst im Marktgeschehen. Zahlreiche Besucher reisten am Samstag klug per Shuttle-Bus an oder nahmen die Fähre über den Rhein. Bunt gemischt präsentierte sich das Warenangebot aus Haushaltswaren, Kleidung vom Trachten- bis Military-Look, Miederwaren, Dekoartikeln und manchem Schnickschnack. Beschichtete Pfannen locken die einen, Nougatblocks, Lakritzebonbons und Gewürze die anderen. Ältere Damen kauften erstaunliche Mengen belgischer Pralinen. „Und die kommen am Dienstag noch mal“, kennt die Händlerin ihre Stammkunden. Überhaupt steuern viele Konsumenten gezielt „ihre“ Qualitätsstände an. Wer unerfahren ist, muss sich auf sein Gespür verlassen. Soll man sich eine Heizungsbürste mit Ziegenhaar zulegen, einen Teleskop-Eck-Besen gegen Spinnweben an der Decke oder „Kraut gegen Dummheit“ im Gläschen bei der Essendorfer Genussschmelzerei? Alles zu haben, ebenso wie der mehrfach angebotene Multihobel, Fanartikel für alle Fußballvereine, Teufelskralle, Pferdebalsam und Poliermittel für Auto, Plastik und Leder. Reinhold Willems, genannt Richi, weiß letzteres an eine Frau zu bringen, die zuvor niemals zugegriffen hat bei derlei Pflegeutensilien. Aber Richi ist charmant, sehr entspannt, redegewandt, poliert nebenbei ihre Brille, ihre Goldringe, denn „Edelmetalle können verblassen, auch Beziehungen und die Liebe“.

Angebotspalette vom Fanartikel bis zum Pferdebalsam

Das Wetter meinte es beim Auftakt gut mit der Quellenstadt. Aber nicht bei allen Händlern herrschte eitel Sonnenschein. Es hätten mehr Gäste sein können. Nirgendwo herrschte Gedrängel, wo man sich früher bei solchem Wetter geschoben hätte. Und ein neues Sicherheitskonzept, das zu Platzwechseln führte, rief einigen Unmut hervor. Nicht nur Händler aus dem Brohltal, die Solinger Schneidwaren anbieten, waren verstimmt, statt am angestammten Rheinuferplatz in die schwach frequentierte Grabenstraße wechseln zu müssen. Ein Händler am Rhein bedauerte dagegen, seine Jahrzehnte lang treue Kundschaft werde ihn vergeblich in der Biergasse suchen. Zurückhaltend fiel das Urteil anderer Marktbestücker aus. „Erst abwarten, was der Sonntag bringt“, lautete ihre Devise. Indes bewahrheitete sich eine alte Regel, dass die Menschen allezeit ihre Freude am Trubel sowie Essen und Trinken haben. An den Ständen mit Leckereien und bei den Fahrgeschäften zwischen Grabenstraße und B 9 war der Besuch augenscheinlich sehr gut und Anbieter und Gäste gleichermaßen froh gestimmt.

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