Oberhalb von Marienthal: Plastik für die Erinnerungsstätte Lager "Rebstock"

Oberhalb von Marienthal : Plastik für die Erinnerungsstätte Lager "Rebstock"

Horst Saul hat für die Erinnerungsstätte des Lagers „Rebstock“ eine Plastik geschaffen. Auf dem Sockel steht die Inschrift „Sunt lacrimae rerum“ ("Tränen sind in den Dingen") von Vergil.

Seit etwa mehr als anderthalb Jahren gibt es die Erinnerungsstätte Lager „Rebstock“ oberhalb von Marienthal. Eingeweiht wurde sie am 9. November 2017 auf dem 12.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen den Portalen des ehemaligen Kuxberg- und Trotzenberg-Tunnels, später Teile des heute aufgelösten Regierungsbunkers. Eigentümer des Areals sind je zu Teilen die Gemeinde Grafschaft, die Verbandsgemeinde Altenahr und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Träger ist der Bürgerverein Synagoge in der Kreisstadt.

Infotafeln erinnern auf dem Areal vor dem ehemaligen Haupteingang des Regierungsbunkers an Zwangsarbeit, Menschenrechtsverletzungen und Erniedrigung in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In den Montagewerkstätten in den ehemaligen Eisenbahntunneln in Marienthal und Dernau, die als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald dienten, wurden bis zu 1500 Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. Eine Zahl, die bei Heimathistorikern umstritten ist, für den Trägerverein aber „keine Rolle spielt“.

„Der Bürgerverein Synagoge bekennt sich ausdrücklich zur Gedenkstätte Lager 'Rebstock'“, sagte denn auch dessen Geschäftsführer, Rolf Deißler, vor Vorstandsmitgliedern bei einer kleinen Feierstunde. Anlass war die Übergabe einer vom ehemaligen Vorsitzenden des Bürgervereins, Horst Saul, geschaffenen Kopfplastik aus Speckstein, die auf einem Sockel steht, der die Inschrift „Sunt lacrimae rerum“ (Tränen sind in den Dingen) von Vergil trägt. „Das Objekt verleiht dem Ort der Mahnung eine ästhetisch-künstlerische Dimension“, sagte Deißler. Zum einen vertiefe die 50 Zentimeter hohe Skulptur, die ihren Platz im Info-Pavillon gefunden hat, das Bewusstsein des an diesem Ort erlittenen Unrechts, zum anderen sei sie geeignet, die Anklage von Schuld und Unrecht universell und überzeitlich zu weiten.

„Solches vermag in dieser Unmittelbarkeit nur die Kunst. Darum erblickt der Verein in diesem Geschenk eine wunderbare, vielleicht sogar notwendige Aufwertung der Gedenkstätte“, sagte der Geschäftsführer.

Der 88-jährige Horst Saul erläuterte, weshalb er sich für das Zitat von Vergil entschieden hat: „Diese Steinplastik soll mit Narben und Verletzungen die Gequälten von damals in unsere Gegenwart holen, wissend, dass es Dinge gibt, die nicht mit Worten, sondern nur mit Tränen beantwortet werden können.“ In der jüngeren Vergangenheit ist es im Bürgerverein dennoch zu widerstreitenden Auffassungen über exakte Sachverhalte und die Einordnung von Zahlenmaterial aus Primärquellen in Bezug zum Ort der Gedenkstätte gekommen. „Dem Verein ermangelt es in den eigenen Reihen an ausgewiesener Expertise zur geschichtswissenschaftlich gesicherten Beurteilung der Quellen und der sich daraus ergebenden historischen Bewertung. Daher nimmt er die Initiative der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz, ihre eigene Informationsbroschüre zum Lager Rebstock durch einen reputierten akademischen Fachhistoriker inhaltlich prüfen zu lassen, erfreut zur Kenntnis“, sagte Deißler.

Dieses Gutachten werde der Verein abwarten, um anschließend zu prüfen, ob in der Dokumentation auf der Gedenkstätte Korrekturen vorzunehmen seien. „Völlig unberührt davon ist ihr Bestehen in der jetzigen Konzeption“, machte der Geschäftsführer klar.

Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Rainer Urbanke hat er aber auch einen Wunsch in Richtung der Kommunen, die die Errichtung der Anlage, für die 25.000 Euro aufgebracht worden waren, möglich gemacht hatten: „Bis heute gibt es keine Beschilderung zur Erinnerungsstätte. Das müsste dringend nachgebessert werden.“ Wie Deißler erklärte, habe die Gemeinde Grafschaft bereits angekündigt, dass sie Bänke installieren wolle. Zudem soll durch große Steine verhindert werden, dass das Areal der Erinnerungsstätte als Parkplatz missbraucht wird.

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