Nürburgring: Polizei geht gegen illegales Tuning vor

Kontrolle in der Eifel : Polizei geht gegen illegales Tuning am Nürburgring vor

Die Polizei hat am Nürburgring umfangreiche Kontrollen von illegal getunten Sportwagen durchgeführt. Dabei wurden die Beamten von Kollegen aus 18 europäischen Nationen beobachtet.

Wenn schon Polizisten aus 18 europäischen Nationen am Nürburgring tagen, dann muss ihnen auch etwas geboten werden. Das dachten sich jedenfalls die Verantwortlichen der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz und führten einfach zwei Seminare zusammen: ein internationales zur Verkehrssicherheit und eines des Landes zum Thema illegale Veränderungen an Kraftfahrzeugen.

Viel Theorie. Aber die Praxis ließ staunen. Denn die rheinland-pfälzischen Polizisten führten ihren Kollegen aus Bulgarien und dem Baltikum, aus Italien, den Niederlanden und vielen anderen Staaten das vor, was ihnen Seminarleiter Matthias Noll beigebracht hatte.

Alles, was irgendwie getunt aussah, wurde auf der B 258 an der Polizeiwache hinter dem ersten Kreisel auf den Standstreifen gelotst. "Da haben die Adenauer Kollegen mehr Erfahrung als die meisten Polizisten im Land", sagte Jan Karweik dem General-Anzeiger. Und räumte ein: "Was hier am Nürburgring an einem Tag an Boliden über die Straße rollt, sehe ich bei uns zu Hause in einem Jahr nicht." Der Sprecher der Polizeihochschule wohnt auf dem Hunsrück.

Und staunte nicht schlecht, als der aufwendig getarnte "Erlkönig" eines bayerischen Automobilkonzerns die rote Kelle bekam. Da blieb natürlich die Motorhaube zu. Dito bei einem Forschungs- und Versuchsfahrzeug von Porsche, dessen Fahrer allerdings ein zweites Mal vorbeikommen durfte. Er hatte seinen Führerschein im Hotel vergessen. Was am Nürburgring binnen zwei Stunden jedoch rausgewunken wurde, konnte sich durchaus sehen lassen. Zwar war bei den meisten "sportlich aussehenden und daher verdächtigen Fahrzeugen" fast alles in Ordnung und in den Papieren eingetragen, doch auch Kleinvieh macht Mist.

"Wir unterscheiden zwischen den Kategorien 'einwandfrei', 'mit Mängeln, aber fahrtauglich' und 'stilllegen'", erklärte Noll die Vorgehensweise bei der Kontrolle. "Ist bei dem einen der Luftfilter nicht eingetragen, bei dem anderen der Spoiler, dann sind das keine großen Sachen." Da werde dann freundlich, aber gebührenpflichtig darauf hingewiesen, dies schleunigst nachzuholen.

Ins Schmunzeln kam dann aber die fast durchweg in Blau gekleidete internationale Polizeimannschaft, als ein Kontrollteam den Fahrer eines Mazda MX 5 aus Griechenland aufforderte, sich vorsorglich schon mal um einen Abschlepper zu kümmern. Denn weil sein neuer Supermotor, der da gar nicht hineingehört, nicht unter die Haube passte, hatte der Eigner Letztere aufgeschnitten und mit einem "Häubchen" versehen. Pech für den Griechen, dass er gerade am Kontrolltag den Nürburgring passieren wollte. "Das kostet den Fahrer 90 Euro plus den Rückbau des ganzen Tunings", sagte Noll dem General-Anzeiger. Denn die Behörden in Griechenland würden umgehend über den Zustand des Wagens informiert. Wolle der Mann ihn weiterhin fahren, müsse der Wagen nach dem Rückbau vorgeführt werden. Bis dahin gelte wegen der Manipulationen die Betriebserlaubnis nicht mehr.

Weniger sein Lexus, sondern eher sein Führerschein machte hingegen einem Japaner zu schaffen. Er hatte seinen internationalen Führerschein nicht dabei, sondern nur ein Exemplar aus seinem Heimatland. Dieses könnte aber genauso gut eine mit Foto versehene Rabattkarte eines asiatischen Restaurants sein. Daher: zurück ins Hotel und den internationalen "Lappen" holen. Der Autofahrer ertrug's mit Gelassenheit und einem Lächeln. Was er gedacht hat und seinem Mitfahrer sagte, wird wohl ein Geheimnis blieben.

Und eigentlich waren die internationalen Gäste, bei denen lediglich die Italiener mit ihren Ausgehuniformen einen Farbtupfer setzten, nur als Zuschauer gedacht. Doch als ein auffälliger Sportwagen mit Aachener Kennzeichen die rote Kelle sah, sprang dem deutschen Polizisten flugs ein bulgarischer Kollege bei. Denn der Fahrer gab vor, nur Russisch zu sprechen. Der bulgarische Kommissar sprach's aber auch. Und das ziemlich deutlich. Für deutschsprachige Ohren war allerdings nur das Wort "Tuning" zu verstehen.

Immerhin 20 Fahrzeuge und Fahrer wurden bei der Aktion am Nürburgring "verarztet". "Das ist eine Kontrolle, die eigentlich viel öfter stattfinden müsste", sagte Karweik. Deshalb schreibe die rheinland-pfälzische Polizei die entsprechenden Seminare landesweit als Fortbildung aus. Da könne sich jeder Polizist melden.

Und was gab's am Rande der Strecke? Da lauerten am Kreisel ein schwedischer und ein deutscher Fotograf auf "Erlkönige". Derer sind derzeit fünf von verschiedenen Herstellern rund um den Nürburgring unterwegs.

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