Tag der offenen Tür: Manche gehen bei der Ahrweiler Tafel leer aus

Tag der offenen Tür : Manche gehen bei der Ahrweiler Tafel leer aus

Die Ahrweiler Tafel klärt mit einer simulierten Lebensmittel-Ausgabe beim Tag der offenen Tür die Besucher über ihr Tun auf.

Es sah so aus wie an anderen Ausgabetagen der Ahrweiler Tafel auch. Aber es war kein gewöhnlicher Tag, denn die vermeintlichen Kunden waren keine Bedürftigen und kamen zum Teil mit Lebensmitteln, statt Nahrungsmittel mitzunehmen. „Mitbringsel“ wie Konserven, Nudeln, Reis und mehr wurden dankbar entgegengenommen und Fragen der vielen interessierten Besucher bereitwillig beantwortet.

Beim Tag der offenen Tür haben die Mitarbeiter der Ahrweiler Tafel eine Tafelausgabe live simuliert. „Es geht darum, zu zeigen, was und wie wir arbeiten“, erklärte Caritas-Mitarbeiterin Nadja Popelka. Anliegen sei auch, die Bevölkerung zu sensibilisieren und für weitere Lebensmittel-, Sach- und Geldspender sowie um Sponsoren und um engagierte Ehrenamtliche zu werben.

Denn jede Hilfe dieser Art ist bei der Tafel erwünscht und benötigt, die an den Ausgabestellen in Ahrweiler und Sinzig nach aktuellem Stand insgesamt rund 1069 Personen jeden Alters, respektive 347 Kunden, versorgt. Hinter einem „Kunden“ verbergen sich oft mehrere Personen respektive Familienangehörige. Deren Zahl habe sich in den vergangenen Jahren auf diesem hohen Niveau eingependelt.

Besonders betroffen zeigte sich mancher Besucher beim Tag der offenen Tür, dass die Tafel auch insgesamt 444 Kinder, die meisten zwischen 12 und 18 Jahren, mitversorgt. Bei einigen Lebensmittel-Beziehern der Tafel reicht die Rente nicht, andere haben ein geringes Einkommen oder fallen unter das Grundsicherungsgesetz (GSiG), aber mehr als Dreiviertel beziehen Arbeitslosengeld II (ALG II) oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Im Jahr 2016 kam es zu einem Aufnahmestopp

In Ahrweiler sind die größte Gruppe mit mehr als 56 Prozent ALGII-Empfänger, in Sinzig werden mehr als 45 Prozent Empfänger nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gelistet. Die Kunden wohnen fast im gesamten Kreis Ahrweiler, vorwiegend indes in Bad Neuenahr-Ahrweiler (387 Kunden), Sinzig (298), Bad Breisig (92), Remagen (76) und Burgbrohl (57).

Weil die Zahl der Bedürftigen viel stärker gewachsen ist als die Zahl der Lebensmittelspenden, hat die Ahrweiler Tafel im Jahr 2016 erstmals einen Aufnahmestopp erklärt. „Auch heute noch gibt es bei den Ausgaben Kunden, die leider leer ausgehen“, erklärten ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins.

Insbesondere auch Hygieneartikel für Babys und Babynahrung seien nachgefragt, erfuhren die Besucher. Sie vollzogen den Weg der Tafel-Kunden nach: Vom Empfang im aufgebauten Café, wo sich die Bedürftigen bei Kaffee und Gebäck die Wartezeit verkürzen und austauschen, bis zum Tisch der „Bürogruppe“ der Tafel, an dem die Ausweise kontrolliert und per Los die Reihenfolge für die nächste Tafelausgabe für den jeweiligen Kunden festgelegt wird. Die „echten“ Kunden erhalten dann Brot, von dem es nach Angaben der Tafel-Mitarbeiter fast immer genug gibt. Schwieriger ist es da schon mit Kühlware, die an der nächsten Station ausgegeben werden, bevor es an die Regale mit Obst, Gemüse oder Konserven geht.

Die Besucher erfuhren, wie die Lebensmittelverteilung genau organisiert wird, wie die „Tafel“ lange Warteschlangen vermeidet, wie man Pate für die Tafel werden kann und welche Angebote sie sonst noch macht: von Kockkursen über Behördenbegleitdienst bis zum Mentorenprojekt „Balu und du“.

Auch das Motto des vor zehn Jahren gegründeten ökumenischen Gemeinschaftsprojekts von Caritas, Evangelischer Kirchengemeinde Bad Neuenahr, Dekanat Ahr-Eifel des Bistums Trier und der Diakonie war Inhalt mancher Gespräche: „Verteilen statt vernichten“.

Wer getreu diesem Motto Lebensmittel abgeben oder sich sonst engagieren möchte, ist mittwochs von 10 bis 11 und von 17 bis 19 Uhr an der Ausgabestelle hinter dem Ahrweiler Bahnhofsgebäude, Bahnhofstraße 5, willkommen.

Mehr von GA BONN