Neue Talente auf der Schauspielbühne: Kriminelle im Tante-Emma-Laden

Neue Talente auf der Schauspielbühne : Kriminelle im Tante-Emma-Laden

Auch das zweite Stück des Bachemer Theatervereins „Lätitia“ spielt „em Konsum“.

Irgendwie hängen die Bachemer immer noch an ihrem einstigen Lebensmittelgeschäft, das für viele auch so etwas wie der beliebte Dorftreff gewesen ist. Der „Konsum“ war mehr als ein „Laden“, es war die Kommunikationsinsel des Ortes. Kein Wunder, dass auch der wieder ins Leben gerufene Theaterverein „Lätitia“ sich mit dem Konsum beschäftigt. Hier spielt auch das zweite Stück des jungen Vereins, das gestern Abend eine umjubelte Premiere im Saal des Bachemer Winzervereins feierte.

„Em Konsum II“ lautete folglich der Titel der neuen Komödie aus der Feder der Vereinsvorsitzenden Inge Schröder. Ging es beim ersten Stück noch darum, der Lokalpolitik eins auszuwischen und Windräder am Ortsrand zu verhindern, wurde es nun richtig kriminell. Schröder schrieb dem Ensemble eine Unterwelt-Verwechslungskomödie förmlich auf den Leib. Denn in dem Laden gab es buchstäblich „Heiße Waren“ zu kaufen.

Alles begann mit dem Diebstahl der Gemeindekasse, mit der doch ein neues Gemeindehaus errichtet werden sollte, durch Herrn Schnöder. Ebenfalls verschwunden war der Bachemer Jung „Otto“ (Volker Breuer), der tauchte zu Beginn des Stücks wieder auf, und zwar als langhaariger Aussteiger, der seinen Lebensunterhalt mit der Anpflanzung von Cannabispflanzen verdiente. Das nahm man ihm im Konsum weniger übel als die Tatsache, dass er das Ladenlokal daneben verpachtet hatte und dass dort nun ein Dessousgeschäft entsteht.

Denn Otto sprang ob der fehlenden Gemeindekasse helfend ein, schenkte Cannabis-Pflanzen zum Weiterverkauf an das Trio Fuzzy (Christian Kramer), Helge (Reinhard Kuhn) und den „Quotensachsen Mättes“ (Matthias Wagner). Jetzt begannen Verwirrungen und Verwechslungen. Mättes verliebte sich in die Dessousverkäuferin Vroni (Gaby Rhode-Deppe) und mußte vom einfachen Bachemer zum Gigolo umgestylt werden. Fuzzy versteckte das Cannabis im Konsum, doch plötzlich waren die Pflanzen als Basilikum im Sonderangebot.

Mafiosi Makkaroni (Ferdi Heuwagen) und sein krimineller Mithelfer Tünn (Thorsten Kehl) waren sichtlich sauer ob der fehlenden Pflanzen, nur die schusselige Verkäuferin Gilla (Martina Arnold) war durch nichts aus der Ruhe zu bringen, obwohl sie alle anderen um den Verstand brachte. Mittendrin und in der Hauptrolle glänzte die Konsum-Chefin, also „dat Tina“ in Person von Klaudia Krohnen. Sie hielt mehr oder weniger unbewusst alle Fäden in der Hand, weil auch alles irgendwie mit dem Konsum verbunden war.

Eine herrliche Geschichte, die sich Inge Schröder da ausgedacht hatte und die – wie könnte es anders sein – im Happy-End endete. So geht Komödie eben. Dazu bewiesen sich die Charaktere als tolle Laiendarsteller. Besonders die Konsum-Belegschaft Tina und Gilla sorgten für die Lacher, natürlich auch der Mättes mit seinem sächsischen Dialekt, den er voll auslebte. Er hatte ebenso auch einen musikalischen Part, wie Hamsterzüchter Helge.

Als schauspielerische „Entdeckung“ darf der Verein Christian Kramer für sich verbuchen, er schien in der Rolle des „Fuzzy“ förmlich aufzugehen. Ferdi Heuwagen überzeugte als Mafiosi Makkaroni ebenfalls voll und ganz. Auch die Nebenrollen erledigten ihren Part souverän, sei es Günther Wolf als Kommissar Kurz, Nadim Aboulzahab als Hippie, Ronja Kronen als Resi oder Marion Persie als ungeliebte „Frau Müller“,

Den Bachemern und allen weiteren Gästen gefiel die Aufführung, was sie durch lang anhaltenden Applaus kundtaten. Und der ist nun einmal das Brot des Künstlers. Die Veranstaltungen heute und morgen sind jedenfalls, ebenso wie die gestrige Premiere, restlos ausverkauft. Möglicherweise wird es noch die eine oder andere Aufführung auf Bühnen in der Umgebung von Bachem geben.

Die deutsche Theaterkultur wurde 30 Flüchtlingen, überwiegend aus Syrien, mit dem neuen Stück nähergebracht. Sie waren der Einladung der Lätitia-Vorsitzenden Inge Schröder, die sich ehrenamtlich in der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr engagiert, gefolgt, und hatten sich die Generalprobe am Donnerstag angesehen. Für die Flüchtlinge war es eine willkommene Abwechslung, ihr Applaus zeigte, dass sie vieles verstanden hatten und angenehm berührt waren. Die Schauspieltruppe hatte den Vorteil, die Generalprobe nicht vor leeren Rängen spielen zu müssen. ⋌