Klima-Camp: Fridays-for-Future-Gruppe organisiert Workshops in Sinzig

Fridays-for-Future : So läuft das Klima-Camp auf dem Sinziger Kirchplatz

Wissenschaftler unterstützen die Fridays-for-Future-Gruppe Sinzig mit Referaten und bei Workshops. Noch bis Freitag findet das Klima-Camp vor dem Rathaus statt.

Fridays for Future haben in Sinzig ein Gesicht: Finja Barais. Die 16-jährige Oberstufenschülerin des Rhein-Gymnasiums ist im Streik. Und das die ganze Woche. Denn die Initiatorin der Sinziger Friday-for-Future-Gruppe ist Organisatorin eines Klima-Camps, das im wahrsten Sinne des Wortes seine Zelte vor dem Rathaus aufgeschlagen hat. Fünf bis zehn junge Leute übernachten teils in eignen Zelten, teils in in einem vom Technischen Hilfswerk zur Verfügung gestellten Großzelt auf dem Kirchplatz. Dies, um tagsüber Zeichen für das Klima zu setzen. Mit Workshops und Vorträgen."Da ist die Stadt sehr kooperativ", sagt Finja Bareis. Das Rathaus stellt den jungen Leute den Strom,die Zähne werden morgens in der Rathaustoilette geputzt und ab 6.30 Uhr laden die Klimaaktivisten noch bis Freitag zum Frühstück an die Tische in ihr Tagungszelt ein.

Dafür schwänzt Finja nicht die Schule, sie streikt. Das sieht sie ganz entspannt: "Dann kommen die unentschuldigten Fehlstunden eben ins Zeugnis." Mit Problemen rechnet sie nicht. Sie kann statt dessen auf Zuspruch bauen. Denn Lehrer des Rhein-Gymnasiums machen mit ihren Klassen im Pavillon der Aktivisten Station. So auch Religionslehrerin Sibylle Schwägermann mit ihrer Klasse. "Es ist wichtig, bei den Schülern ein Bewusstsein für die Klima-Problematik zu schaffen", sagte die Lehrerin dem General-Anzeiger. Es gelte, die jungen Leuten und ihre Ziele ernst zu nehmen, ihnen mit Respekt zu begegnen. Mit der Schulleitung gebe es bei der Aktion keine Probleme. "Wenn Lehrer den Besuch des Klima-Camps mit ihren Schülern während des Unterrichts anmelden, dann geht das in Ordnung", sagt Schwägermann.

Bei diesen Besuchen treffen Schüler und Lehrer auf Referenten, die sie sonst nicht so einfach erleben können. So informierte zum Beispiel Martina Lauterbach, Studentin der Umweltwissenschaften, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt darüber, wie Klimawandel überhaupt zustande kommt. Oder Clarissa Figura, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promotionsstudentin des meteorologischen Instituts der Uni Bonn, über Klimakommunikation. Soll heißen: "Wie kläre ich über Klimawandel auf? Wie gehe ich mit Gegenargumenten um?". Figura gehört der Organisation Scientist for Future an, den weltweit 26 800 Wissenschaftlern, die für die Kliamaktion gezeichnet haben. "Wir unterstützen Fridays-for-Future-Gruppen wissenschaftlich und faktenorientiert", sagt Figura.

Aktivistin in Sinzig: Finja Barais. Foto: Günther Schmitt

Als Unterstützer angekündigt haben sich in Sinzig Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes. Bis Freitag stehen auf dem Kirchplatz zudem Workshops an zu den Komplexen "Klimawandel und Landwirtschaft", "globale Sünden", "Verkehrswende" und auch ein Presseseminar unter dem Titel "Wie bringe ich die Botschaft unter die Leute". Der Leute, die auf dem Kirchplatz vorbeikommen, waren schon in den ersten Tagen gar viele. Alle suchen das Gespräch, finden positive Worte über die erste Klima-Demo, die Finja Barais am vergangenen Freitag gestartet hatte. Donnerstagabend will die junge Truppe dann im Sinziger Rathaus die Stadtratssitzung besuchen. "Da stehen zwar keine Umweltthemen an, aber wir wollen zeigen, dass es uns gibt", erläutert Finja Bareis ihre Intention. "Denn unser Haus brennt, wir müssen es löschen." Dafür setzt sie auf lokaler Ebene auf ein deutliches Mehr als Radwegen und auf einen Öffentlichen Personennahverkehr, der seinem Namen auch Ehre macht.

Für die Schule wünscht sie sich Klimaunterricht als eigenes Schulfach, "weil es für uns alle wichtig ist". Daher freute es sie auch, dass Vertreter aller Generationen an der Demo am Freitag teilgenommen haben.Für kommenden Freitag plant die Truppe von Fridays for Future in Sinzig eine Art Trauertag. "Wir wollen um die Opfer trauern, die der Klimawandel schon gefordert hat", sagte Finja Bareis. Ob das dann in einer Abschlusskundgebung auf dem Kirchplatz münde, könne sie noch nicht sagen. Bis dahin aber freue sie sich über jeden, der den Kontakt zu ihrer Gruppe auf dem Kirchplatz suche und bei Workshops mitmache.Und was macht Finja Bareis, wenn sie ihr Abitur in der Tasche hat? "Da bin ich noch in der Findungsphase", sagt die 16-Jährige. Sie liebäugelt jedoch schon mit einem Jura-Studium, um sich anschließend auf Umweltrecht zu spezialisieren und dann für eine Nichtregierungsorganisation tätig zu werden.